324.07.10|Lokal
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Von Johannes BruggaierSYKE (Eig. Ber.) · Die Konversation mit Dämonen, findet Rüdiger Görner, könne „keinem verantwortlichen Politiker schaden“.

Kreiszeitung Syke
Dämonen nämlich, so erklärt der Literaturwissenschaftler stürzen ihren Gesprächspartner in ein „Bewusstseins-
Bettine von Arnim hatte sich einmal in der Rolle eines solchen Dämons versucht. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen sollte sich von ihren Einflüsterungen zu einer neuen Politik verleiten lassen: einer Politik ohne Todesstrafe und Repressalien gegen Minderheiten, ein quasidemokratisches Staatswesen mit hohem Mitbestimmungsanteil der Bevölkerung. „Gespräch mit Dämonen“ nannte sie das Werk, in das sie praktischerweise nicht allein ihre dämonischen Forderungen, sondern gleich auch noch die erwünschten Antworten des Königs integrierte. Für den Verlag Berlin University Press hat Rüdiger Görner das Werk nun neu herausgegeben. Inwieweit von Arnims Einflussnahme für die heutige Politik von Bedeutung sein könnte, bleibt aber auch nach der neu kommentierten Lektüre ungewiss: Zu sperrig ist das Werk, zu dunkel sein sprachlicher Duktus.
Das fängt mit der vertrackten politischen Lage nach der gescheiterten Revolution von 1848 an. Eine Zeit, in welcher der libertinäre Geist noch nachwirkte, obschon sich die Monarchie restituierte. An der Spitze Preußens ein romantisch schwärmerischer König, der sich einerseits vor den Gefallenen der März-
So sind es eher abseitige lokalpolitische oder aber auch ästhetische Äußerungen, die auch 150 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung noch das Interesse des Lesers erwecken. In einem Prolog widmet sich der Dämon zunächst dem Primas, der zur Zeit des Rheinbundes für die skandalöse Situation der Juden in der Stadt Frankfurt verantwortlich zeichnete. Mit einem reizvollen Bezug auf Goethes „Dichtung und Wahrheit“ hält von Arnim einer Gesellschaft den Spiegel vor, die einerseits im großen Gewächshaus der Stadt exotische Pflanzen pflegt, andererseits orientalische Juden in ein Ghetto sperrt.
In ästhetischer Hinsicht bemerkenswert erscheint indes der Verweis auf die Genesis, mit der unbekümmert dahingeworfenen These, wonach man das Licht, von dem letztlich der Weltenlauf eingeleitet worden sei, getrost mit dem „Gefühl“ gleichsetzen könne. Gefühl also und nicht mehr Verstand wie noch zu Zeiten der Aufklärung: Deutlicher ließe sich wohl kaum die Abkehr der Romantiker von der Klassik dokumentieren. Vor diesem Hintergrund wird auch die Absage an alles Formale verständlich. Form nämlich, befindet der Dämon, sei „nur da, wo Geist nicht ist“: eine kühne, genau genommen tollkühne Behauptung, die von einem gefährlichen Hang zur Schwärmerei zeugt.
Vor allzu finsteren Einflüssen sollte man sich also durchaus in Acht nehmen. Zwar vermögen Dämonen ihre Gesprächspartner in ein Bewusstseins-
Bettine von Arnim: „Gespräch mit Dämonen“; Berlin University Press: Berlin 2010; 240 Seiten; 34,90 Euro.
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07.09.10|Deutschland|0


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