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Energische Erzählstimme

Der Cellist Mischa Maisky gastierte mit „Carte blanche“ bei den Bremer Philharmonikern

Energische Erzählstimme

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Bremen - Von Tim SchomackerDie Bremer mögen ihre Philharmoniker. Und ihre Straßenbahn. So saßen jetzt am Abend zahlreiche Bremer, aus der vollbesetzten Glocke kommend, in der Bahn und sprachen über ein Konzert der Philharmoniker. In gewisser Weise erinnerte diese Einheit von Stadt und Menschen und Musik an die Zeit, in der die Orchester nicht riesig waren.

Energie und Eleganz: Mischa Maisky. ·

© Foto: H. Shiozawa

Energie und Eleganz: Mischa Maisky. ·

Voll besetzt, zumindest nahezu, waren an diesem mittleren Abend einer dreitägigen Zusammenarbeit mit dem Cellisten Mischa Maisky nicht nur Bahn und Parkett, sondern auch das Konzertpodium. Gedoppelte Piccoloflöte, ein halbes Dutzend Kontrabässe und so weiter. Das Stück nach der Pause sei eintönig gewesen, sagte eine ältere Mitfahrerin zu ihrem Mann. Dafür wär’s vor der Pause sehr schön, erwiderte dieser. So fuhren sie dann dahin; zufrieden mit ihrer Bahn. Und mit ihren Philharmonikern.

Bemerkenswert ist die Bemerkung von der Eintönigkeit insofern, als nach der Pause eine Interpretation der zweiten Symphonie des Finnen Jean Sibelius auf dem Programm stand, die Dirigent Markus Poschner und seinem Orchester sehr voluminös und kantig gelang. Mithin ein Orchesterwerk, das zu den frühen gehört, die mit multipler Themenstellung arbeiten, entsprechend an jener Moderne kratzt, die historisch darauf folgte. Poschner verpasst diesem Klassiker eine aufregend ausgereizte Dynamik, lässt ausgedehnte Pizzicato-Passagen im ersten Satz nahezu swingen, um später immer wieder Streicher-Attacken und langsam sich entladende Bläser-Cluster in den Raum zu stellen, in dem sich kurze und oft langsame Melodielinien entfalten. Um sich Richtung Finalsatz zu bündeln und zu steigern.

Rostropowitsch-Schüler Mischa Maisky hatten die Philharmoniker für seinen Bremenaufenthalt eine „Carte blanche“ ausgestellt. Der renommierte Cellist mit der markanten Mähne nahm dankend an, lud für Beethovens Tripelkonzert Sohn Sascha und Tochter Lily ein, wählte für den Abschlussabend das Cellokonzert von Saint-Saëns.

Virtuosität

und Klarheit

     Mittendrin stand Dvoraks Cellokonzert in h-moll auf dem Zettel. Die Philharmoniker, zu Konzertbeginn bei Sibelius’ „Finlandia“ noch nicht ganz so gut sortiert wie bei dessen folgender zweiter Symphonie, eröffneten das 1896 uraufgeführte Solokonzert mit dem einprägsamen Hauptthema. Der Solist greift bei Dvorak ungewohnt spät ins Geschehen ein. Ein Schauspiel, Maisky zu betrachten, wie er im weiten, glänzend blauen Hemd sich in Richtung der einzelnen Orchestergruppen neigt, der thematischen Exposition folgt. Um dann nach dem Hornsolo energisch seinen Solopart in Angriff zu nehmen. Dvoraks zwischen Virtuosität und Klarheit pendelndes Konzert ist wie geschaffen für Maiskys Mischung aus Energie und Eleganz. Gemeinsam mit den Bremer Philharmonikern gelingt eine einprägsame Intonation, die indes nicht ganz an die Brillanz heranreichte, mit der das Orchestre Les Siècles im vergangenen Herbst an dieser Stelle Dvoraks mit dem Cellokonzert verknüpfte Symphonie „Aus der neuen Welt“ für ein neues Hören bereit stellte.

Einem zu Recht begeisterten Bremer Publikum servierte Maisky als Dessert die Lenski-Arie aus Tschaikowskis „Eugen Onegin“ in einer Instrumentaladaption. Und unterstrich die Intensität, mit der er dem „Gesang“ seines Instruments (auch das Dvorak-Konzert enthält im zweiten Satz ein langes Lied-Zitat) Ausdruck zu verleihen vermag. Auch wenn für einige Straßenbahnfahrer der Sibelius die eigentliche Wiederentdeckung des Abends war.

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