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Eine neue Art der Verständigung

Landesjugendensemble für Neue Musik

Eine neue Art der Verständigung

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Syke - Von Johannes BruggaierHeute fragt man sich, warum es das nicht schon längst gegeben hat: ein eigenes Landesjugendensemble für Neue Musik.

Technisch-ästhetische Weiterbildung: Musiker des Landesjugendensembles für Neue Musik. ·

Technisch-ästhetische Weiterbildung: Musiker des Landesjugendensembles für Neue Musik. ·

Selbstverständlich waren zeitgenössische Werke schon immer auch auf den Konzertprogrammen der klassischen Jugendorchester zu finden. Und doch konnte das niemals darüber hinwegtäuschen, dass Neue Musik eigentlich eines eigenen Ensembles bedarf: dass sich allein schon Besonderheiten der Instrumentation oft nur schwerlich mit den Bedingungen eines klassischen Klangkörpers vereinbaren lassen.

Die Gründung eines solchen Ensembles freilich ist ohne das Engagement und den Idealismus namhafter Künstler nicht möglich. Im Fall des Landesjugendensembles für Neue Musik (LNM) war es die in Syke-Ristedt lebende Konzertflötistin Carin Levine. Im Jahr 2008 lud sie erstmals 21 Nachwuchsmusiker aus ganz Niedersachsen zu einer Arbeitsphase in die Bassumer Freudenburg ein. Eine Woche lang probte man damals Werke von Komponisten wie John Cage oder Jukka Tiensuu, und am Ende kam es zu einem viel beachteten Konzert in der Kreissparkasse Syke.

Heute, drei Jahre später, ist das Ensemble etabliert, gilt nun offiziell als genuin zeitgenössisches Pendant zum Niedersächsischen Jugendsinfonieorchester und hat kürzlich seine bereits vierte Arbeitsphase absolviert. Dass in der Region von diesem jüngsten Projekt vergleichsweise wenig Notiz genommen wurde, ist dabei lediglich einer geografischen Verschiebung geschuldet. Denn was in Bassum und Syke seinen Ausgang gefunden hat, wird mittlerweile in Wolfenbüttel fortgesetzt. Vom 4. bis 8. August probten dort nun die 22 jungen Musiker (zwischen 14 und 21 Jahre) unter der Leitung von Arturo Tamayo an wahrhaft taufrischen Werken. Unter anderem drei Uraufführungen wurden erarbeitet, die älteste Komposition datiert auf das Jahr 1988. Mit dabei: die Komposition „Äquinoktium“ von der gerade einmal 15 Jahre alten Tonkünstlerin Vivien Krause. Sie hatte im vergangenen Jahr noch als Musikerin teilgenommen, auf Anregung von Levine begann sie später mit dem Komponieren.

In den Konzertsälen der Republik ist Neue Musik weitgehend etabliert – für die meisten Teilnehmer einer LNM-Arbeitsphase aber eröffnet sich dennoch eine in vielfacher Beziehung neue Welt. Das Notenbild, das Metrum, die Spieltechniken: Vieles läuft anders als in der klassischen Literatur.

Die Jugendlichen, sagt Levine, bilden sich auf diese Weise technisch weiter. In ästhetischer Hinsicht dagegen erfahren sie „eine neue Art der musikalischen Verständigung“. Das gilt für den Umgang mit der Partitur selbst, aber auch ganz schlicht für die Besetzung. So gewinnen etwa Pianisten Einblicke in denkbar ungewohnte Techniken des Zusammenspiels. Was es bedeutet, auf einen Dirigenten achten zu müssen, sagt Levine, sei für sie „eine ganz neue Erfahrung.“

Am kommenden Sonntag ist das Ergebnis der Arbeitsphase noch einmal zu hören. Dann tritt das LNM im Rahmen des Festivals „Musik 21“ im Künstlerhaus Hannover auf.

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