022.02.10|Lokal|Lokal|
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Von Wilfried HippenBERLIN (Eig. Ber.) · Für die norddeutsche Filmbranche findet jedes Jahr einer der Höhepunkte der Berlinale schon am zweiten Tag des Festivals statt.
Die Filmförderungsanstalt von Niedersachsen und Bremen lädt traditionell am Freitagabend in die niedersächsische Landesvertretung zum „nordmedia-talk“ und der „nordmedia-night“ ein, und einige der Gäste reisen extra zu diesem Termin aus Hannover oder Bremen an, denn dies ist alle Jahre wieder die große Show der Institution, die sehr viel Wert auf ihre Außendarstellung legt. So mancher unabhängige (will sagen, extrem von Fördergeldern abhängige) Filmemacher aus dem Norden wird wieder mit gemischten Gefühlen an das gute Büffet gegangen sein und sich dabei ausgerechnet haben, wie viele der abgelehnten kleinen Filmprojekte mit dem dafür ausgegebenen Geld hätten gefördert werden können. Einen radikal anderen Weg ist da übrigens die (zugegeben viel ärmere) Filmförderung von Mecklenburg-Vorpommern gegangen, bei deren Empfang immerhin der Ministerpräsident sprach, worauf dann aber nur gebratene Hähnchen, Kartoffelsalat und Berliner gereicht wurden.
Bei dem vom leitenden Angestellten der Nordmedia Jochen Coldewey moderierten Talk stand die 3-D-Technologie im Mittelpunkt, und da einer der Hunderten von filmtechnischen Spezialisten, die an James Camerons „Atavar“ mitgearbeitet haben, seinen Firmensitz in Hannover hat, fiel ein wenig von dessen Glanz auch auf Niedersachsen und diese Veranstaltung ab, wo so Ausschnitte aus diesem Blockbuster gezeigt werden durften. Mit „Das Auge – Leben und Forschen auf dem Cerro Paranal“ wurde auch ein tatsächlich von Niedersachsen geförderter Dokumentarfilm in 3 D vorgestellt, der allerdings als ein reiner Lehrfilm über das astronomische Teleskopzentrum in Chile eher eine Enttäuschung war. Zudem gab es Ausschnitte aus dem 3D-Animationsfilm „Die Konferenz der Tiere“, der gerade in Hannover von dem gleiche Team produziert wurde, das 2004 mit „Back to Gaya“ bewies, dass man auch hier einen immerhin handwerklich kompetenten Film im Stil von „Shreck“ oder „Ice Age“ machen kann.
Aber mit einem großen Film im offiziellen Programm wie vor einigen Jahren, als der von Nordmedia mitgeförderte „Gegen die Wand“ auf der Berlinale den golden Bären gewann, kann der deutsche Norden diesmal nicht dienen. Immerhin in der „Perspektive Deutsches Kino“ wurde vor zwei Tagen „Bedways“ von RP Kahl gezeigt, eine Produktion aus Oldenburg, bei der Thorsten Neumann, Leiter des Oldenburger Filmfestes, die Produktion übernahm und auch am Drehbuch mitarbeitete. Das Kammerspiel handelt von einem Filmprojekt, bei dem eine junge Filmemacherin zusammen mit einem Paar junger Schauspieler versucht, Momente der Wahrheit und Intimität zu filmen. Ein seltsamer Film ist dass, bei dem die Darsteller fremd bleiben, gerade weil sie sich so oft entblößen und in Sexszenen weit gehen.
Eine Handvoll von in Bremen und Niedersachsen produzierter Filme wurde zudem auf dem European Film Market für die Branche gezeigt. Darunter der Kurzfilm „It‘s up 2 U“ der Bremer Filmemacherin Ulrike Westermann, die eigentlich einen langen Dokumentarfilm über die hochindustrielle Nahrungsherstellung und deren Alternativen machen wollte. Dafür hatte sie schon jahrelang Aufnahmen in Afrika, den USA und vielen europäischen Ländern gemacht, und heute wäre genau die richtige Zeit für solch eine parteiische, aber gut recherchierte Arbeit. Aber wie so oft gelang die Finanzierung nicht (siehe oben). Und so schnitt sie aus ihrem Material einen 13 Minuten langen „propagentary“, der beim Ansehen aber frustriert: Man will bei den kurzen Sequenzen von der Herstellung von Kamelmilch, Wildreis oder Goudakäse mehr sehen und erfahren. Immerhin gibt es aber eine von nordmedia geförderte plattdeutsche Version, die etwa bei Übersetzung der flammenden Rede einer indischen Umweltaktivistin besonders komisch wirkt.

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