Handschriftlich fügt der Verfasser an den Künstlerfreund Peter-Jörg Splettstößer hinzu: „So, denke ich, erfüllt das Ding – die Vita – den Mindestschrulligkeitsanspruch. Sie ist aber, nach Geschmack, kürzbar.“ Man merkt schon: Hajo Antpöhler ist ein Mann der Sprache und nicht vieler Worte. Er mag und beherrscht die Kunst der Verknappung. Sie spricht durch das, was sie weglässt. Damit ist Reduktion der Ironie verwandt, auch ihr fühlt sich Antpöhler eng verbunden.
Was er in seiner Vita ausspart, rückt den Bremer nun in den Fokus der Öffentlichkeit: Seit 1957 sammeln Hajo Antpöhler und seine Ehefrau Angelika Kunst. Mehr als 1 000 Grafiken hat das Paar zusammengetragen. Im Frühjahr schenkte es seine Kollektion der Kunsthalle Bremen. Wulf Herzogenrath, Direktor des Museums, und Anne Buschhoff, Kustodin des Kupferstichkabinetts, stellten gestern der Presse einen kleine Auswahl vor. Viel mehr aber vermittelte sich den Journalisten ein Eindruck von den Menschen, die hinter der Schenkung stehen: von einem speziellen Zugang besonderer Persönlichkeiten zu bestimmter Kunst.
Schnell hatte sich die Qualität von Antpöhlers Ausstellungen erst im privaten Rahmen, dann im Haus am Wasser herumgesprochen, gleichermaßen bei den Künstlern wie beim Publikum. Mit seiner Belesenheit, umfassenden Bildung und Begeisterung dürfte Antpöhler bei den namhaftesten Künstlern gepunktet haben. Mit Hann Trier war er ebenso bekannt wie mit Fred Thieler. Nach den ersten Sätzen über gemeinsame Lektürevorlieben war das Eis meist gebrochen.
Antpöhler scheint von Beginn an weniger bestimmte Werke gesucht zu haben als den Kontakt mit Künstlern, einen Austausch, der Annäherung und Reibung einschließt. Nach Schwerpunkten seiner Sammlung gefragt, nennt Antpöhler „das Malerische im ungegenständlichen Bereich“, sieht aber auch „Werke, die sehr systematisch sind“. Zudem liege ein Akzent „auf dem, was man Spurensicherung nennt“. Konkret finden sich die Großen des Informel, die Gruppen Zero und Cobra, Spurensicherer wie Boltanski und Gerz und zahlreiche Bildhauerzeichnungen.
„Meine Sammlung ist eigentlich mein eigenes Museum“, so Antpöhler, „(...) Vom so genannten ‚Profil‘ halte ich nicht sehr viel. (...) Das Leben ist so vielfältig und die Kunst ist so vielfältig, (...).“ Diese „Vielfalt“ hat Wilfried Gies einmal einen „Gemüsegarten“ genannt, was dem Sammler gefiel. Neben der Maßgabe, dass die Werke unter 100 Mark kosten sollten, nennt Angelika Antpöhler als weiteres gemeinsames Merkmal: Jede Arbeit musste „einen gewissen Widerhaken haben, eine Rauheit, eine Spannung.“ Auch die Spannung einer veränderten Blicks auf die Erwerbungen hielt das Paar aus: Von keinem Ankauf trennte es sich.
Schaut man auf Antpöhlers eigene künstlerische Manifestationen, findet sich gleichfalls eine Spannung, die offenkundig aus einem gewissen dadaistischen Spaß, aus Sprachlust und Gedankenjonglage geboren wird. Auf Millimeterpapier notiert der Textspieler sein künstlerisches Bekenntnis und bricht die leblose Starre des Rasters mit Wortmutationen. „Unser Lehm ist der Kunz geweint“. Heute wird Hajo Antpöhler 80 Jahre alt.


















