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Wunsch nach Verantwortung

Bremer Wissenschaftlerin untersucht Gesundheitsförderung in der Altenpflege

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Bremen - Von Viviane ReinekingGesundheitsförderung und Pflegeheime – „es scheint, als wäre dies ein Widerspruch in sich“, sagt Dr. Svenja Schmitt. Die Bremer Wissenschaftlerin gibt in ihrer Dissertation Handlungsempfehlungen für die Praxis und erhielt dafür einen Wissenschaftspreis.

Dr. Svenja Schmitt

© ksy

Dr. Svenja Schmitt

Mit „subjektiven Gesundheitskonzepten und Gesundheitsförderung im Alter“ hat sich die Pflegewissenschaftlerin vom Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Uni Bremen beschäftigt. Eines ihrer Erkenntnisse: „Die individuellen Möglichkeiten eines Menschen – wie er sich einbringen kann mit dem, was er noch zu leisten im Stande ist – werden in Pflegeheimen oft nicht berücksichtigt.“

Bereits vorher hatte sie festgestellt, dass sich die Wissenschaft zwar schon mit Gesundheitsvorstellungen vieler Gruppen, von Kindern bis zu Ärzten, beschäftigt hat. Was aber verstehen Pflegeheimbewohner unter Gesundheit im Alter, unter welchen Bedingungen fühlen sie sich gesund? Ihre internationale Literaturrecherche habe ergeben, dass die Begriffe „Gesundheitsförderung“ und „Pflegeheim“ kaum gemeinsam auftreten – vielleicht, „weil ja im Pflegeheim sowieso schon alle krank oder pflegebedürftig sind“.

Zwölf Frauen – drei Viertel der Pflegeheimbewohner sind laut Schmitt weiblich – und drei Männer im Alter zwischen 76 und 95 Jahren in unterschiedlichen Pflegestufen hat Schmitt in zwei Pflegeheimen in Bremen und dem Umland befragt. Die Bremer Forscherin findet heraus: Aus der Einordnung in einen Tagesablauf – beispielsweise die vorgegebenen Zeiten des Aufstehens, Essens und Zubettgehens – entsteht ein Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit. Dazu der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und eine Aufgabe im Heim zu haben. Nicht nur beschäftigt, sondern auch gebraucht zu werden. Für etwas zuständig zu sein, „das ist ganz entscheidend für das eigene Gesundheitsempfinden und Wohlbefinden“. Weitere zentrale Bedürfnisse: Sicherheit und Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, so gut es geht mobil zu bleiben und sozialen Kontakt zu anderen Menschen zu halten.

„Manche haben gesagt, dass es ihnen schon helfen würde, wenn sie beim Mittagessen aus zwei verschiedenen Gerichten wählen könnten.“ Zudem fehle Beschäftigung am Abend und Angebote speziell für männliche Bewohner. „Empfehlenswert wäre es auch, bereits beim Einzug der Bewohner ihre individuellen gesundheitsbezogenen Wünsche zu ermitteln“, so Schmitt.

Ob Empfehlungen auch umsetzbar sind, liegt der Wissenschaftlerin zufolge nicht unbedingt nur an Zeit, Arbeit und damit Geld, sondern auch an der pflegerischen Grundhaltung und einem ressourcenorientierten Pflegeverständnis. Gefragt seien Kreativität und Mut der Einrichtungsleitungen. „Es sind viele kleine Dinge, an denen man drehen kann.“

Um Gesundheitsförderung gezielt in der Altenpflegeausbildung umzusetzen, sollten neben Einfühlungsvermögen und der Fähigkeit zum Perspektivwechsel in der Pflegeausbildung eine pflegerische Grundhaltung vermittelt werden, rät Schmitt. „Es geht nicht nur um Krankheit, sondern darum, dass die Ressourcen eines jeden erkannt und in den Alltag integriert werden.“

http://www.ipp.uni-bremen.de

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