Vom Wunder zum Problem

Produktionstechnik-Professor von Gleich forscht über Nutzen und Nachteile der Nanotechnologie

Vom Wunder zum Problem

530.01.10|BremenFacebook
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Bremen - Von Alice Bachmann· Vom begehrten Wunder-Material zum Entsorgungsproblem: Auf diese kurze Formel lässt sich die jüngere Geschichte von Asbest bringen. Dabei hat es rund hundert Jahre gedauert von den ersten Veröffentlichungen über die gesundheitsschädigende Wirkung des Asbest bis zum Verbot – jedenfalls in der EU.

Auch auf der Piste hat die Nanotechnologie Einzug gehalten: Diese Skier sollen leichter drehen und sich auch bei höheren Geschwindigkeiten durch hauchdünne Schichten aus Atomen und Molekülen einfacher lenken lassen. Archivfoto: dpa

Auch auf der Piste hat die Nanotechnologie Einzug gehalten: Diese Skier sollen leichter drehen und sich auch bei höheren Geschwindigkeiten durch hauchdünne Schichten aus Atomen und Molekülen einfacher lenken lassen. Archivfoto: dpa

Das Gefährliche an diesem Material sind freiwerdende Asbestfasern, die nur etwa einen Durchmesser von drei Mikrometern (tausendstel Millimeter) haben. Gelangen diese Fasern beim Einatmen in die Lunge, so können sie dort zum tödlichen Krebs führen.

Seit ein paar Jahren nun strahlen Forscher und Unternehmer wieder bei dem Gedanken an ein „Wunder-Material“: Nanopartikel sind noch kleiner als Asbestfasern: Ein Nanometer ist ein millionstel Millimeter. Nach der anfänglichen Euphorie über die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Nanomaterialien werden langsam auch mahnende Stimmen lauter. Denn auch Nanopartikel können großen Schaden im menschlichen Körper anrichten.

An der Uni Bremen, im Fachbereich Produktionstechnik, befasst sich unter anderen Prof. Armin von Gleich mit Technikfolgeabschätzungen. In dieser Disziplin werden systematisch die Risiken für Sicherheit, Umwelt und Gesundheit bei der Entwicklung neuer Technologien erforscht. Allerdings kommt die Technikfolgeabschätzung häufig zu spät. Erst wenn bereits große Produktionsanlagen gebaut und Investitionen getätigt sind, stellen sich die Gefahren heraus. Um dies zu verhindern, versuchen die Produktionstechniker immer früher im Forschungs- und Entwicklungsprozess anzusetzen. In dieser Phase sind einerseits die Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten noch sehr hoch, andererseits ist vieles aber noch unklar, es existieren enorme Wissenslücken. Gefordert ist somit ein Handeln nach dem Vorsorgeprinzip. Unterstützend könnte eine breite gesellschaftliche Diskussion wirken, so der Produktionwissenschaftler. Von Gleich hat die gesellschaftlichen Konflikte um die Kernkraft und die Gentechnologie beobachtet und befasst sich nun mit den Möglichkeiten und Grenzen einer Nano-Diskussion.

Am Mittwoch, 3. Februar, um 20 Uhr referiert der Produktionswissenschaftler über dieses Thema im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5. „Von der Technikbewertung zur Technikgestaltung – am Beispiel Chancen und Risiken der Nanotechnologien“ ist sein Vortrag überschrieben. Von Gleich ist Mitglied im Forschungszentrum Nachhaltigkeit artec der Bremer Uni und in der Nanokommission der Bundesregierung. Von Gleich wird kurz in die Nanotechnologie einführen. Denn die bietet ein enormes technisches und wirtschaftliches Potenzial. Sie ermöglicht fast unvorstellbar kleine Materialien und Systeme, die für Beschichtungen von Brillengläsern ebenso taugen wie zum Geruchshemmer in Socken und Blocker in Sonnencremes sowie zur Herstellung von größeren und leichteren Windkraftflügeln. Von Gleich geht auch auf die Nachteile der Nanotechnologie ein. Der Vortrag ist öffentlich und der Eintritt frei.

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