Plattdeutsch als Kulturerbe: Feierstunde im Haus der Bürgerschaft

Plattdeutsch als Kulturerbe: Feierstunde im Haus der Bürgerschaft / Vermittlung als Kernaufgabe

„Wir müssen kreativer werden“

526.09.09|BremenFacebook
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Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Sprache ist lebendig. Und alles, was lebendig ist, passt sich Veränderungen an.“ Das erklärte gestern Michael Ritter im Haus der Bürgerschaft. Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege ist Ritter von Beruf, und er sprach im Rahmen einer Plattdeutsch-Feierstunde zum „Tag der Sprachen“.

Können und Engagement: Hemelinger Grundschüler tragen die Stadtmusikanten in plattdeutscher Sprache vor.

Ein Bayer unter Niederdeutschen? Nun, Sprache ist zwar ein, wenn nicht sogar der Ausdruck von Heimat – doch es gilt, über die Grenzen zu schauen, wenn es darum geht, diesen Ausdruck von Heimat zu erhalten. Und die Bayern haben da allerlei Ideen. Erfolg und dauerhafte Wirkung zum Beispiel hatte die Aktion „Mein liebstes bayerisches Wort“ im Bayerischen Rundfunk (BR). Sie regte viele Menschen dazu an, sich mit Reichtum und Bildkraft des regionalen Idioms zu beschäftigen.

Das Niederdeutsche ist kein Dialekt, es ist eine Sprache – eine Regionalsprache, die in unterschiedlichster Ausprägung in acht Bundesländern gesprochen wird. Wieder und wieder betont Dr. Reinhard Goltz, Geschäftsführer des Instituts für niederdeutsche Sprache (INS), denn auch die Pflichten, die aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen erwachsen. Mit der Charta ging Deutschland vor nunmehr zehn Jahren völkerrechtlich verbindliche Verpflichtungen ein. Goltz: „Wir sind aufgefordert, der sprachlichen Verödung entgegenzuwirken.“ Nach Artikel sieben, Absatz vier der Charta ist auch von „Gremien zur Beratung der Behörden“ in Sachen Regionalsprachen die Rede. Ein solches Gremium wird in Bremen noch vermisst. „Die meisten Aufgaben aus der Charta fallen in den Zuständigkeitsbereich der Länder“, sagte Dr. Detlev Rein, Ministerialrat im Bundesinnenministerium.

Das Kulturerbe Sprache nicht bloß pflegerisch, sondern lebendig zu erhalten – das ist „leichter gesagt als getan“, wie Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper ( SPD ) gestern erklärte. Zur Freude von Goltz sagte sie auch: „Wir müssen auf mehr zielen als auf Schnupperkurse.“ Es gehe um „echte Mehrsprachigkeit“. Jürgens-Pieper: „Sie dürfen von mir als Bildungssenatorin erwarten, dass wir mehr als bisher uns anstrengen.“

Wie die – ja durchaus vergnüglichen – Anstrengungen der Platt-Vermittlung aussehen können, wurde im Haus der Bürgerschaft gleich zweifach vorgeführt: Schölers leest Platt – Mädchen und Jungen der Hemelinger Grundschule Osterhop trugen eine niederdeutsche Fassung des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten vor. Ein Engagement und ein Können, das mit Recht allseits gelobt wurde. Weitere Anregungen lieferte – in plattdeutscher Sprache – Murat Kul, der soeben eine Diplomarbeit zum Thema geschrieben hat. Er schlug interaktives und unterhaltsames Lernen wie im Wissenschaftscenter zur Sprachvermittlung vor.

INS-Geschäftsführer Reinhard Goltz, auch Bremens Vertreter im „Bundesraat för Nedderdüütsch“, weiß: „Wir müssen kreativer werden in der Vermittlung.“ Denn: „Effektiver Sprachenschutz hat sein Augenmerk auf den Spracherwerb zu legen.“

WWW.

ins-bremen.de

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