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Die Uhr voller Geschichten

Ein Prunkstück aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs ist neu im Focke-Museum

Die Uhr voller Geschichten

424.06.10|Bremen|Bremen|
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Artikel: Die Uhr voller Geschichten

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Sie tickt vernehmlich, aber nicht aufdringlich. Volle Stunden verkündet sie mit deutlich hörbaren Schlägen, und ein ebenfalls nicht überhörbares Weckwerk hat sie obendrein – eine mehr als 350 Jahre alte Uhr, die jetzt im Focke-Museum steht.

Die geschichtsträchtige Horizontaluhr des Bremer Uhrmachers Friedrich Hübner.

Die geschichtsträchtige Horizontaluhr des Bremer Uhrmachers Friedrich Hübner.

Eine Horizontaluhr ist es, die beispielsweise auf großen Tischen einen repräsentativen Eindruck macht. Ihr Ebenholzgehäuse, das aus Augsburg stammt, hat kleine Fensterchen. Sie erlauben Einblicke ins Uhrwerk – so filigran wie faszinierend. Die Uhr steckt aber nicht nur voller Technik, sondern auch voller Geschichten – wie es der Lauf der Zeit eben so mit sich bringt.

· Sie ist bremisch. Es handelt sich um eine von nur noch sechs bekannten Arbeiten des ältesten nachweisbaren Bremer Uhrmachers. Der hieß Friedrich Hübner. Sein Name steht auf der Platte der Uhr. Wann Hübner geboren wurde, wo genau seine Werkstatt war – alles unbekannt. Sicher ist: es starb 1648, im letzten Jahr des Dreißigjährigen Kriegs. Das Focke-Museum besitzt (seit 1929) eine weitere Hübner-Uhr, die – als Halsuhr – aber viel kleiner ist.

· Sie war teuer. Die Uhr stammt aus der Zeit um 1645, als der Rat der Stadt – laut Rechnungsbuch – mehrere Uhren bei Hübner in Auftrag gab. Alle kosteten zwischen 18 und 24 Gulden. Um das ungefähr einordnen zu können: „Ein Tagelöhner musste damals drei Tage für einen Gulden arbeiten“, sagt Dr. Heinz-Gerd Hofschen, Abteilungsleiter für Stadtgeschichte im Focke-Museum. „In der Zeit um 1650 gab es öffentliche Turmuhren. Uhren in Privathaushalten waren Luxusgegenstände.“

· Sie ist teuer. Vor etwa eineinhalb Jahren bot ein norddeutscher Kunsthändler dem Museum die Uhr an. Sie stammte aus dem Besitz einer südfranzösischen Adelsfamilie. In Frankreich war die Uhr schon lange – spätestens seit 1704, wie eingravierte Reparaturvermerke erkennen lassen. Ein Prunkstück, eine prächtige Ergänzung der Sammlung – wie aber soll ein Museum ohne Ankaufsetat so etwas bezahlen? Museumsdirektorin Dr. Frauke von der Haar freut sich, dass es gelang, die Rudolf-August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege für ein Engagement zu gewinnen. Weitere Gelder kamen vom Freundeskreis des Focke-Museums. Der Preis lag im mittleren fünfstelligen Bereich, so von der Haar.

· Sie ist politisch. Der Rat der Stadt kaufte Hübners teure Uhren nicht für sich. Der bremische Gesandte bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, mit dem der Dreißigjährige Krieg endete, benötigte sie nämlich – als Bestechungsgeschenke. „Man brauchte das Wohlwollen der großen Mächte“, sagt Hofschen. Schon damals ging es um die bremische Selbstständigkeit. Wie heute.

· Sie funktioniert noch. Vermutlich, weil sie – so Hofschen – „die ganze Zeit gelaufen“ ist. Stillstand nämlich bekommt Uhren nicht. Er widerspricht ja auch ihrem Wesen. Auch im Museum soll die Uhr von Zeit zu Zeit aufgezogen werden.

WWW.

focke-museum.de

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