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Ein Ventil für „Wutbürger“

Neujahrsmatinee der Kommunikationsbranche: Soziales Internet folgt eigenen Gesetzen

Ein Ventil für „Wutbürger“

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Bremen - Von Viviane Strahmann· Über „Wutbürger“ und die Standortbestimmung der Kommunikation sprach Klaus Dittko, Vorstandsmitglied der Berliner Agentur Scholz & Friends, auf der „wel.come“-Neujahrsmatinee der Kommunikationsbranche im Haus Schütting.

Very british: „James“ und die „Very Long Mary“ unterhielten die Gäste mit britischem Charme als „Duo Yess“.

Very british: „James“ und die „Very Long Mary“ unterhielten die Gäste mit britischem Charme als „Duo Yess“.

„Stuttgart 21“, Winterchaos bei der Bahn – das Jahr 2010 sei ein Jahr der Krisenkommunikation gewesen, gekennzeichnet durch einen hohen Grad der Beschleunigung. Grund: Das Social Web revolutioniert die gesellschaftliche, politische und unternehmerische Kommunikation, lässt Grenzen zwischen digitaler und analoger Wirklichkeit verschwimmen. Innerhalb weniger Stunden lassen sich so tausende Menschen für eine Demonstration gewinnen, so der Experte. Das Thema zog so viele Gäste zur Veranstaltung, dass der Saal aus allen Nähten platzte.

Die Dimensionen von Macht sozialer Netzwerke wie Facebook, Xing und Twitter veranschaulichte Klaus Dittko so: Wer wisse schon, dass das schielende Opossum „Heidi“ doppelt so viele Fans auf Facebook hat wie Werder Bremen? Oder dass „Lady Gaga“ mit 7,8 Millionen „Followern“ auf „Twitter“ eine höhere Reichweite hat als die „New York Times“, das „Wall Street Journal“ und die Zeitung „USA Today“ zusammen?

Während klassische Institutionen, die für gesellschaftliche Bindungen standen, hohe Mitgliederverluste hinnehmen müssen, verzeichnen Xing & Co. einen Rekord nach dem anderen. Die Wut habe mit dem „Web 2.0“ ein Ventil bekommen, so Kommunikationsexperte Dittko.

Die „Zensursula“-Kam pagne als Antwort der Internetgemeinschaft auf die Online-Petition gegen Kinderpornographie der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), ein „Jubel-Flashmob“, der den Wahlkampf von Angela Merkel (CDU) störte – jedes Thema sei theoretisch in der Lage, eine große Gemeinschaft zu mobilisieren, so Dittko. Für „Wutbürger“ – Wort des Jahres 2010 – gebe es zahlreiche Internetseiten, um den Emotionen freien Lauf zu lassen.

Informationen seien zwar ständig verfügbar, Plattformen wie Facebook, das gerade erst „Google“ als meistbesuchte Website weltweit überholt hat, setzten aber auch ein großes Mitteilungsbedürfnis der Menschen voraus, so Dittko.

Die digitale Vernetzung wachse jeden Tag, so der Experte. Der Kampf um die Aufmerksamkeit gehe weiter: Wer spannende Inhalte biete, kann einen großen Marketing-Erfolg landen. Das zeige beispielsweise ein Kurzfilm eines Telekommunikationsanbieters beim Videoportal „You Tube“, in dem Flughafengäste bei der Ankunft auf musikalische Weise begrüßt werden – erfolgreiche, kostenlose Werbung.

Social Marketing aber erfordere auch entsprechend schnelle Reaktionen und funktioniere nur auf Augenhöhe sowie mit Vertrauen als neuer „Leitwährung“. Eine soziale Welt mit eigenen Gesetzen.

WWW.

weldotcome.de

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