102.09.10|Bremen|Bremen|
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Bremen - Von Ilka LangkowskiBREMEN · „Die deutschen Auswanderer setzten eine politische Entwicklung im ganzen mittleren Westen der USA in Gang“, sagt Rolf Schmidt vom Projekt „Sommer-Republik“. Die freiheitliche Gesinnung der deutschen Siedler habe einst wichtige Impulse zur Sklavenbefreiung gegeben.

Die vier Macher der „Sommer-Republik“: Autor Rolf Schmidt (v.l.), Projektleiter Oliver Behnecke und Peter Roloff sowie Fotograf Folker Winkelmann.
Nach den Spuren dieser Auswanderer suchen seit fünf Jahren die Künstler des Projekts „Sommer-Republik“. Dieses Jahr präsentieren Autoren, Filmemacher und andere Kreative ihre Ergebnisse von einem „Trip to a forgotten Utopia“, einem Ausflug zu einer vergessenen Utopie. Von der Vergangenheit soll ein Bogen in die Gegenwart gespannt werden. Denn die Bedeutung von „Heimat“, „Verwurzelung“ oder „Mobilität“ und „Freiheit“ ist wieder so aktuell wie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.
1834 zog eine Gruppe von deutschen Aussiedlern los, um in Nordamerika eine neue und freie deutsche Kolonie zu gründen – mit der Utopie von einem freiheitlichen deutschen Staat in Übersee. Über die „Gießener Auswanderungsgesellschaft“ reisten 500 Deutsche von Bremerhaven nach Amerika und wurden „Siedler“. Was ist aus ihren politischen Zielen geworden und wie sieht die neue „Heimat“ heute aus? Um das herauszufinden, folgte die Projektgruppe „Reisende Sommer-Republik“ vergangenen Herbst den Spuren der Auswanderer nach Missouri. Unterstützt von der Arbeitnehmerkammer und der Heinrich-Böll-Stiftung laden die „Sommer-Republikaner“ nun zu einer künstlerischen und dokumentarischen Präsentation ihrer Eindrücke aus dem mittleren Westen ein.
„Wir Amerikaner können noch viel von den Europäern lernen“, soll der 100 Jahre alte Historiker Ralph Gregory, der der Geschichte jener Siedler sehr verbunden ist, gesagt haben. Gemeint war die in vielen gesellschaftlichen Bereichen, wie etwa der Religion, liberalere Auffassung der Europäer. Denn gerade die südlicheren Staaten der USA seien konservativ geprägt, erzählt Fotograf Folker Winkelmann. Als die Auswanderer aus Deutschland Missouri erreichten, sei Sklaverei noch eine Selbstverständlichkeit gewesen. Und dann hatten die Deutschen einen erheblichen Einfluss auf die Abschaffung Sklaverei. Ein Kämpfer für die Sklavenbefreiung war der Pastor Friedrich Münch, der 1854 Mitbegründer der Republikanischen Partei und danach Abgeordneter im Senat wurde.
Farbige Eindrücke aus Missouri, Interviews mit den Nachkommen und Begegnungen mit dem, was von der einstigen Utopie geblieben ist, werden am Sonnabend, 4. September, an acht Wegstationen erlebbar. Um 18 Uhr geht die Reise vor dem Kino Schauburg im Steintor los. Zum Abschluss gibt es eine Open-Air-Filmvorstellung am Café Sand. Die „inszenierte Führung“ kostet inklusive Proviant sechs Euro. Über 50 Fotografien von der Reise können nach dem Reiseabend im „Alten Fundamt“, Auf der Kuhlen 1, für zwei Wochen betrachtet werden.
WWW.
sommer-republik.de

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