Bremen - Von Ilka Langkowski„Die Hauptaufgabe eines Unparteiischen ist es, ein Spiel zu leiten, unabhängig von der Spielklasse“, sagt Peter Gagelmann, Fußball-Schiedsrichter aus Bremen, der seit zwölf Jahren auch in der Bundesliga pfeift.

© Foto: Langkowski
Peter Gagelmann reist nicht ohne USB-Stick zu seinen Einsätzen. ·
Gagelmann liebt Fußball, und sein Hobby ist für ihn eine Berufung. Hauptberuflich ist er Veranstaltungsmanager bei Mercedes in Bremen und privat Familienvater. Die Dreifachbelastung schreckt den 43-Jährigen ebensowenig wie schwere Entscheidungen auf dem Spielfeld. Er übernimmt gerne Verantwortung. „Das macht Spaß, aber man muss es auch erst lernen“, sagt der Bremer. Ob in der Bundesliga oder der Kreisklasse, jedes Spiel hat für ihn seinen Reiz, denn man weiß niemals, was passiert.
Gagelmann hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat.
„Der USB-Stick ist wichtig und mein ständiger Begleiter auf Reisen“, sagt der Schiedsrichter, während er einen Stick in Form eines Autoschlüssels neben seine Tasse legt. Auf den kleinen Datenträger zieht Gagelmann wichtige Daten für die Spielvorbereitung: Mannschaftsfarben, Spielerprofile und Spielberichte.
Allein im vergangenen Jahr war Gagelmann knapp 170 Tage in Sachen Fußball unterwegs, hat er ausgerechnet. Heimspiele gibt es für Schiedsrichter nicht, sie sind jedes Wochenende auswärts. Grundsätzlich wird einen Tag vor dem Spiel losgefahren, zurück geht es meist einen Tag nach dem Spiel. „Ich bin dankbar und froh, dass ich einen Arbeitgeber und eine Frau habe, die mich in meinem Hobby unterstützen“, sagt der Veranstaltungsmanager. So hat er bei Spielen den Kopf frei, „um auf dem Platz Höchstleistungen zu bringen“. Seit zwölf Jahren pfeift der Bremer nun schon in der Bundesliga.
Obwohl Gagelmann nie ohne seinen digitalen Datenträger reist, den obligatorischen Spielbericht online eingibt und einen Chip im Ball zum sicheren Torbeweis „prima“ fände, weil das Spiel sehr schnell geworden sei, sieht er weitergehende technische Verfahren zur Beurteilung von Spielszenen eher kritisch. „Es gibt kein perfektes Spiel“, sagt er. In einem Spiel ohne Fehler würde das Ergebnis immer 0:0 lauten. Außerdem gibt es beim Fußball nicht nur Schwarz und Weiß. Für die Grauzonen ist es gut, einen Schiedsrichter auf dem Platz zu haben, der eine Entscheidung fällt.
Er kann sich nur schwer 80 000 Zuschauer im Stadion vorstellen, die auf eine Entscheidung warten, während andere vor einem Bildschirm eine Spielszene diskutieren, sagt Gagelmann und betont, dass Fehlentscheidungen tatsächlich nur einen sehr geringen Teil der Entscheidungen ausmachen, dafür allerdings stärker wahrgenommen werden.
Angst vor Fehlern hat der Bremer nicht. „Dann sollte man lieber nicht Schiedsrichter werden“, meint er, „ich habe Freude an der Verantwortung, und der Mut zu Entscheidungen formt den Charakter.“
Sechs fixe Fragen
Was verbindet Sie mit Bremen?
Welchen Ort mögen Sie besonders?
Gagelmann: Im Sommer ist die Schlachte angenehm. Das hat Urlaubsfeeling.
Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?
Gagelmann:Natürlich die Altstadt und den Ratskeller. Außerdem würde ich vorschlagen, eine Werksführung bei Bremens größtem Arbeitgeber zu machen.
Welches ist Ihr Lieblingstier?
Gagelmann:Ein Lieblingstier habe ich nicht, aber ich gehe gerne mit der Familie in den Zoo, weil meine Kinder das mögen.
Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?
Gagelmann:Ich würde einen sportlichen Tag mit meiner Familie verbringen.
Was macht Sie schwach?
Gagelmann:Ein Espresso nach einem guten Essen.
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