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Residieren im Kunstwerk

Das Finanzressort arbeitet in einem denkmalgeschützten Haus

Residieren im Kunstwerk

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Bremen - Von Vera JansenFinanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) hat wie schon ihre Vorgänger einen repräsentativen Amtssitz. Das Haus des Reichs ist ein prunkvolles Kontorhaus aus den 20er Jahren, das Expressionismus und Art Deco miteinander vereint. „Hier ist das ganze Haus ein Kunstwerk“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Gundula Rentrop.

Eines der Treppenhäuser mit seiner goldfarbenen Wendeltreppe im Haus des Reichs. ·

© Foto: dpa

Eines der Treppenhäuser mit seiner goldfarbenen Wendeltreppe im Haus des Reichs. ·

Seit dem vergangenen Sommer gibt es auch offizielle Führungen. Ein- bis zweimal in der Woche geht Rentrop mit kleinen Besuchergruppen durch das Gebäude mit seinen vier Flügeln. Die Nachfrage sei groß, eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich. Die Termine sind schnell ausgebucht.

Gebaut wurde das Haus als Hauptverwaltung der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei AG, und es ist eng verwoben mit dem Aufstieg und Fall der Bremer Unternehmer-Dynastie Lahusen. Als das Gebäude mit seinen Ebenholz-Vertäfelungen, römischen Travertin, mit Blattgold belegten Decken und zwei runden, lichtdurchfluteten seitlichen Treppenhäusern 1931 vollendet war, stand die Nordwolle wenige Monate vor dem Konkurs. Die Pleite des einst größten europäischen Wollkonzerns mit weltweit 22 000 Mitarbeitern sorgte damals im gesamten Deutschen Reich für Aufsehen.

Die Führung beginnt im Haupteingang. „Hier ist alles auf Repräsentation ausgerichtet. Das war der Exklusiveingang für die Führungsebene“, erklärt Rentrop. Die Mitarbeiter mussten einen schlichten Seiteneingang benutzten. Eine breite Treppe führt vom Foyer in die „Teppichetage“, der dort in den Boden eingelassen ist. Auf dieser Etage hat auch die Finanzsenatorin ihr Büro. „Hier ist alles total denkmalgeschützt. Ich darf nur Unordnung machen, Blumen hinstellen und Bilder aufhängen“, sagt Linnert. „Das tue ich, damit es nicht so respekteinflößend aussieht – und mir das Arbeiten leichter fällt.“

„Wenn Frau Linnert nicht da ist, dürfen die Besucher einen kurzen Blick in das historische Zimmer werfen“, berichtet Rentrop. Ein Besuch des Frühstücksraums gehört dagegen zum Programm. In dem Zimmer gab es von Anfang an eine Klimaanlage und einen Speisenaufzug. „Das war ein exklusives Besprechungszimmer, in dem auch geraucht wurde, deshalb die Klimaanlage.“

Eine große Anziehungskraft hat das Untergeschoss. „Durch den Keller zu stöbern, begeistert die Besucher“, sagt Rentrop. Vor allem der Maschinenraum hat es in sich: mit Marmor und gestylt wie der Maschinenraum eines Dampfers. „Das war die modernste Anlage der damaligen Zeit.“ Seit 1978 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Für Bremens obersten Denkmalschützer, Prof. Georg Skalecki, ist das Haus sehr außergewöhnlich und exponiert. „Als Verwaltungsgebäude ist es eines unserer herausragenden Denkmäler von überregionaler Bedeutung“, sagt er. In der Stadt stehen mehr als 1 500 Objekte unter Schutz, darunter Banken, Geschäfts-, Kontor- und Landhäuser sowie 69 private Villen. „Alle Denkmäler sind mir gleich lieb“, meint Skalecki.

Nach dem Konkurs der Nordwolle übernahm das Reichsfinanzministerium das Kontorhaus, das seitdem den Namen Haus des Reichs trägt. Rentrop kennt die wechselvolle Geschichte und gibt ihr Wissen gerne weiter. „Ich habe das Haus immer schon geliebt. Ich kann mich hier richtig ausleben.“ Sie plant eine Dauerausstellung mit Zeitzeugenberichten, Fotos und Plänen. · lni

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