316.09.09|Bremen|Bremen|1
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Bremen - Von Jörg Esser. Der Bremer Marktplatz ist gestern Nachmittag gut gefüllt. 500 Leute mindestens. Der erste Eindruck täuscht. So viele Fans hat Guido Westerwelle wohl doch nicht. Denn unters liberale Parteivolk hat sich eine erkleckliche Menge von Protestlern gemischt.

FDP -Chef Guido Westerwelle genießt auf dem Marktplatz das Bad in der Menge.
Aktivisten des Kampagnennetzwerks Campact haben zu einer Flashmob-Aktion aufgerufen. Sie halten Plakate hoch mit der Aufschrift „Schwarz-Gelb jawoll“. Kurze Zeit später klappen die Aktivisten ihre Plakate auf: „Schwarz-Gelb verstrahlt“, „Schwarz-Gelb – Atomalarm“ ist zu lesen. Der liberale Spitzenmann ist auf die Aktion vorbereitet, reagiert lässig. Die Protestler zerreißen ihre Plakate und ziehen von dannen.
Jetzt legt der Spitzenmann der FDP los – immer noch pünktlich. Und fordert eine starke Mitte. Deutschland dürfe nicht von den Rändern aus regiert werden. Die politische Mitte sei eine Haltung zum Leben. Westerwelles Blick geht Richtung „Deutsches Haus“. Dort ist zu lesen: „Gedenke der Brüder, die das Schicksal unserer Trennung tragen.“ Ein willkommenes Stichwort. „Wir haben vor 20 Jahren für die Wiedervereinigung gekämpft“, ruft der Liberale. Darum dürften auch in Deutschland Kommunisten und Sozialisten nicht wieder das Sagen haben.
„Die Mittelschicht schrumpft“, fährt der Mann mit dem gelben Schal fort. Das sei besorgniserregend. Und vor allem das Ergebnis von rot-grüner und auch rot-schwarzer Regierungsarbeit. Westerwelle hat eine Lösung: „Wir müssen wieder in die Regierung.“
Dann werde das Geld auch für die wichtigen und richtigen Sachen ausgeben. Für Bildung zum Beispiel. „Wissen ist Zukunft“, sagt Westerwelle. Und für ein faires Steuersystem. Geld sei schließlich vorhanden. So habe die große Koalition ja auch fünf Milliarden Euro für „alte Autos“ über Nacht aus dem Hut gezaubert. Die „Abwrackprämie“, sagt der FDP -Chef, habe keinen Arbeitsplatz wirklich gesichert. Nur den Jobabbau in der Autoindustrie hinausgezögert. „Das ist dann ein Problem der nächsten Regierung“, sagt Westerwelle, „also für uns.“ Jawoll, das gefällt dem – übrigens wetterfesten – liberalen Parteivolk.
„Leistung muss sich lohnen“, proklamiert der Liberale. Und darum auch will die FDP ein gerechtes Steuersystem schaffen. Eines, das die Familien entlaste und „sozialer als jede rote Fahne am 1. Mai“ sei.
Rot mag der Blau-Gelbe offensichtlich nicht. Die SPD jedenfalls will er in Berlin ablösen. Damit Ulla Schmidt nicht mehr in der Gesundheitspolitik agiert. Und damit das Finanzressort endlich wieder in bürgerliche Hände kommt.

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