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Pflegeausbildung mit Lücken

Studie: Auszubildende fühlen sich mit Demenzpatienten in der Klinik überfordert

Pflegeausbildung mit Lücken

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Bremen - Von Viviane ReinekingAngehende Pflegekräfte bekommen vor allem in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung nicht ausreichend Kompetenzen vermittelt, um Patienten mit demenziellen Erkrankungen in Krankenhäusern zu betreuen. Zu diesem Ergebnis kommen Bremer Wissenschaftler.

Prof. Dr. Stefan Görres.

© ksy

Prof. Dr. Stefan Görres.

In Krankenhäusern behandelte Patienten werden immer älter. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass im Jahr 2030 55 Prozent 60 Jahre oder älter sein werden, 20 Prozent sogar älter als 79 Jahre. Doch mit steigendem Alter, so Professor Stefan Görres, Leiter der Studie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP), erhöhe sich das Risiko, dass Patienten neben ihrer Akuterkrankung auch eine Demenz aufweisen. „Konkrete Zahlen gibt es nicht, weil Demenz im Krankenhaus eher als Nebendiagnose auftritt.“

Krankenhäuser und Mitarbeiter stehen vor einer großen Herausforderung, denn auf die pflegerische Betreuung von Demenzpatienten sind sie nicht ausreichend eingerichtet. Dazu komme, so die Autoren der Studie, dass für demenzbetroffene Menschen mit der Einweisung in eine Klinik besondere Belastungen verbunden seien: Vertraute Bezugspersonen fehlen, auch die ungewohnte hektische Umgebung sowie veränderte Tagesstrukturen führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu verstärkten Gesundheitsbeeinträchtigungen – mit Folgen für die Lebensqualität und die Gesundheitsausgaben.

Pflegeschulen, so Görres, könnten einen wesentlichen Beitrag leisten, möglichst umfassende Informationen zur Kompetenzvermittlung und zum Stellenwert der Versorgung demenzbetroffener Menschen im Krankenhaus schon im Rahmen der Ausbildung zu erhalten. Bislang war wenig darüber bekannt, inwieweit demenzsensible Konzepte in der Pflegeausbildung thematisiert werden. Mit der Studie „Demenzsensible nicht medikamentöse Konzepte in Pflegeschulen“ hat das IPP nun konkrete Zahlen vorgelegt.

Befragt wurden rund 1 300 Kranken- und Pflegeschulen bundesweit, dazu insgesamt etwa 2 500 Auszubildende. Das Ergebnis: Ein Großteil der Pflegeschüler fühlt sich im Umgang mit Demenzerkrankten überfordert. Drei Viertel der Pflegeauszubildenden in Krankenhäusern werden der Studie zufolge entsprechend regelmäßig beauftragt, demente Menschen zu betreuen. Görres: „Die Auszubildenden arbeiten auf den Stationen häufig selbstständig wie eine volle Arbeitskraft.“ Nur rund ein Viertel von ihnen fühlt sich ausreichend kompetent, um diese Patienten bedürfnisorientiert zu pflegen. Knapp drei Viertel bezeichnen sich als unsicher, wenn Demenzpatienten aggressiv reagieren. Rund 65 Prozent haben Probleme, ihre Bedürfnisse zu erkennen, und rund die Hälfte der Pflegeschüler fühlt sich im Umgang mit Angehörigen schlecht vorbereitet.

Unterschiede zeigen sich zwischen den Ausbildungsgängen an den Schulen der Gesundheits- und Krankenpflege und der Altenpflegeschulen: Letztere, so das Studienergebnis, verfügen über vielfältige Ansätze und Trainingsmöglichkeiten zur pflegerischen Versorgung dementer Menschen.

Zwar sei das Thema in den Lehrplänen verankert, wirke sich jedoch nur begrenzt auf den Erwerb entsprechender Kompetenzen aus. „Vor allem innerhalb der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung muss mehr zur Vermittlung demenzspezifischer Kompetenzen getan werden“, sagt der Studienleiter. Eine intensivere Auseinandersetzung und Integration entsprechender Konzepte im Krankenhaus sei notwendig. Görres: „Wir hoffen, dass die Schulen die Kompetenzvermittlung noch mehr in ihre Lehrpläne einbauen. Das wird nicht nur die Versorgung verbessern, sondern auch die Arbeitszufriedenheit erhöhen.“

http://www.ipp.uni-bremen.de

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