Bremen - Von Thomas Kuzaj„Es gibt keine gravierende Veränderung.“ Sagt Andreas Bunnemann, Verwaltender Vorsteher der Stiftung Haus Seefahrt. Für sie wird bei der Schaffermahlzeit gesammelt. Wäre damit alles gesagt zur 468. Schaffermahlzeit, bevor das wohl älteste noch bestehende Brudermahl der Welt morgen in der Oberen Rathaushalle beginnt?

© Foto: Fittschen
Die drei kaufmännischen Schaffer 2012 vor der Bremer „Speckflagge“ mit Wappen. Von links gesehen: Eventim-Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg (Zweiter Schaffer), Dr. Stephan-Andreas Kaulvers, Vorstandschef der Bremer Landesbank (Erster Schaffer) und Hylke Boerstra (Tankerreederei Carl Büttner). ·
Nein. Alle Jahre wieder zum Beispiel taucht ja die Frauen-Frage auf. Das Haus Seefahrt hat zwei Kapitäninnen als Mitglieder. Aber Damen an der Tafel? Das wäre eine gravierende Veränderung an den Tischen, an denen etwa 300 Herren sitzen.
Es sind 100 kaufmännische Mitglieder, die schon „geschafft“ – also das Essen bereits einmal ausgerichtet – haben, 100 seemännische Mitglieder des Hauses Seefahrt und 100 Gäste aus dem In- und Ausland. Gerade sie sollen, so die Intention, die Schaffermahlzeit mit ihrer einzigartigen Tradition als besondere Bremen-Werbung wahrnehmen. Und Kontakte knüpfen. Von „Vernetzung“ sprach gestern Dr. Stephan-Andreas Kaulvers, Vorstandschef der Bremer Landesbank und in diesem Jahr Erster Schaffer.
Nun übernehmen immer mehr Frauen Führungspositionen in der Wirtschaft. Eine Entwicklung, die sich – wie Kritiker sagen – an der Tafel der Schaffermahlzeit nicht widerspiegelt.
Huch – Gleichberechtigung als „Mainstream“, vielleicht gar bloß eine Modeerscheinung? Bunnemann: „Wir denken, wir sind gleichberechtigt, weil wir ja die Damentafel haben.“ Gattinnen von Schaffern und Gästen sitzen im Kaminsaal, wohin das Geschehen aus der mehrere Schritte entfernt liegenden Oberen Rathaushalle auch live übertragen wird. Manche Beobachter mutmaßen, dass es an der Damentafel viel lustiger zugehe als in der Oberen Halle, wo ja alles strengen Regularien folgt.
Auf seine moderate Art griff Kaulvers in die Diskussion ein und lenkte den Blick auf die Entwicklungen in der Wirtschaft: „Es gibt ganz klare Öffnungsprozesse.“ Und: „Bei der Bremer Landesbank haben wir fünf Damen im Aufsichtsrat. Hylke Boerstra, Dritter Schaffer, verglich die Traditionsveranstaltung mit einem großen Schiff: „Supergroße Schiffe sind nicht wendig. Aber richtig gesteuert, erreichen sie jedes Ziel.“
Reformen müssten von den Gremien beschlossen werden, sagte Bunnemann. Frauenfeindlichkeit könne dem Haus Seefahrt nicht vorgeworfen werden. Ein guter Teil der Wohnungen, die von der Stiftung für Seeleute und ihre Familien in Grohn zur Verfügung gestellt werden, komme Frauen zugute. Alle Renten würden an Frauen gezahlt.
Zurück zu den Männern. Inzwischen steht fest, welche kaufmännischen Schaffer die Schaffermahlzeit 2014 ausrichten werden: Peter Hoffmeyer (Nehlsen AG), Nicolas Helms (Melchers), Frank Jungmann (German Tanker Shipping). Bereits 2013 sind an der Reihe: Kurt Zech (Zechbau), Bernd Schmielau (Siedentopf), Dr. Martin Harren (Reedereigruppe Harren & Partner).
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