909.09.10|Bremen|Bremen|
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Bremen - Von Thomas Kuzaj· „Uns war völlig klar, dass nichts ohne Ost-Berlin läuft. Da haben wir uns keine Illusionen gemacht.“ Bremens Alt-Bürgermeister Klaus Wedemeier (SPD) erinnert sich gut an die Jahre 1986/87, als Bremen und Rostock Partnerstädte wurden.

„Rostock vor und mit der Wende“ ist der Titel einer Ausstellung, die seit gestern – und bis zum 28. September – in der Zentralbibliothek zu sehen ist. Auf 65 Handabzügen präsentiert die Bremer Fotografin Monika Thein von Plottnitz Aufnahmen der Jahre 1986 bis 1990.
Daran wird dieser Tage, die Feiern zum 20. Jahrestag der Einheit im Blick, gern erinnert. Pünktlich dazu liegt nun auch eine wissenschaftliche Untersuchung der Städtepartnerschaft vor. Ein Gemeinschaftsprodukt aus Bremen und Rostock – von Professor Lothar Probst (Universität Bremen) und Johannes Saalfeld (Universität Rostock). Wedemeier kam gestern zur Buchpräsentation.
Deutsch-deutsche Städtepartnerschaften waren auf DDR-Seite lange unerwünscht. Noch 1983 habe Erich Honecker in diesem Zusammenhang von einer „Gefahr für die nationale Abgrenzungspolitik“ gesprochen, berichtet Probst. Ab 1985 – zu Gorbatschows Zeiten also – setzte ein Wandel ein. Im Mai 1986 folgte das Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Viele Formulierungen in den Rahmenvereinbarungen deutsch-deutscher Partnerschaften lehnten sich in den folgenden Jahren an das Abkommen an. Die Verbindung von Bremen und Rostock war die zehnte dieser Städtepartnerschaften.
Wedemeier ist einer ihrer Väter. „Die ursprüngliche Initiative ging von der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft aus“, sagt Probst. Das war 1986. Schließlich folgte ein Beschluss aller drei Fraktionen, die es damals gab – SPD, CDU, Grüne. Für das Rathaus begann nun die Detailarbeit. Bremen hatte sich für Rostock entschieden, und der Weg nach Rostock führte, wie erste Erkundigungen schnell ergaben, eben über Ost-Berlin. Bisweilen flossen die Informationen dabei direkter als geplant. In der bremischen Verwaltung saß nämlich ein Mitarbeiter der Staatssicherheit. Wenn die Bremer mit ihren Papieren im Osten ankamen, waren die dort oft schon bekannt.
Die westliche Seite, so Probst, wollte „möglichst viele direkte Kontakte zwischen Bürgern ermöglichen“. Die Ost-Seite wollte genau das nicht, sondern „das Austauschprogramm möglichst eng halten“. Der Westen wollte „die Kulturnation Deutschland zusammenhalten“, sagt Saalfeld. Der DDR hingegen sei es um „die Inszenierung internationaler Kontakte“ gegangen. Dafür wurden exakte Jahrespläne geschrieben.
Wedemeier: „Die zwischenmenschlichen Kontakte haben sich ergeben. Man durfte sie nicht mit reinschreiben in die Jahrespläne.“ Wollte Wedemeier sich ungestört (und unbelauscht) unterhalten, ging er mit seinem Gesprächspartner am Strand spazieren.
Eine ganz andere Entwicklung nahm die Partnerschaft mit und nach dem Fall der Mauer. Viele Rostocker setzten sich in ihre Trabis und fuhren – nach Bremen. Tausende von Bremern fuhren nach Rostock. Ost und West feierten dort Straßenfeste, ganz ohne Plan. Von Euphorie waren diese Begegnungen getragen – und vielfach von einer unbefangenen Offenheit. Später half Bremen Rostock beim Aufbau von Justiz und Verwaltung in Rostock. Dann belastete die Vulkan-Pleite das Verhältnis der Hansestädte. Die Partnerschaft wurde nie offiziell beendet, gilt aber als „eingeschlafen“.
· Das Buch „Die Städtepartnerschaft Bremen-Rostock“ ist für fünf Euro in der Universitätsbuchhandlung (Bibliothekstraße 3) zu haben.

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