Bremen - Von Jörg EsserDer Mann ist eine lebende Legende. Ein Deutscher, der in England verehrt wird. Ein Junge aus dem Arbeiterviertel Gröpelingen, der 1941 von Bremen aus in den Krieg zog und 1956 im englischen Cupfinale in Wembley „unsterblich“ wurde. Bert Trautmann rettete Manchester City mit tollkühnen Paraden den Sieg, obwohl er in der zweiten Hälfte des Spiels einen Genickbruch erlitt.

© ksy
Bert Trautmann – auf demCover der Biographie.
Trautmann steht am Montag, 13. Februar, im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung im Ostkurvensaal des Weserstadions. Ab 18 Uhr referiert der in Bremen lebende und in Manchester („in der Nähe des United-Stadions“) aufgewachsene Literaturwissenschaftler Martin Rooney über den Keeper, den Englands Ehrenspielführer Bobby Charlton als „einen der größten Torhüter aller Zeiten“ bezeichnet. Die Veranstaltung läuft unter dem Titel „Bert Trautmann: Von der Bremer Hitlerjugend zu Manchesters Torhüterlegende“. Der Eintritt ist frei.
Bernhard Carl Trautmann wird am 22. Oktober 1923 in Bremen geboren, wächst im Nazi-Deutschland auf. Es folgen „prägende Jahre“. Trautmann meldet sich freiwillig zur Luftwaffe, kämpft als Fallschirmjäger in Russland, der Ukraine und Frankreich. Eine Massenexekution von Juden an der Ostfront sieht er mit eigenen Augen. Im März 1945 schließlich wird er von den Briten gefangengenommen. Ein Soldat soll ihm dabei zugerufen haben: „Hello, Fritz, fancy a cup of tea?“ (frei übersetzt: „Hallo, Deutscher, hast Du Lust auf eine Tasse Tee?“).
Und der Bremer nutzt sie. „Trautmann hat durch Leitung auf dem Spielfeld und mit hanseatischem Understatement außerhalb überzeugt“, sagt Rooney.
Der Deutsche wird zum Idol. Doch Ende 1952 will er zurück. Ein Wechsel zu Schalke 04 scheitert an den Ablöseforderungen der Briten. So bleibt Trautmann die Karriere in der deutschen Nationalmannschaft verwehrt, denn Bundestrainer Sepp Herberger nominiert grundsätzlich keine Legionäre. Trautmann bleibt („Once a Blue, always a Blue“) und wird in besagtem Pokalfinale gegen Birmingham (3:1) zur Legende. Bis 1964 absolviert er 508 Ligaspiele für die „Blues“.
Später schlägt er eine Trainerkarriere ein, coacht Preußen Münster und Opel Rüsselsheim, dann die Nationalmannschaften von Burma, Liberia und Pakistan. 1956 wird er Englands „Fußballer des Jahres“, 1997 erhält er das Bundesverdienstkreuz, 2004 verleiht ihm die Queen wegen seiner Verdienste um die deutsch-britische Aussöhnung einen Orden des
Empires. In seiner Heimatstadt ist er bislang „vernachlässigt und ignoriert worden“, sagt Rooney. Im nächsten Jahr wird er 90. „Er könnte ja Ehrenbürger werden“, so der Referent.
Zwei Biographien sind mittlerweile erschienen. In Alan Rowlands‘ „Trautmann“ steht der Fußball im Mittelpunkt, in Catrine Clays „Trautmann’s Journey“ die Lebensgeschichte.
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