Hauswände, Hinterhöfe und Garagen

Stadtführung einmal anders: „Graffiti – Kunst aus der Dose“ / „Tags“, „Pieces“ und „Bubble-Style“

Hauswände, Hinterhöfe und Garagen

101.03.10|Bremen|3 KommentareFacebook
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Bremen - Von Viviane Strahmann· Bubble-Style, Chrome-Bombing oder Crossen – die Stadtführung „Graffiti – Kunst aus der Dose“ von Meike Hartwig zeigt Bremen aus einer ungewohnten Perspektive. Ganz fremd ist diese allerdings nicht, begegnet man der Straßenkunst doch recht häufig. Meist aber, ohne sie richtig wahrzunehmen oder gar zu verstehen.

Stadtführerin Meike Hartwig zeigt den Teilnehmern von „Graffiti – Kunst aus der Dose“ ein legales Werk im Viertel.

Stadtführerin Meike Hartwig zeigt den Teilnehmern von „Graffiti – Kunst aus der Dose“ ein legales Werk im Viertel.

Licht ins Dunkel von „Tags“ und „Pieces“ bringt die Kunstwissenschaftlerin Meike Hartwig während ihrer Führung durch das Bremer Viertel. Sie berichtet über Geschichte und Entwicklungen in der Szene, übersetzt Graffiti-Jargon und macht zwischendurch auf versteckte, farbenfrohe Kunstwerke aufmerksam.

Manch ein Graffito erfährt alleine durch seine Lage bereits eine gewisse Bedeutung. Zugleich fordert es seine Betrachter heraus: Um einen Sinn zu ergeben, müssen Buchstaben ergänzt werden oder man muss sich schlicht von der gewohnten Betrachtungsweise lösen.

„Can’t sleep“ erfährt man auf diese Art von einem Sprayer, ein anderer schmückt sein „Piece“ mit dem Zusatz „USLS“ (das „L“ wurde spiegelverkehrt geschrieben) – „Useless“, also nutzlos. Graffiti sind für Ungeübte meist schwierig zu entziffern. Dafür zitiert Meike Hartwig eine passendes Erklärung: „Wenn ich wollte, dass man es lesen kann, würde ich in Druckbuchstaben schreiben“, soll einmal ein Writer gesagt haben. Manche Hausbesitzer lassen ihre Wand als Auftragsarbeit legal besprühen, um Einfluss auf das Motiv der Wandgestaltung zu bekommen – und weil das „Crossen“, das Übermalen oder Verunstalten eines Werkes durch andere, nicht erlaubt ist – so ein ungeschriebenes Gesetz der Szene.

Echte Kunst oder überflüssige Schmiererei? Eine Antwort gibt Meike Hartwig nicht. Dafür aber seltene Einblicke: Man erfährt die Straßenkunst als eine soziale, kommunikative Art des Ausdrucks. Manchmal arbeiten einander unbekannte Menschen an einem einzigen Projekt oder hinterlassen ihre Unterschriften – „Tags“, wie die Kürzel genannt werden. Hier gehe es nicht um die Frage der Ästhetik, sondern vielmehr darum, wie man seinen Stadtraum betrachte und darum, sich emotional und kreativ auszudrücken, erklärt die Kunstexpertin.

In jedem Fall sind die Teilnehmer nach der Führung schlauer: „Bubble-Style“ meint die Wandverzierung mit blasenförmigen Formen, „Chrome-Bombing“ ein schnell gesprühtes und meist silberfarbenes „Piece“. Ein spannender Rundgang – sogar für die Stadtführerin: „Ich entdecke selbst auf jeder Führung immer wieder etwas Neues.“

Weitere Termine Sonnabend, 13. und 27. März, jeweils um 14 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Theater am Goetheplatz. Weitere Informationen unter

WWW.

rosige-zeiten.com

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