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Die Germanen und die Ideologen

Das Focke-Museum untersucht die Bremer Vorgeschichtsforschung in der NS-Zeit / Volkswagen-Stiftung zahlt

Die Germanen und die Ideologen

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Artikel: Die Germanen und die Ideologen

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Eine Keramikurne steht vor Professorin Uta Halle auf dem Tisch. Sie ist unter anderem mit Hakenkreuzen verziert. Ausgegraben wurde sie in den 30er Jahren in Mahndorf, berichtet die Landesarchäologin. Fundstücke wie dieses und den Umgang mit ihnen will das Focke-Museum nun erforschen.

Uta Halle mit zeitgenössischen Berichten über die Mahndorfer Ausgrabungen. Im Vordergrund links die Urne.

Uta Halle mit zeitgenössischen Berichten über die Mahndorfer Ausgrabungen. Im Vordergrund links die Urne.

Die Vor- und Frühgeschichte wurde in der NS-Zeit zu einem großen Thema. Die Nationalsozialisten benutzten die germanische Kultur, um ihre Ideologie effektvoll in der Geschichte zu „verankern“. Was fanden die Wissenschaftler in jener Zeit heraus? Was war Erkenntnisgewinn, was war von Ideologie geprägt oder für ideologische Zwecke gedacht – und wie durchwirkten beide Bereiche einander? Lauter Fragen, die das Focke-Museum nun für Bremen klären möchte.

Das Museum widmet sich damit einer seiner Kernaufgaben, der Forschung. Möglich wird dies nur, weil die Volkswagen-Stiftung 234 400 Euro dazugibt. Sie hatte erstmalig einen Preis für „Forschung in Museen“ ausgeschrieben. 180 Bewerbungen gab es, elf bekamen einen Zuschlag – darunter eben das Focke-Museum, wie dessen Direktorin Dr. Frauke von der Haar erklärt. Das Stiftungsgeld erlaubt es unter anderem, für drei Jahre einen Ur- und Frühgeschichtler zu beschäftigen, den Wissenschaftshistoriker Dr. Dirk Mahsarski. Die Ergebnisse seiner Arbeit fließen ein in eine Ausstellung, die für 2012 geplant ist. Arbeitstitel: „Graben für Germanien“.

Uta Halle, die auch Leiterin der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Focke-Museums ist: „Das Thema ‚Archäologie in der NS-Zeit‘ ist in Bremen noch unerforscht.“ In anderen Bundesländern sieht das ganz anders aus. Dass es gerade in Bremen diese Lücke gibt, verwundert – schließlich gab es in Mahndorf eine der größten Grabungen der NS-Zeit. Nachdem Schulkinder dort eine Urne gefunden hatten, leitete Ernst Grohne, von 1924 bis 1953 Direktor des Focke-Museums, systematische Ausgrabungen.

Sie begannen 1936 und endeten 1939 – wenige Wochen nach Kriegsbeginn. Das zehnköpfige Grabungsteam stellte der Reichsarbeitsdienst. Grohnes Wirken wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht. Arbeitete er aus eigenem Antrieb oder unter Druck?

Immerhin gibt es eine Fülle von Funden, Fotos, Aufzeichnungen. Die Keramik urne mit den Hakenkreuzen zählt dazu. Sie stammt aus dem 6. oder 7. Jahrhundert und ist auch mit anderen Kreuzen sowie Bändern verziert. Halle: „Davon gibt es deutschlandweit nicht so viele.“ Drei Hakenkreuzurnen wurden gefunden. Wo kamen die beiden anderen hin? Auch so eine Frage . . .

In der NS-Zeit lag die Vorgeschichtsforschung in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite war der Reichsbund für deutsche Vorgeschichte, der dem „Chefideologen“ Alfred Rosenberg unterstand. Dessen Gegenspieler Heinrich Himmler hatte das „SS-Ahnenerbe“ gegründet, das auch in Bremen Aktivitäten plante – Hinweise darauf finden sich in Akten des Bundesarchivs.

Im Bestand des Museums fand Uta Halle das Plakat zur Bremer Station der Wanderausstellung „Lebendige Vorzeit“ (1939). Auf ihm fehlen ideologische Aussagen – was auch Fragen aufwirft.

WWW.

focke-museum.de

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