Bremen - Von Elisabeth Gnuschke - Es ist vollbracht: Nach jahrelangen Diskussionen und Verzögerungen hat Bremen sein „Sahnestück“, den Bahnhofsvorplatz, verkauft. Sechs Millionen Euro will ein Hamburger Projektentwickler dafür in Bremens Haushalt fließen lassen.

© Animation: Max Dudler
Dieses Bild wird sich den Passanten voraussichtlich in etwa zwei Jahren bieten, wenn sie aus dem Bremer Hauptbahnhof kommen und Richtung Innenstadt blicken.
Entstehen soll bis Ende 2014 ein zweiteiliger Gebäudekomplex mit sieben Stockwerken, der in der Mitte den Blick auf den Hauptbahnhof und umgekehrt den Blick Richtung Innenstadt frei lässt. Über die Wirtschaftsförderung (WFB) wurde jetzt der Verkauf an die Achim Griese Treuhandgesellschaft aus Hamburg perfekt gemacht.
„Diesmal sollte nichts schiefgehen“, hatte Ortsamtsleiter Robert Bücking (Grüne) im Mai 2011 in der entscheidenden Sitzung des Beirates Mitte gesagt. Der Beirat hatte damals unter dem Protest einiger Zuhörer dem Bau zweier Geschäftshäuser auf dem Investorengrundstück, auf dem sich heute außer ein paar Skatern und Junkies kaum jemand länger aufhält, zugestimmt. Die Kritiker wollten mehr Zeit für einen Ideenwettbewerb haben.
Griese will nach Angaben des Bauressorts noch in diesem Jahr einen Bauantrag stellen, Baubeginn soll im zweiten Halbjahr 2012 sein. Um die 70 Millionen Euro – offiziell ist von einer „zweistelligen Millionensumme“ die Rede – wollen die Hamburger an der Weser investieren. Ende 2014 soll das Projekt fertig sein. Bremen hatte sich eigentlich mehr als sechs Millionen Euro Erlös erhofft und das Geld praktisch im Laufe der diskussionsreichen Jahre bereits ausgegeben.
„Wir sind einen großen Schritt weitergekommen in der Verbesserung der Bahnhofsvorstadt“, sagte gestern Bausenator Joachim Lohse (Grüne) zum Vertragsabschluss. „Der Bahnhofsplatz als Tor zur Innenstadt erhält ein neues Aussehen und eine neue Perspektive“, so der Senator.
Der Dudler-Entwurf sieht auf dem rund 5 580 Quadratmeter großen Areal einen zweiteiligen Gebäudekomplex vor, der durch einen Fußweg den Blick frei lässt. Die beiden Gebäude werden neben drei Untergeschossen jeweils sieben Stockwerke und etwa 40 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche haben. Die Komplexe bekommen eine helle Natursteinfassade mit großen Fensteröffnungen.
Im ersten Untergeschoss, im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sollen Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleister angesiedelt werden. Lebensmittel, Schuhe, Textilhandel, so das Ressort, könnten einziehen. Kleinere Geschäfte aus dem örtlichen Einzelhandel sollen integriert werden. Ein Gebäudeteil ist den Angaben nach bereits an einen internationalen Hotel-Betreiber vermietet worden, dem Vernehmen nach an die Accor-Gruppe. Geplant sind 315 Doppelzimmer sowohl im gehobenen als auch im Drei-Sterne-Standard. Zudem stellt sich der Investor ein Ärztezentrum oder eine Tagesklinik vor, alternativ Büros. In zwei Tiefgaragen-Ebenen werden rund 320 Stellplätze zur Verfügung stehen.
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