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Auf den Füßen durch die Luft wirbeln

Künstler von „Mother Africa“ beeindrucken das Publikum im Musicaltheater mit Lebensfreude und Artistik

Auf den Füßen durch die Luft wirbeln

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Bremen - Von Elisabeth GnuschkeEigentlich müsste dem Jungen dermaßen schwindlig sein, dass er umfällt, als er wieder festen Boden unter der Füßen hat. Schließlich wurde er auf der Bühne des Bremer Musicaltheaters gerade sagenhafte 51 Male durch die Luft gewirbelt. 51 Backflips – Weltrekord, heißt es. Der kleine Äthiopier schwankt am Boden nicht einmal. Lächelt, bedankt sich für den riesigen Applaus beim Publikum.

Mwangi Lazaraus Gitu, der „gelenkigste Mann der Welt“, scheint keine Knochen im Körper zu haben. ·

© Foto: Semmel Concerts

Mwangi Lazaraus Gitu, der „gelenkigste Mann der Welt“, scheint keine Knochen im Körper zu haben. ·

Yonas und Tariku gehören sicher zu den Höhepunkten von „Mother Africa“, dem „Circus der Sinne“, der am Freitagabend in Bremen Premiere feierte und leider nur bis Sonntag im Musicaltheater gastierte.

Die mehr als 40 Künstler vom afrikanischen Kontinent rissen die rund 1 400 Zuschauer im nahezu ausverkauften Theater mit ihrer Lebensfreude, mit den bunten Kostümen, mit der Live-Musik der siebenköpfigen Band und natürlich mit ihren großartigen artistischen Leistungen von Beginn an mit.

Immer wieder Szenenapplaus, Ausrufe der Begeisterung und am Ende stehende Ovationen für ein beeindruckendes Ensemble. „Mother Africa“ macht einfach Spaß – dem Publikum und ganz offenbar auch den Künstlern. Ihre Fröhlichkeit wirkt ansteckend.

Physikalische Grenzen kennen Yonas und Tariku wohl nicht. Der auf dem Rücken liegende Mann wirbelt den schlanken Jungen mit seinen Beinen durch die Luft. Schrauben, Salti, der Kleine landet selbst nach 51 Backflips wieder sicher auf den Füßen seines Partners – mit einem Lächeln auf den Lippen.

Dieser Ausdruck von Lebensfreude fällt bei allen Künstlern auf. Keine versteinerten Mienen, nein, ein breites Lachen kennzeichnet die Gesichter, ob beim Singen, Tanzen oder bei der Akrobatik. Die Zuschauer sehen vor der Silhouette Afrikas und den stilisierten Affen und Löwen des Bühnenbildes schweißtreibende Kraftakrobatik und einen Mann, der auch für eine achtsprossige große Leiter keine Wand zum Anlehnen braucht. Während er die Leiter selbst hält, erklimmt er Stufe für Stufe. Erstaunlich! Da macht es auch nichts, dass die Keulen für die geplante Jonglage an diesem Abend am Boden bleiben. Ein Paar beeindruckt mit einer perfekten Ball-Jonglage. Dabei fliegen bis zu zwölf Bälle wie an einer Schnur durch die Luft.

Ein Afrikaner in einem grünen Dress fährt nicht einfach nur auf einem Einrad. Er hat eines mit drei Reifen übereinander, eines mit einem seitlich versetzten Sattel und ein Mini-Einrad dabei. Und das ist es auch, was „Mother Africa“ ausmacht: Die Künstler geben ihren Nummern immer wieder einen etwas anderen Aspekt, so auch beim Handstand auf einem Turm von gestapelten Stühlen, die auf einem Mega-Hocker aufgebaut werden.

„Mama, guck mal, wie macht der das?“ fragt ein Junge seine Mutter, während so manch einer Mwangi Lazaraus Gitu aus Kenia, dem „gelenkigsten Mann der Welt“, schon gar nicht mehr zuschauen mag. „Das kann doch nicht gesund sein“, schüttelt die Mutter fassungslos ihren Kopf. Sohnemann staunt unterdessen mit offenem Mund. Der Keniaer vollführt geradezu unglaubliche Verbiegungen. Knochen scheint der Mann nun wirklich nicht im Leib zu haben.

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