519.03.10|Bremen|Bremen|
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Bremen - Von Thomas Kuzaj „Werden wir ein Volk?“ Diese Frage stellt eine Ausstellung zur Deutschen Einheit, die jetzt im Haus der Bürgerschaft zu sehen ist. Die Schau, die aus einer Reihe von Grafiken besteht, ist das Werk von Wissenschaftlern – von Wissenschaftlern des Sonderforschungsbereichs (SFB) 580 der Universitäten Jena und Halle, um genau zu sein.

Geschwungene Stellwände bilden die Ausstellung im Haus der Bürgerschaft.
Der SFB 580 dreht sich um „gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch“. Politik, Unternehmen, Arbeitsmarkt – auf verschiedenen Feldern wird untersucht, wie es vor und nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik aussah. Mit vielen Grafiken präsentieren die Wissenschaftler ihre Ergebnisse auf den Tafeln der Ausstellung.
Sie kommen zu Schlüssen wie diesem: „Seit der Wiedervereinigung ist weitgehend ‚zusammengewachsen, was zusammengehört‘. Aber die beiden Teile Deutschlands werden weiterhin auch eigene Wege gehen. Ostdeutschland wird dabei sowohl Vorreiter innovativer Lösungen als auch Sorgenkind bleiben. Der Transformationsprozess stellt weiterhin eine Werkstatt sozialwissenschaftlicher Forschung dar.“ Tja, wer hätte das gedacht?
Interessanter sind Detailergebnisse, wie sie sich auch auf den Schautafeln finden. So wird der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik als Einwanderungsprozess betrachtet – mit Einwanderern, die ihren Wohnort nicht wechselten. Mit dem Vokabular von Migrationsforschern werden diese Einwanderer nun beschrieben und in vier „Generationen“ aufgeteilt.
Die Mitglieder der „Großeltern-Generation“ (Geburtsjahrgänge um 1930) würden im Einigungsprozess zu „Hütern der Herkunftskultur“. Die „Elterngeneration“ (Jahrgänge um 1955 bis 1960) leide am „Spagat“ zwischen „Bewahrung ihrer kulturellen Prägung“ und der nötigen „Anpassungsleistung“. Vielleicht erklärt die Existenz dieser Generation ja das Fernsehprogramm des MDR. Erhellend und durchaus auch ein wenig überraschend wirkt der von den Forschern beschriebene Unterschied zwischen der „Jugendgeneration“ (geboren um 1970) und den „Kindern des Mauerfalls“ (geboren um 1980, so dass sie zur Zeit des Mauerfalls Kinder waren).
Während für die um das Jahr 1970 Geborenen die Befreiung von der Diktatur prägend gewesen sei, habe die Unsicherheit der Nachwendezeit die um das Jahr 1980 Geborenen geprägt – mit dauerhafter Auswirkung auf das Selbstbild. Denn die um 1970 Geborenen begriffen sich vor diesem Hintergrund als erste „Wessis aus dem Osten“. Die später Geborenen nicht – ein Ausdruck der, so die Formulierung in einer Ausstellungsankündigung, „eigenen Dynamik der postsozialistischen Gesellschaft in Ostdeutschland“.
· „Werden wir ein Volk?“ ist bis Freitag, 23. April, im Haus der Bürgerschaft zu sehen – montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr.

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