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Bremen - Von Ulf Kaack· Auch heute noch, fast 50 Jahre nach seinem Ableben, kommen bei der Erwähnung seines Namens Emotionen hoch: Carl Friedrich Wilhelm Borgward. Der hemdsärmelige Unternehmer und Ingenieur genießt einen legendären Ruf. In dieser Woche erscheint im Verlag Delius Klasing eine Borgward-Biographie, an der Autorin Birgid Hanke drei Jahre gearbeitet hat.

Autorin Birgid Hanke vor dem Lloyd LP 400 „Leukoplastbomber“ und dem eleganten „Isabella Coupé“ (rechts) im Bremer Focke-Museum.
Carl F. W. Borgward, 1890 in Hamburg geboren, arbeitete sich aus bescheidensten Verhältnissen kommend hoch zum viertgrößten Automobilfabrikanten in Deutschland. Seine Unternehmensgruppe war Bremens größter Industriebetrieb und einer der wichtigsten Steuerzahler in der Hansestadt.
Seit 1919 fertigte Borgward in einer kleinen Manufaktur in der Bremer Neustadt Kühler und Kotflügel, ab 1924 auch dreirädrige Lastkarren. 1931 übernahm er den Automobilproduzenten Hansa-Lloyd und baute fortan die Marken Hansa, Goliath und Borgward. Während des Zweiten Weltkrieges wurden vor allem Rüstungsgüter gefertigt.
Facettenreich beleuchtet Birgid Hanke die Werksgeschichte, vor allem aber die Persönlichkeit des oftmals unkonventionelle Wege gehenden Konstrukteurs und Fabrikanten – von den kleinen Anfängen vor dem Krieg, dem kometenhaften Aufstieg zur Zeit des Wirtschaftswunders bis hin zum spektakulären Konkurs des Borgward-Konzerns 1961.
„Oberingenieur Dr. Ing. e.h. Carl F.W. Borgward war ein Industrieller mit Weitblick, technischer Aufgeschlossenheit und einem großen Herzen“, so die Autorin Hanke. „Er war Automobilhersteller aus Überzeugung und verdiente sein Geld mit dem Bau von Großserienfahrzeugen. Darüberhinaus konzipierte er Sport- und Rennwagen, Cabrios, Luxuslimousinen, Lastwagen, Hubschrauber und Trecker.“
Detailliert und aus einer kritischen Distanz heraus hat Hanke die Persönlichkeitsstruktur des hanseatischen Automobilfabrikanten erforscht: sein Streben nach unternehmerischer Eigenständigkeit, seine Defizite in den Bereichen Management und Ökonomie und nicht zu letzt die Privatperson Carl F.W. Borgward. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Autorin den Geschehnissen während der NS-Zeit und den Kriegsjahren, beschreibt akribisch Borgwards Entnazifizierungsverfahren und den sich anschließenden Wiederaufbau seiner Werke.
Bei ihren Recherchen griff Hanke auf das weltweit größte Dokumenten-, Foto- und Filmarchiv zur legendären Automobilmarke zurück, das sich im Besitz des Bremer Verlegers, Autors und Automobilhistorikers Peter Kurze befindet. Intensiv sichtete sie das Staatsarchiv der Hansestadt und befragte Zeitzeugen: Borgwards Kinder Monica, Kurt und Enkel Eric, den Bremer Alt-Bürgermeister Hans Koschnick (SPD), langjährige Weggefährten aus Politik und Wirtschaft sowie ehemalige Mitarbeiter.
Birgid Hanke lebt seit rund zwei Jahrzehnten in Bremen. Sie ist freie Journalistin und Autorin zahlreicher Bücher. Aufgewachsen in Hessen, besaß ihr Vater einen silberfarbenen Lloyd „Alexander“. „Gern erinnere ich mich an die Ausflüge mit dem ,Leukoplastbomber’ ins Siegerland und in den Westerwald“, so die 58-Jährige. „Ein prägendes Kindheitserlebnis, das bis heute Ursache ist für meine Neugierde auf Borgward und seine Fahrzeuge.“
· „Carl F.W. Borgward – Unternehmer und Autokonstrukteur“, Autorin Birgid Hanke, 196 Seiten, 80 Fotos (sw), Delius Klasing, ISBN 978-3-7688-3145-1, 22,90 Euro

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