005.03.10|Bremen|Bremen|
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Bremen - 15 Menschen brachte die Giftmörderin Gesche Gottfried im 19. Jahrhundert um. Über Jahre mischte sie ihrer Familie und Bekannten Mäusebutter - eine Mischung aus Arsen und Fett - ins Essen.

© dpa
Eine Darstellerin des Bremer Geschichtenhauses spielt das Bestreichen eines Brotes mit sogenannter "Mäusebutter" (mit Arsen versetzte Butter). Im Vordergund ist der Comic "Gift" der Autoren Peer Meter und Barbara Yelin zu erkennen.
Ihre Opfer, darunter ihre Eltern, die beiden Ehemänner und ihre drei Kinder, starben qualvoll. 1831 wurde die Frau auf dem Domplatz enthauptet. Ihre Geschichte erscheint nun erstmals als Comic. „Gift“ schildert in Rückblenden die Gräueltaten und endet mit der Hinrichtung. Die schwarz-weißen Zeichnungen der Berlinerin Barbara Yelin zeigen dabei eindringlich die Gedankenwelt der Giftmischerin.
„Sie war eine psychisch kranke Frau“, sagte Autor Peer Meter am Freitag bei der Buch-Vorstellung. „Es gab für keinen einzigen der Morde ein Motiv.“ Handlung und Dialoge stammen aus der Feder des Worpsweder Schriftstellers. Vor Jahren hatte er bereits ein Sachbuch über die Bremer Giftmörderin geschrieben, dies ist aber mittlerweile vergriffen. Für ein neues Sachbuch entzifferte er in jahrelanger Arbeit die handschriftlichen Protokolle von Gottfrieds Verhören. Die Prozessakten galten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Erst 1986 wurden sie wieder entdeckt.
Die Dokumente brachten nach Angaben von Meter überraschende Erkenntnisse. Schon lange bevor die Polizei Gottfried festnahm, gab es Hinweise auf die Morde. „Es ist dreimal vor ihrer Verhaftung Mäusebutter an Lebensmitteln gefunden worden“, sagte Meter. Dennoch habe niemand etwas gesagt. „Die Mordserie hätte viel früher beendet werden können. Alle haben aber so getan, als wüssten sie nichts davon.“ Diese Sprachlosigkeit prangert auch der Comic an. Er zeige eine Stadt, die unfähig sei, sich die Serienmorde einzugestehen und damit umzugehen, betonte Meter.
Die Zeichnungen von Yelin unterstreichen die düstere Stimmung in der Hansestadt kurz vor Gottfrieds Hinrichtung. Dabei griff sie auf relativ einfache Mittel zurück: Papier, einen weichen Bleistift und Radiergummi. Den Bleistift trug sie in mehreren Schichten auf und verwischte ihn mit dem Radiergummi. „Das verleiht dem Bild eine besondere Tiefe“, sagte sie. Pro Seite brauchte sie ein bis zwei Tage, ein Bleistift ging jeweils dabei drauf. An dem 200 Seiten dicken Werk saß sie insgesamt zwei Jahre.
„Gift“ ist von diesem Samstag an im Handel erhältlich. Daneben erscheint auch das Sachbuch „Gesche Gottfried. Eine Bremer Tragödie“ von Meter mit Auszügen aus den Verhörprotokollen.

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