005.12.09|Bremen|Bremen|
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Bremen - Von Viviane StrahmannBREMEN · „Zuerst hatte ich furchtbare Angst und große Schuldgefühle. Dann kam der Gedanke, dass wir jetzt keine Enkelkinder mehr bekommen.“ Die Erfahrungen mit dem Coming-Out ihres Sohnes vor 20 Jahren waren für Uschi Schulze Anlass, eine Gruppe für Eltern homosexueller Töchter und Söhne ins Leben zu rufen.

Seit 20 Jahren steht die Gruppe ratsuchenden Eltern zur Seite: Gründerin Uschi Schulze gibt nun die Leitung an Werner Steinmeyer ab (unten rechts). Außerdem freuen sich Helmut Koch (oben links) und Bernd Thiede (Mitte, beide Rat-&-Tat-Zentrum) sowie Gesundheits-Staatsrat Hermann Schulte-Sasse (oben rechts) über das bewährte Angebot.
Was sagen die anderen dazu, warum gerade mein Kind, was haben wir bloß falsch gemacht? Fragen, die sich Uschi Schulze damals gestellt hat, beschäftigen die meisten Eltern auch heute. Die Gruppenarbeit im Rat-&- Tat-Zentrum für Schwule und Lesben in Bremen möchte ein verständnisvolles Miteinander schaffen. Außerdem setzt sich die Gruppe für gesellschaftliche Anerkennung und verbesserte rechtliche Bedingungen der Söhne und Töchter ein.
Bedingungen, die in den 60er Jahren noch katastrophal waren: Gesundheits-Staatsrat Hermann Schulte-Sasse lebt seit drei Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Er erinnert sich: „Hier war es fast unmöglich, sich als Schwuler zu outen. Man hat es niemandem erzählt, selbst den Eltern nicht. Und wir haben heute nach wie vor große Probleme, auch wenn sich einiges verbessert hat.“
Das Schwulsein, sagt Schulte-Sasse, wurde als erzieherische Fehlleistung gewertet und stellte nicht nur für den Sohn oder die Tochter eine Katastrophe dar. Er fordert: „Wir müssen Diskriminierung und Bedrohungen weiter abbauen und die sexuelle Identität des Menschen als etwas Natürliches behandeln.“
Damals, mit 16, kannte er niemanden, der auch in solch einer schwierigen Situation war. Dank technischer Errungenschaften können sich Menschen heute viel einfacher vernetzen und über ihre Situation austauschen. Vielleicht ist auch dies ein Grund für die gesunkene Nachfrage nach dem Beratungsangebot.
Dass Diskriminierung und Homophobie – gegen Schwule und Lesben gerichtetes feindseliges Verhalten oder Aversion – aber immer noch an der Tagesordnung sind, unterstreichen Ergebnisse einer Studie, die der Landesarbeitskreis für Lesben- und Schwulenpolitik in Zusammenarbeit mit dem Rat-&-Tat-Zentrum zur aktuellen Lebenssituation von Lesben, Schwulen und Bisexuellen im Land Bremen durchgeführt hat. „34 Prozent der Frauen und fast 23 Prozent der Männer erleben heute noch eine Ablehnung in Familie und Verwandtschaft“, sagt Bernd Thiede, Mitarbeiter der Beratungsstelle. Die moralische Bewertung der Homosexualität müsse sich ändern, fordert er: „Wir sollten die Vielfalt benennen.“ Die Treffen der Elterngruppe finden jeden dritten Freitag im Monat um 20 Uhr im Zentrum, Theodor-Körner-Straße 1, statt.
WWW.
ratundtat-bremen.de

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