Bund will Offshore-Rahmen setzen

Röttgen: Bis Ende 2011 sollen zehn Windparks auf hoher See im Bau sein

Bund will Offshore-Rahmen setzen

028.07.10|BremenFacebook
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Bremen - BREMERHAVEN (je/lni) · Der Offshore-Branche fehlt Geld. Die Banken scheuen das Risiko. Und wollen warten, bis der Nutzen der milliardenschweren Anlagen nachgewiesen ist. Der Staat soll einspringen.

Umweltminister Norbert Röttgen (r.) und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister informierten sich auf der Offshore-Sommertour in Bremerhaven bei „Powerblades“-Geschäftsführer Lars Weigel (l.).

Umweltminister Norbert Röttgen (r.) und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister informierten sich auf der Offshore-Sommertour in Bremerhaven bei „Powerblades“-Geschäftsführer Lars Weigel (l.).

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Milliarden-Investitionen in Offshore-Windparks durch Bundesbürgschaften absichern lassen, um die von allen Seiten geforderte Planungssicherheit zu schaffen. Die Windkraftbranche rüstet derweil weiter auf.

Der in Bremerhaven ansässige Rotorblatthersteller „Powerblades“ beispielsweise will seine Produktionskapazitäten von derzeit rund 100 auf 300 Blätter pro Jahr erhöhen. Und die Bremer Schwergutreederei Beluga setzt auf Offshore als zweites Standbein. Gemeinsam mit Hochtief wollen die Bremer ein Spezialschiff bauen lassen, ein sogenanntes „Jack-Up-Vessel“, das Offshore-Windkraftanlagen nicht nur laden und transportieren, sondern vor allem auch installieren kann. Darüber hinaus sind weitere Spezialgeräte wie zwei Kabelleger und Mutter- und damit Versorgungs- und Serviceschiffe für die Offshore-Windparks bereits fest geplant. Um die Projekte finanzieren zu können, hat Beluga, wie berichtet, die US-Investmentgesellschaft „Oaktree“ ins Boot geholt.

Zurück in die Gegenwart: Mit „Alpha ventus“ ist bislang nur ein kleines Testfeld in der Nordsee 45 Kilometer vor Borkum in Betrieb. Und dort drehen sich derzeit nur zehn Rotoren der zwölf Windräder. Zwei Anlagen des Herstellers Areva-Multibrid sind nicht in Betrieb, da sie entsprechend der Überhitzungsmeldung des Frühwarnsystems vorsorglich außer Betrieb gestellt wurden. Der Austausch aller sechs Areva-Gondeln werde derzeit auf der Projektebene geplant und solle ab Mitte August realisiert werden, heißt es.

Rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum errichtet die Bard-Gruppe (Emden) den ersten kommerziellen deutschen Windpark „Bard Off shore 1“. Mitte 2011 sollen sich hier 80 Fünf-Megawatt-Anlagen Strom produzieren. Aktuell sind drei Anlagen komplett installiert.

Neben den Unsicherheiten bei der Finanzierung hemmen Probleme mit der Netzanbindung der Anlagen die Branche. Röttgen versprach Unternehmern in Cuxhaven und Bremerhaven auf seiner Sommerreise, eine „Entscheider-Konferenz“ einzuberufen, um die Netzanbindung klären zu lassen.

Der Nutzung Erneuerbarer Energien steht laut Röttgen im Mittelpunkt eines Energiekonzeptes, das die Bundesregierung im September verabschieden soll. Die jetzige Nutzung von „endlichen Ressourcen“ wie Öl, Kohle oder Uran „führt in eine Sackgasse und ist mit der wachsenden Gefahr gigantischer Umweltkatastrophen verbunden“, warnte Röttgen. In der Nutzung der Windkraft stecke eine „große industriepolitische Chance für Deutschland, sagte der Minister. Wie früher bei anderen Technologien sei Deutschland derzeit bei der Entwicklung der Windkraftnutzung weltweit führend, betonte der Bundesumweltminister: „Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir bei der Vermarktung nicht wieder in die Fehler der Vergangenheit verfallen.“ Aufgabe der Bundesregierung sei es nun, den ordnungspolitischen Rahmen für die Nutzung der Windkraft auf hoher See vor der deutschen Küste zu schaffen. Sein Ziel sei es, dass bis Ende kommenden Jahres der Bau von mindestens zehn kommerziellen Offshore-Windparks in deutschen Gewässern begonnen habe.

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