Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Mehr als neun Stunden hat die Jury am Mittwoch getagt. Am Abend stand dann fest, dass ein Brite in Bremens exponierter Lage gegenüber dem Weltkulturerbe Rathaus und dem Dom den Neubau der Bremer Landesbank planen wird. Das Londoner Architektenbüro Caruso St. John machte das Rennen um das Millionenprojekt.

Dr. Guido Brune (Landesbank, rechts) mit Architekt Peter St. John aus London vor dem Siegerentwurf. ·
Wenn alles wie geplant läuft, werden die rund 300 Mitarbeiter aus dem jetzigen aus zwei Epochen stammenden Gebäude am Domshof Mitte 2016 im „hanseatisch zurückhaltenden, nicht schreierischen und sich unterordnenden Neubau“ ihre Büros einnehmen, wie Vorstandsmitglied Dr. Guido Brune gestern Nachmittag sagte. 2012/13 werden die Angestellten in das Landesbank-Nachbargebäude in der Katharinenpassage sowie in Büros über Peek & Cloppenburg ziehen. Dann folgt laut Brune der Abriss der Gebäude, die aus Ende der 60er Jahre sowie Ende 19. Jahrhundert/Anfang 20. Jahrhundert stammen. Die historische Fassade der alten Notenbank bleibt erhalten.
Zwölf internationale Architekturbüros hatte die Landesbank um Entwürfe gebeten, darunter fünf aus Bremen, eins aus Oldenburg. Gefragt war ein Neubau, der sich den historischen Gebäuden unterordnet. „Er sollte hier nicht wie ein Ufo wirken“, so Brune, „denn Zukunft hat Herkunft.“ Der Enwurf von Caruso St. John überzeugte die Jury komplett. Ebenso einstimmig gingen Platz zwei an das Architekturbüro Max Dudler (Zürich) und Platz drei an Hilmers Lamprecht (Bremen). Alle zwölf Entwürfe sind ab Montag, 11. Juli, in der Kundenhalle zu sehen.
Bremens Denkmalpfleger Prof. Dr. Georg Skalecki sprach von einem gelungenen Entwurf, der sich am sensiblen, historischen Ort „hervorragend integriere und ein Zugewinn fürs Ensemble“ sei. Auch Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, war begeistert. Vor allem freute sie sich, durch den veränderten Eingang gegenüber dem Rathaus einen breiteren Durchgang am Grasmarkt zu bekommen.
Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing lobte das „unglaublich schöne Haus“, das im „Tempelbezirk“ der Stadt entstehe. „Es ist ein Gebäude, an dem man vorbeigehen kann, ohne es zu sehen. Andererseits kann man 100 Male daran vorbeigehen und entdeckt immer noch etwas Neues – phantastisch“, machte Höing genau die Intention der Landesbank deutlich – die auch Architekt Peter St. John hervorhob. „Das Haus wechselt sein Gesicht, je nach Sicht und Position des Betrachters.“
Die Fassade des Neubaus bekommt dunkelrote Klinker und viele Fenster. Statt fünf- wird der Bau siebenstöckig, um den Platz für den Innenhof aufzufangen. Notwendig werde das Millionenprojekt, da die Unterhaltungskosten fürs alte Gebäude ständig stiegen, so Brune. Eine sukzessive Renovierung der einzelnen Etagen würde sich über zehn Jahre hinziehen und sei für die Mitarbeiter nicht zumutbar. Die Landesbank investiert ins Projekt einen „zweistelligen mittleren Millionenbetrag“.
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