Bremen - BREMEN (kra). Manchmal geschieht eine Katastrophe, manchmal finden sie sich in einem Wunder wieder, doch nie bleiben sie länger zusammen. Auf jeden Fall Stoff für eine Lovestory.

AUF DER SUCHE nach der geliebten Krankenschwester: Die Komödie Eyyvah Eyvah füllte in der Originalversion die Kinosäle.
Özgür und Deniz heißen die beiden, die am selben Tag im selben Krankenhaus geboren wurden, und die sich immer mal wieder treffen. Aber sie brauchen lange, ehe sie endlich zusammenfinden. Exakt zwei Stunden und eine Minute. Genau, ein Streifen. Einer allerdings, dessen Name westlichen Zuschauern nicht so leicht von der Zunge geht. „Ask Tesadüfleri Sever.“ Und noch ungewöhnlicher klingt er für westliche Ohren. Der Film läuft in türkischer Originalversion. „Das Interesse ist ungebremst,“ sagt Alexander Dangelmaier vom Cinemaxx Bremen. 200 bis 300 Zuschauer seien es, die an Spitzentagen die Vorstellungen besuchten. Und das ist längst kein Einzelfall. Eine Reihe internationaler Filme in Originalversionen mobilisieren gegenwärtig die Zuschauer in den großen Bremer Kinos. Filme vorrangig auf Englisch und Türkisch, manchmal mit Untertiteln versehen.
Eine schöne Form von Integration? Oder ein Angebot, das eher den Integrationsbemühungen zuwider läuft? Der Bremer Integrationsbeauftragte Erhard Heintze bleibt gelassen. „Ob türkische Filme oder türkisches Fernsehen, oder russischen TV oder al Dschadsira, das alles ist ja hier zu sehen. Und wenn das Angebot genutzt wird, dann ist das Privatsache.“ Für gelungene Integration sei es wichtig, mit den Nachbarn in den jeweiligen Wohngebieten auszukommen, am Arbeitsplatz oder in der Schule.
Natürlich sei „es nicht so schön, die auf das Herkunftsland bezogenen Angebote zu nutzen, schlimm ist es aber auch nicht,“ sagt Heinze, „das zeichnet unsere Internationalität aus.“ Oder anders: „Wenn ich in England leben würde, und dort ein Film in deutscher Sprache liefe, dann würde ich ihn bestimmt auch sehen wollen.“
Anders als bei den US-Produktionen sind es in Sachen türkischer Film vor allem die etwas kleineren Verleihfirmen, die die Kinos versorgen. „Immer mehr türkische Produktionen haben den europäischen Kinomarkt für sich entdeckt,“ sagt Fulya Yolasan vom Kölner Perafilm-Verleih, „ein starker Trend nach oben.“ Als stärkstes Land sei hier „natürlich Deutschland zu nennen, da hier die meisten türkischen Migranten leben.“ Besonders tue sich Nordrhein-Westfalen hervor, als die stärksten „Nordlichter“ gelten Hamburg und Hannover gefolgt von Bremen.
Am besten laufen Komödien, haben die Kölner festgestellt. Zungenbrechlerisches wie Eyyvah Eyvah 2 etwa, das an der Weser nicht selten 300 Zuschauer anlockte. Jemand namens Hüseyin spielt hier die Hauptrolle. Im ersten Teil hat er seinen Vater Ali Riza Seker gefunden, im zweiten möchte er seine „geliebte Krankenschwester Müjganz aus Geyikli wiedersehen“. Als nächstes erwarten die Verleihfirmen mit „Kolpacino Bomba“ und dem türkischen Superstar Safak Sefer volle Kinosäle. Start der Komödie ist am 17. März.
Allerdings gelten türkische Streifen nicht immer als unproblematisch. Erst vor wenigen Wochen hatte es die teuerste Produktion vom Bosporus, „Das Tal der Wölfe - Palästina“ auf die Leinwände geschafft. Für zehn Millionen Euro war die Geschichte der Erstürmung der Gaza-Hilfsflotte durch die israelische Armee im Mai 2010 aufgegriffen worden. Neun türkische Aktivisten waren ums Leben gekommen. Im Film zieht die Hauptfigur, eine Art türkischer James Bond, gegen die israelischen Verantwortlichen zu Felde.
Der Film startete bundesweit ausgerechnet am 27. Januar, dem Jahrestag der Auschwitz-Befreiung. „Eine Geschmacklosigkeit“ wetterte etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder. „Unverantwortlich, zumal der Film gewaltverherrlichend ist und antiisraelische sowie antisemitische Emotionen schürt,“ schimpfte auch Kerstin Griese (SPD). Die Grünen hielten ebenfalls nicht hinter dem Berg. Und der Filmkritiker auf einer der Kino-Internetplattformen brachte alles auf den Punkt. „Ein Propagandastreifen.“
Inzwischen ist das Tal der Wölfe zumindest aus den Bremer Kinosälen verschwunden. Ob öffentlicher Druck den Ausschlag gab, oder wirtschaftliches Denken ursächlich war, bleibt unklar. Einer der Kinovertreter: „Er hatte zu wenig Zuschauer.“
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