München - Wer kennt das nicht? Der Nachbar hat seine Musikanlage voll aufgedreht und lässt das ganze Haus beben. Manche Personen kann dies an den Rand des Wahnsinns treiben - andere fühlen sich weniger gestört.
Es gibt zwei Hauptquellen, die einem das Wohnen vermiesen können: störende Gerüche (Gestank) und störende Geräusche (Lärm). Beides wird höchst subjektiv wahrgenommen. Der Lärm ist dabei die häufigste Störquelle, weil er auch über größere Distanzen noch wahrgenommen wird und weil es sehr viele verschiedene Lärmquellen gibt.
Lärm ist ein Störgeräusch und damit unabhängig von der Lautstärke des Schalls. So werden wummernde Basstöne aus der Nachbarwohnung auch bei niedriger Lautstärke von vielen als Lärm empfunden. Oder das niederfrequente Brummen des Generators einer Biogasanlage, das tagsüber der Nebengeräusche wegen nicht auffällt, aber nachts plötzlich Einschlafprobleme macht. In vielen Fällen entscheidet die Schallquelle, ob wir sie als störend empfinden.
Das ist auch ein Grund für viele Nachbarstreitigkeiten. Wer seinen Nachbarn nicht leiden kann, will ihn auch nicht wahrnehmen. Neben dem Verhältnis zur Schallquelle kommt es auch auf die eigenen inneren Befindlichkeiten an. Neidet man dem anderen das schicke Auto oder Motorrad, stört man sich auch an seinem Motorenlärm. Und ist man ein rechter Griesgram, so gönnt man auch den anderen nicht den Spaß am Hof- oder Straßenfest. Auch gewisse Erwartungen entscheiden, was für uns Lärm ist: In einer „absolut ruhigen Lage“ akzeptieren wir einfach keine so große Geräuschkulisse.
Warum Lärm so nervt, hat einfache biologische Gründe: Wie das Licht brauchen wir Schall zur Kommunikation, jedoch können wir unsere Ohren nicht „abschalten“, so wie wir unsere Augen schließen können. Das Ohr leitet permanent Informationen ans Gehirn, weshalb wir auch im Schlaf hören. Wird ein Geräusch als bedeutsam interpretiert, wachen wir auf. Dabei ist die Lautstärke manchmal unerheblich, beispielsweise wenn das Baby wimmert.
Auch unerwünschte Gespräche anderer können so zu störendem Lärm werden, denn unser Gehirn stuft sie als wichtig ein und kann das Geräusch kaum ausblenden. Das wiederum verursacht Stress. Übrigens: Das Wort „Lärm“ kommt von dem frühneuhochdeutschen „larman“, und da steckt auch der „Alarm“ drin. Lärm als Stressfaktor kann auch das autonome Nervensystem und das hormonelle System beeinflussen. Die Folge: Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren.
mm/tz
Rubriklistenbild: © dpa
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