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Hip-Hop-Comedian „Fifty Sven“ im Interview / Youtube-Fans wollte das Album

„Er ist der Virus in der Szene“

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Von Benedikt Wellmann (22 Jahre) aus Barrien - Ein komischer Typ. Durchgeknallt. Sieht scheiße aus. Klamottenmäßig irgendwas zwischen Prolet und Penner. Und spricht von sich selbst in der dritten Person. Das ist „Fifty Sven“ – für mich der Newcomer im Showbusiness in den nächsten Wochen!

© Mediengruppe Kreiszeitung

Hip-Hop-Comedian„Fifty Sven“ im Interview.

Zusammen mit Carolin Kebekus („Aggro Comedy“) macht er gerade in Internetvideos auf sich aufmerksam; vielleicht kennen ihn ein paar von Euch schon aus der Sendung „Broken Comedy“. Eine Mischung aus Musik, Comedy und Satire, und alles auf der Hip-Hop-Schiene. Klar, dass ich den Typen unbedingt mal treffen musste! Und weil „Fifty Sven“ jetzt auch noch ein Solo-Album rausbringt, hab ich mich gleich mit ihm zum Interview verabredet.

Hey! Sag doch mal eben: Wer oder was genau ist „Fifty Sven“?

Er ist auf jeden Fall ein Alptraum für viele und ein King im Netz. Im Hip-Hop spricht man nur hinter vorgehaltener Hand über „Fifty Sven“, allenfalls jenseits der Szene.

„Jenseits der Szene“? Ich dachte, Du bist der neue Rapstar am deutschen Hip-Hop-Himmel!

Also, als realer Hip-Hopper muss man, glaube ich, jetzt mit „Ja“ antworten. „Fifty Sven“ kriegt aber nix von draußen mit, deswegen weiß er es nicht. Er ist wohl eher die Hölle für den Hip-Hop-Himmel, denn keiner hat ihn je in einem Text gebattled. Obwohl ihn jeder kennt. Haben wohl alle Schiss.

Ach, das kommt noch. Du hast ja gerade Dein erstes Album rausgebracht. Es hat den Titel „Botox“. Und? Aufgeregt?

Nein. „Fifty Sven“ hatte nie Bock, ein Album zu machen. Aber diese Mission musste irgendwie zuende gebracht werden. Das Album „Botox“ ist ein Abschiedsgeschenk an die „Fifty“-Fans. „Fifty Sven“ ist einfach wie ein Virus in der Szene. Man weiß nie, wann er kommt und geht. Aber im Netz ist er immer da und kann jederzeit ausbrechen. Jetzt, nachdem „Botox“ draußen ist, kommt aber die Zeit für „Fifty“, wieder zu gehen. Das ist Fakt!

Was erhoffst Du Dir von den Verkaufszahlen? Meinst Du, Platz 1 ist drin?

„Fifty“ gehört in keine Verkaufsrangliste! Wenn er auf Geld aus wäre, hätte er das Gegenteil von dem sein müssen, was er darstellt. Ihn kennen zwar viele, aber gekauft wird er nur von ganz, ganz harten Hunden, die keinen Gangsta-Rap als ProfilProthese brauchen, und davon gibt’s nur ganz wenig in Deutschland. Um mit Hip-Hop Geld zu verdienen, braucht man ein Management, Major-Plattenlabel, Werbung, Marketing, Geld, Drogen, ein riesiges Team, einen Mega-Plan und Bock darauf. Alles das hat „Fifty Sven“ nicht! Deswegen gibt es nur eine limitierte Auflage von 500 LPs. Und wenn die weg sind, gibt’s „Fifty“ nur noch im Netz.

Wie verliefen die Arbeiten zu dem Album?

Nichts lief wie geplant, weil „Fifty Sven“ nichts plant! Seine Hartz-IV-Kohle hat er in alle Internetvideoproduktionen der letzten Jahre verballert. Deswegen sieht er auch so aus, wie er aussieht! Die Produktion begann erst, als ihm durch Zufall ein Produzent im Urlaub auf der Insel Rügen über den Weg lief. „Fifty Sven“ musste wieder auf’m Bau malochen, um Kohle für Grafik, Internetseite und Shop zusammenzukratzen. Dann hat er die erste Album-Fassung komplett in die Tonne gekloppt und in zwei Wochen alles neu geschrieben, wieder bei einem anderen Produzenten. Im Grunde war die „Botox“-Produktion in der Endfassung ein Mega-Schnellschuss.

Wie kamst Du überhaupt auf die Idee, ein Solo-Album machen zu müssen?

Die Fans in den Foren und in „Youtube“-Kommentaren wollten das Album. Und „Fifty“ wollte die Sache zu Ende bringen. Wenn man das Album hört, weiß man, dass es ein Abschied ist und kein Anfang.

Welche Feature-Gäste sind dabei?

„Fifty“ braucht keine Feature-Gäste! Er macht die nach, die er braucht. Die namhaften Features haben eh alle abgesagt! Sie brüsten sich zwar damit, dass „Fifty“ sie angefragt hat, aber Farid Bang zum Beispiel hat einem Journalisten gegenüber gesagt: „Ein Feature mit ,Fifty Sven’? Nee... Der verarscht uns doch alle!“ Sido hat sich auch auf Twitter beschwert: „Der soll aufhören, deutschen Hip-Hop zu verarschen!“ Die Kings scheißen sich ein. Jeder Mann, der rappt, ist im tiefsten Herzen eine Pussy! Alle Rapper sind pathologische Labertaschen, die Schiss haben. Je lauter sie brüllen, je härter sie tun, desto mehr haben sie die Hose voll. Richtige Männer reden nicht! Die schlagen ohne Ankündigung zu!

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie ein Konzert von Dir aussehen würde, aber planst Du eine Tour?

Nein! Zwar gab es schon lukrative Auftrittsanfragen, aber das Album soll ein Abschieds-Statement bleiben. Fifty selbst ist ein „Phänomen im Netz“, eine „Terrorzelle des Hip-Hops“, die jederzeit zuschlagen könnte. Ein Hip-Hop-Terrorist kündigt seine Anschläge nicht an!

Hörst Du selber eigentlich Deutsch-Rap?

„Fifty Sven“ hat nie intensiv Rap gehört! Einzige Ausnahme war, als er Manager von „MC Rene“ war und dessen Album „Scheiß auf Euren Hip-Hop“ geschrieben hat.

Welche Künstler haben Dich geprägt?

„Fifty Sven“ ist von nichts geprägt! Ihn hat immer alles nur genervt oder belustigt. Er hat sich aber von „King Blade“ und „KKB“ inspirieren lassen, ansonsten parodiert er ja auch andere Stile! Auf dem Album hört Ihr Parodien von „Schwul Savas“ oder „Big Horst“ – ach, hört doch einfach selber und rätselt!

Vom Style her erinnert mich Dein Rap sehr an den von „Tony D.“ („Aggro Berlin“). Kennst Du den?

Nein. „Fifty Sven“ kennt „Spaiche“, ein Ex-Manager von „Sido“, und „BIG“ Boss von „Aggro Berlin“! Sie waren lange vor „Aggro Berlin“ zusammen B-Boys in Ostdeutschland. Dann hat „Fifty Sven“ lange Spaiches „Aggro“-Krämpel und „Halt Deine Fresse“-TV geschaut, aber die ganzen Hip-Hop-Deppen hat „Fifty Sven“ nie persönlich kennengelernt.

Möchtest Du mit Deinem Rap eigentlich irgendwas bewegen, oder dient das nur zur Unterhaltung?

Keine Sau will was mit Hip-Hop bewegen – außer sich selbst! Im Gangsta-Rap geht’s darum, seine Angst zu besiegen! Die Angst vor dem Stärkeren von nebenan. Es geht darum, sich abzuheben oder sich einfach nur auszukotzen! Und irgendwann geht’s nur noch um Kohle. Oder um die Hoffnung darauf. Die meisten Jungs, die rappen, sind doch zugedröhnt, fahren Filme und bekommen einen drogenbedingten Laberflash! Die fangen automatisch an zu rappen, weil Cannabis und Koks das Sprach- und Rhythmuszentrum im Hirn stimulieren. Aber viele Rapper glauben, sie wären das, was ihnen die Droge vorgaukelt. Drogenkonsum und Rap ist leider untrennbar und bildet zusammen die momentane Hip-Hop-Kultur! Das verbindet auch Rapper und Fans. Deswegen gehört „Fifty“ da nicht rein! Egal. Diss-Tracks gibt’s massig, aber wer wird schon mit seinen eigenen verarschten Lines und Styles geschlagen? Deutschland braucht mehr „Fifty Svens“, sonst wird’s langweilig. Aber der echte „Fifty Sven“ sagt jetzt goodbye!

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