Von Rebecca Göllner aus Holtrup - „Nein, ich bin nicht Claudia, sondern Rebecca!“ Wie oft ich diesen Satz in meinem Leben wohl schon sagen musste? Unzählige Mal. Warum? Ich habe eine Zwillingsschwester. Eineiig. Unsere DNS stimmt zu 100 Prozent überein. Es sind nur fünf Minuten, die uns trennen. In dem kleinen Ort, in dem wir aufgewachsen sind, waren wir sowas wie eine Sensation.

© Mediengruppe Kreiszeitung
Claudia und Rebecca.
Für Nachbarn und Freunde unserer Eltern ein echter Hingucker. Für Mama und Papa: Stress im Doppelpack. Fläschchen geben, Windeln wechseln und Schnuller suchen im Minutentakt. War die eine gerade abgefertigt, fing die andere mit dem Heulen an. Unsere Mutter erinnert sich noch heute mit Grausen. In der Grundschule ging es dann erst richtig los. Wir hatten nichts als Blödsinn im Kopf. Das obligatorische „Sitzplatz-wechsel-Dich“-Spiel war noch die harmloseste Aktion. „Selbst Schuld“, dachten wir uns, denn bis zur dritten Klasse malträtierten unsere Eltern uns damit, dass wir neben dem gleichen Haarschnitt auch noch die gleiche Kleidung tragen mussten. Rosa Cordhosen, weiße Rüschen-Blüschen – niemand konnte uns unterscheiden.
Heute kann ich sagen, dass es sowas wie ein Befreiungsschlag war. Es war an der Zeit, in unterschiedliche Leben einzutauchen. In Braunschweig kannte man mich nur als Rebecca und nicht als „die Zwillingsschwester von Claudia“. Jetzt lebt meine Schwester in Oldenburg, ich auf dem platten Land. Sie trägt ihre Haar kurz, ich lang. Alle paar Monate sehen wir uns, haben uns viel zu erzählen, und danach gehen wir wieder auseinander – als Freundinnen und Schwestern, die mehr als nur die identische DNS verbindet.
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