Die Zeit, in der deutschsprachige Musik Schlager oder Volksmusik bedeutete, ist lange vorbei. Clueso, Revolverheld, Philipp Poisel, Wir sind Helden – kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein nationaler Künstler in den Top-Ten ganz weit oben steht. Radiosender sprechen von „Liedermachern“ und „jungen Poeten“.

Sänger Tiemo Hauer istvam Freitag im Bremer Tower zu Gast.
Der 22-jährige Tiemo Hauer aus Stuttgart ist eins dieser Talente. Diesen Freitag ist er für ein Konzert im „Tower“ in Bremen. Ein guter Grund für chili-Volontärin Rebecca Göllner, dem Musiker mal ein paar Fragen zu stellen.
Tiemo, was hat sich seit Deiner ersten Single „Ehrlich glücklich“ 2009 bis jetzt alles getan?
Ich hab unglaublich viel gelernt. Anfangs war ich noch sehr unsicher, was wichtige Entscheidungen anging. Ich bin mit meiner Single zu einem großen Label gegangen, hab aber schnell gemerkt, dass die kommerziellen Wege einer so großen Firma nicht mit meiner Vorstellung von Musik vereinbar sind. Ich habe durch die Unterstützung der Leute in meinem Umfeld gelernt, mehr auf meine eigene Kraft und mein Talent zu vertrauen. Und zu differenzieren, wem man vertrauen kann und wem nicht. So kam es, dass ich mein Album auf einem eigenen kleinen Label veröffentlicht habe. Das gab mir die Möglichkeit, freiere Entscheidungen zu treffen und mich nicht der Maschinerie der großen Labels unterordnen zu müssen.
Seit der Veröffentlichung Deines Albums „Losgelassen“ startest Du richtig durch. Wie fühlt sich das an?
Großartig. Live bekommst Du hautnah mit, ob Du Dein Publikum bewegen kannst oder nicht. Nur ein Konzert gibt Dir die Möglichkeit, zu beweisen, dass Du wirklich Musiker bist. Die Veröffentlichung meines ersten Albums war ein riesengroßes Ding für mich. Aber ich halte mich nicht gerne lange an einem Punkt auf. Ich stecke grad in der Produktion des zweiten Albums, das ich Mitte des Jahres veröffentliche.
Hast Du mit diesem Erfolg gerechnet?
Ich bin ein Moment-Mensch, der nicht in die Zukunft schaut. Ich lasse alles auf mich zukommen und versuche, jeden Tag zu leben. Ich habe daher gar nicht drüber nachgedacht, ob oder wie erfolgreich ich sein werde. Ich mache Musik, weil sie aus mir rauskommt. Ich kann damit Gefühle verarbeiten. Der Erfolg bedeutet mir daher unglaublich viel, weil er mir zeigt, dass meine Musik nicht nur mir selbst hilft, sondern auch anderen ein gutes Gefühl geben kann.
Gerade bist Du auf Tour. Welches Fan-Erlebnis ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Deutschsprachige Musik ist gerade wieder stark im Kommen. Besteht ein Konkurrenzdenken zwischen Euch Musikern oder inspiriert Ihr Euch gegenseitig?
Konkurrenzdenken ist nirgends so fehl am Platz wie in der Musik. Musik soll bewegen, ein gutes Gefühl geben. Philipp Poisel beispielsweise ist ein großartiger Songwriter und Sänger. Auch Clueso beeindruckt mich mit seiner Arbeit. Natürlich schicken große Plattenfirmen ihre Schützlinge mit riesen Marketing-Budgets ins Rennen. Ich hoffe aber, dass auch die Künstler, deren Musik von Herzen kommt, weiter die Möglichkeit haben, Songs zu schreiben, die uns bewegen.
Wo holst Du Dir Deine Inspiration?
Ich schreibe auf, was ich oder Freunde erleben. Und alles, was mich beschäftigt. Ich setze mich einfach ans Klavier und spiele, was aus mir rauskommt, und so ist es auch mit den Texten.
Wir sind ja eine Jugendredaktion, und viele von unseren Lesern wünschen sich eine ähnliche Karriere wie Deine. Hast Du ein paar Tipps?
Ich denke, ich bin nicht der Richtige, um Tipps für eine große Karriere zu geben. Ich kann nur sagen, auf was ich Wert lege: Man muss ehrlich sein, darf sich nicht verkaufen und muss das tun, was einen am meisten bewegt.
Ina Müller meinte bei Deinem Auftritt in ihrer Late-Night-Show „Inas Nacht“, Du könntest ja auch locker in Paris auf dem Laufsteg mitlaufen. Kannst Du Dir sowas vorstellen?
Nein. Ich hab genau aus diesem Grund auch kein riesiges Foto von mir aufs Cover meines ersten Albums gepackt. Mein Herz gehört der Musik.
Rebecca Göllner aus Holtrup
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