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Oberflächlicher Modetrend oder ein Statement mit Hintergrund? Was sagen all diese Symbole, die wir tragen, heute noch aus?

Auf der Suche nach einer Bedeutung

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Von Niklas Kirsch (19 Jahre) aus Langwedel - Beurteilen wir Menschen anhand ihrer Kleidung? Na klar! Da steht ein bulliger Typ an der Ecke mit Bomberjacke, Springerstiefeln, womöglich noch mit einer Glatze. Rechte Schublade auf, rein damit, fertig.

© Mediengruppe Kreiszeitung

Niklas Kirsch (19 Jahre) aus Langwedel.

So laufen viele unserer Begegnungen in unseren Köpfen ab. Aber kann man Leute wirklich noch nach ihrer Kleidung beurteilen? Passt jeder in die von uns für ihn vorgesehene Schublade im „politischen Kleiderschrank“?

Sicher, es gibt genug Leute, die ihre Klamotten tragen, um eine politische Aussage damit zu machen. Vielleicht ist der Glatzkopf mit der Bomberjacke wirklich der rechten Politik zugewandt. Und vielleicht will eine junge Frau, die mit ihrem Palästinensertuch im Café sitzt, wirklich ihre Solidarität mit diesem Volk ausdrücken. Viele solcher Symbole laufen uns ständig über den Weg. Und wir denken oft schon automatisch, dass sie wohl das ausdrücken sollen, was wir von ihnen erwarten. Wenn ich beispielsweise jemanden sehe, der rote Sterne und Sicheln auf den Rucksack genäht hat, dann fällt es mir schwer, nicht zu vermuten, dass dieser Mensch der kommunistischen Politik anhängt. Und genauso schwer fällt es mir, auf einen bulligen Typen mit Glatze und Bomberjacke zuzugehen und ihn zu fragen, ob er die Kleidung schick findet oder tatsächlich ein „echter Patriot“ ist. Da packe ich ihn lieber gleich im politischen Kleiderschrank in die Schublade „rechts“ und beachte ihn nicht weiter. Es liegt also wohl in der Natur des Menschen, nicht zu fragen, sondern einfach die Schublade aufzumachen und sein Gegenüber dort abzulegen. Das ist leicht, und man muss nicht nachdenken. Aber eigentlich wissen wir nicht, ob wir mit unserer Einschätzung richtig liegen, und wenn wir den betreffenden Menschen nicht zu dem Thema befragen, werden wir es auch nicht erfahren. Ich finde, wir sollten uns bewusst machen, dass es mehr und mehr Leute gibt, die Symbole oder Kleidung tragen, die früher was bedeutet haben – zum Beispiel ein politisches Statement, ein Zeichen ihrer Glaubensrichtung oder Volkszugehörigkeit, die Zuordnung zu einer Szene – die heute aber nur noch als modische Accessoires gelten. Seien wir doch mal ehrlich: Das allgemeine Interesse von jungen Menschen an Politik hat seit den 1960-ern eher abgenommen. Nicht jede junge Frau mit einem Kreuzanhänger will heute noch Nonne werden oder gehört der CDU an. Und ein Palästinensertuch macht noch lange keinen islamistischen Fanatiker.

Sicherlich gibt es aber auch Zeichen, die derart speziell sind, dass man davon ausgehen muss, dass der Betreffende sie mit voller Absicht trägt. Der Schriftzug „Consdaple“ unter einem Adler bedeutet ziemlich sicher die Zugehörigkeit zu einer rechtsradikalen Gruppierung. Natürlich kann es auch hier passieren, dass der Träger keine Ahnung davon hat, aber das ist eher unwahrscheinlich. Die meisten wissen, dass in dem Logo der Name einer verbotenen Partei enthalten ist. Aber trotz einiger Ausnahmen: Ich denke, dass sich viele Menschen aufgrund ihrer Kleidung sicherlich einfach und vielleicht auch zu Recht in eine politische Schublade stecken lassen – trotzdem sollten wir aufgeschlossen bleiben. Denn oft genug trügt der erste Blick.

Die Aids-Schleife („Red Ribbon“)

Marei-Christine Bartels (18 Jahre) aus Langwedel und Melanie Kuschfeldt (18 Jahre) aus Achim

Schön rot und schick ist sie: Die Schleife ist das Zeichen für den „Welt-Aids-Tag“ und außerdem weltweit ein bekanntes Symbol für Verbundenheit mit dem Schicksal von Menschen, die den HI-Virus in sich tragen. 1991 wurde die rote Schleife (im Englischen heißt sie „Red Ribbon“) von einer New Yorker Künstlergruppe namens „Visual AIDS“ als Reaktion auf die allerersten Todesfälle durch den HI-Virus geschaffen. Die US-amerikanische Tradition, eine Stoffschleife um einen Baum zu wickeln, um damit die Zuneigung und Liebe zu einem entfernten Menschen zu zeigen, war der Grundbaustein zu dieser Idee. Die „Aids-Schleife“ sieht man in bestimmten Gruppen zwar sehr oft (zum Beispiel in der Schwulen-Szene) – als modisches Accessoire wird sie allerdings so gut wie nie getragen. Wer sie anheftet, der weiß, worum es geht. Sie soll Solidarität mit den Betroffenen, ihrer Trauer und ihrem Leiden zum Ausdruck bringen. Und der, der sie trägt, zeigt, dass er das Thema Aids nicht als Tabu oder einen Grund für Ausgrenzung sieht, dass er mitfühlt, aufgeklärt und hilfsbereit ist und die Aids-Hilfe unterstützt. Die Schleife ist und bleibt ein einfaches, aber aussagekräftiges Zeichen. Marei-Christine Bartels (18 Jahre) aus Langwedel und Melanie Kuschfeldt (18 Jahre) aus Achim

Das Palästinensertuch

© Mediengruppe KreiszeitungLeo Lüdemann (18 Jahre) aus Verden.

Jeder kennt es. Das Palästinensertuch ist ein weltbekanntes Stück Stoff mit einer langen Geschichte. Ursprünglich stammt das schwarz-weiße Tuch aus Kufa, das ist eine Stadt im Irak. Es wurde von Beduinen und Bauern als Schutz vor der Sonne und gegen Wüstenstürme getragen. Die „Kufiya“ – so wurde das Tuch genannt – verbreitete sich schnell im arabischen Raum. Und irgendwann bekam sie eine politische Bedeutung. Sie wurde 1936 beim großen arabischen Aufstand als Zeichen der Verbundenheit getragen. Und durch den Nahostkonflikt in Palästina war es bald als „Palästinensertuch“ bekannt. In Deutschland wurde das Tuch im Studentenprotest der 68er entdeckt. Die „Kufiya“ als Zeichen des Unabhängigkeitskampfs von Palästina wurde hier getragen, um Solidarität mit den Palästinensern zu zeigen, aber auch, um sich einer alternativen und politisch linken Szene zuzuordnen. Aber inzwischen ist das „Pali-Tuch“ ein weltbekanntes Accessoire der Modebranche und wird seit den 90ern sogar von rechten Neonazis benutzt. Das schwarz-weiße Tuch wird bei uns nicht auf dem Kopf, sondern diagonal gefaltet und um den Hals getragen. Aber in der Jugendkultur wird es in den letzten Jahren eigentlich größtenteils nicht mehr als Freiheitssymbol oder politisches Statement gesehen, sondern einfach nur umgebunden, weil es grad angesagt ist und auch Promis es tragen. Das finde ich bedenklich, denn das Tuch ist keine Mode, die aus dem Nichts auftaucht und schnell wieder verschwindet. Es ist ein starkes Symbol der Geschichte und ein wichtiges Merkmal der arabischen Kultur. Leo Lüdemann (18 Jahre) aus Verden

Die „Anti-Atomkraft“-Sonne

© Mediengruppe KreiszeitungLea Stehmeier (18 Jahre) aus Fischerhude und Pia Christin True (17 Jahre) aus Martfeld.

Der Auslöser war die Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl 1986. Das Kernkraftwerk in der ukrainischen Stadt wurde völlig zerstört, die Radioaktivität verseuchte ganze Landstriche und kostete viele Menschenleben. Bis heute gibt es noch Folgeschäden. 25 Jahre später kam es zu einer ähnlichen Katastrophe: Am 11. März 2011 in Fukushima (Japan). Auch bei uns in Deutschland demonstrierten daraufhin viele Leute gegen Atomkraft. Und dieses Logo tauchte wieder auf: Eine rote Sonne auf gelbem Hintergrund mit dem Slogan „Atomkraft? Nein Danke!“ Erfunden hat das Logo eine damals 22-jährige Studentin aus Dänemark. Sie zeichnete das Bild 1975 mit einem orangenen Wachsmalstift, und es verbreitete sich wie ein Lauffeuer in andere Länder. Die Sonne steht für eine Alternative zur Atomkraft – Solarenergie. Jeder, der seitdem diesen Aufkleber oder Button trägt, zeigt damit sein Umweltbewusstsein und seine politische Einstellung: Schaltet die Atommeiler ab, setzt auf erneuerbare Energien! Die verstrahlen uns nicht. Viele in unserem Alter haben die Katastrophe in Fukushima verfolgt und waren an den Protest-Aktionen beteiligt. Dadurch wuchs auch das politische Interesse und der Wunsch, mehr über das Thema zu erfahren. Wir selber tragen das „Atomkraft? Nein danke!“-Logo nicht. Aber wir finden es trotzdem gut, dass es so viele wieder benutzen, um sich gegen Atomkraft einzusetzen. Lea Stehmeier (18 Jahre) aus Fischerhude und Pia Christin True (17 Jahre) aus Martfeld

Die Kreuz-Kette

© Mediengruppe KreiszeitungMarc Stehr (15 Jahre) aus Syke.

Viele in unserem Alter tragen es, aber ich glaube, die wenigsten denken wirklich darüber nach, was es bedeutet: Das Kreuz als Halskette. Es soll den Opfertod Christi, aber auch die Verbundenheit zwischen der Erde und den Mitmenschen darstellen. Früher hätte sich niemals jemand getraut, dieses Kreuz zu tragen, der nicht fest von seinem Glauben überzeugt ist. Heute dient es als Schmuck. Jedes Kind bekommt nach der Taufe so ein Halsband geschenkt. Da sind die wenigsten schon in einem Alter, in dem sie selbst über ihren Glauben entscheiden können. Zur Konfirmation oder Kommunion gibt’s dann wieder eine Kreuz-Kette. Diesmal, so war es zumindest bei mir, sah sie dann aber schon schicker aus und moderner. Für viele in unserem Alter hat das Kreuz anscheinend Style, aber keine Bedeutung. Ich finde es zum Beispiel schade, dass die meisten Pastoren solche Ketten einfach mit dem Konfirmationsspruch überreichen, ohne noch mal hervorzuheben, was dadurch wirklich ganz genau symbolisiert wird. Ich finde, dann brauchen sie sich auch nicht zu wundern, wenn solche Ketten zu Geburtstagen an Freunde verschenkt werden, die oft bekennende Atheisten sind, aber trotzdem diesen „coolen“ Halsschmuck tragen. Marc Stehr (15 Jahre) aus Syke

Die Friedens-Zeichen

© Mediengruppe KreiszeitungChristian Toppe (19 Jahre) aus Diepholz.

Ein Strich, von dem zwei Balken abgehen und ein Kreis drumrum?! Als der englische Stoffdesigner Gerald Holm 1958 seine Idee von einem Zeichen für die Atomkraftgegner präsentierte, wussten bestimmt ganz viele nicht, was das soll. Die Erklärung: Es sind Buchstaben aus dem militärischen Flaggenalphabet der Marine. Das N steht für „nuclear“ und das D für „disarmament“ (Abrüstung). Schön finde ich dieses Zeichen ja nicht. Sehr originell auch nicht. Und ich würde es trotz seiner guten Bedeutung nicht tragen. Aber bei den Demonstranten damals schlug es ein und wurde zum bekanntesten Symbol für den Frieden. Das Logo mit der weißen Friedenstaube auf blauem Grund (das übrigens einen biblischen Ursprung hat) ist aus meiner Sicht cooler. Und dann gibt’s noch ein Symbol, das für den Frieden steht: Die Pace-Fahne, die der italienische Pazifisten Aldo Capitini 1961 für den Friedensmarsch Perugia-Assisi entworfen hat. „Pace“ heißt Frieden, und die Farben symbolisieren den Regenbogen. Die Flagge sieht man heute auch noch oft – wenn zum Beispiel gegen Krieg demonstriert wird. Aber auch beim Christopher-Street-Day! Die Schwulen haben die Flagge nämlich ebenfalls zu ihrem Symbol gemacht – die Regenbogenfarben sollen Vielfalt und Toleranz darstellen. Christian Toppe (19 Jahre) aus Diepholz

Das Hakenkreuz

© Mediengruppe KreiszeitungAkki Möller (16 Jahre) aus Weyhe.

Was wohl die wenigsten von Euch wissen: Das Kreuz mit den vier Haken haben nicht Hitler und seine Schergen erfunden. Es hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung: In asiatischen Kulturen ist die „Swastika“ seit mehr als 5.000 Jahren bekannt. Ein uraltes Symbol, das meist als Glücksbringer benutzt wurde. In Japan ist es auf vielen Buddha-Statuen zu sehen. Und Buddhisten und Nazis haben ja nun wirklich gar nichts gemeinsam! Als Symbol hat das Hakenkreuz eine starke Wirkung – auch heute noch. Bei uns in Europa aber keine gute. Es ist sogar verboten. Wer sich ein Hakenkreuz einrasiert oder als Sticker trägt, der tut das, weil er rechtsradikal ist. Kein anderer Grund ist möglich. Zu modischen Zwecken oder aus Unwissenheit kann sowas nicht getragen werden – auch nicht 100 Jahre nach der Nazizeit! Akki Möller (16 Jahre) aus Weyhe

Die Frisur

© Mediengruppe KreiszeitungAlicia Lucks (18 Jahre) aus Langwedel.

Auch wenn sich fast jedes Mädchen schon mal die Haare gefärbt und viele Jungs sich den Kopf rasiert haben: Es ist schon noch so, dass sich Leute auf eine bestimmte Weise stylen, um eine politische Einstellung auszudrücken. Zum Beispiel Punks, die zeigen wollen, dass sie den Linken angehören und sich von der Gesellschaft und ihren Gesetzen abgrenzen wollen. Und natürlich Skinheads, die demonstrieren, dass sie dem rechten Lager angehören. Aber nur die Frisur alleine ist kein sicherer Beweis mehr dafür, welcher politischen Szene jemand sich zuordnen will. Der Fußballer Marco Reus ist ganz bestimmt kein linker Punk, und der Basketballer Kobe Bryant will mit seiner Glatze garantiert keinen Fremdenhass schüren. Politische Gesinnung drückt man eher aus, indem man eine auffällige Frisur mit szenetypischer Kleidung und Accessoires wie Aufnähern an der Jacke unterstreicht. Was die Haare angeht, gibt es inzwischen einfach zu viele, die entweder nur dem Trend nachgehen, ihren eigenen Stil suchen oder gefunden haben. Ich persönlich habe auch meinen eigenen Stil, weil ich mich von der Masse abheben will und nicht aussehen will wie jeder! Aber was Politisches will ich damit nicht ausdrücken.

Alicia Lucks (18 Jahre) aus Langwedel

Der Ring am Finger

© Mediengruppe KreiszeitungTalia Göbbert (15 Jahre) aus Weyhe.

Für unsere Großeltern gab es nur eine Erklärung, wenn man was Glitzerndes am Ringfinger trug: Man war verheiratet oder verlobt! Altmodisch – das ist heute längst nicht mehr so! Ringe sind Accessoires, die viele mal tragen, aber sie haben nicht mehr viel zu bedeuten. Egal, wo sie getragen werden. Und von wem. Talia Göbbert (15 Jahre) aus Weyhe

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