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Nico Stubbe macht sich Gedanken: Wie finden Jugendliche den Zugang zur Politik?

Mut zum selbstständigen Denken

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„Wir waren in Eurem Alter ja viel politischer.“ Habt Ihr diesen Vorwurf auch schon so oft gehört? Von Lehrern, Eltern, Großeltern oder einfach von irgendwelchen älteren Leuten, die sich an der Bushaltestelle über „die Jugend von heute“ aufregen?

© Mediengruppe Kreiszeitung

Nico Stubbe aus Bassum.

 Ich schon. Und ich glaube schon, dass das, was sie sagen, stimmt. Als sie jung waren, passierten einfach viele Dinge, die unter Jugendlichen eine heftige Protest-Welle auslösten. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen, die Atombombe auf Hiroshima, die RAF, der nukleare Unfall im Kernkraftwerk in Tschernobyl, die Berliner Mauer und die deutsche Teilung im Allgemeinen...

Und heute? Gibt es immer noch Kriege, Katastrophen und Kritik an der Politik. Aber alles drumherum ist irgendwie komplizierter geworden. Wie findet ein junger Mensch heutzutage Zugang zur Politik? Können wir die Politik überhaupt noch begreifen in einer Welt, die offensichtlich immer komplexer und größer wird? Und wenn ja – gelten wir überhaupt irgendwas im Staat, oder verzichtet man auf unsere Meinung? Und damit: Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert, im Jahr 2012! Eine Zeit, die offenbar mehr Fragen aufwirft als sie Antworten gibt. Was bisher geschah: Das junge Volk geht wieder auf die Straße. Ja, das gibt’s auch heute noch. Die Protestierenden waren aber im letzten Jahr nicht ausschließlich linksautonome oder rechtsradikale „Unruhestifter“, wie in vielen Jahren davor.

Nein. Alle möglichen Teenager und jungen Erwachsenen – aus allen Schichten, auch aus der politischen Mitte – wurden aufmüpfig. Gegen Bahnhöfe, gegen Diktatoren, gegen Castor-Transporte, gegen Atomkraft, gegen ein verbrecherisches Regime, gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise, für mehr Freiheit. Als „Generation dagegen“ kann man unsere Generation trotzdem nicht bezeichnen. Und auch diese großen, bekannten Anführer einer Protestbewegung, wie beispielsweise Rudi Dutschke in den 1960er Jahren, gibt es in unserem Alter nicht mehr. Es ist schwierig geworden, als Einzelner mit Persönlichkeit, Redegewandtheit, Charisma oder großem Wissen aus einer Protestgruppe herauszustechen. Wir leben in einer Informationsgesellschaft.

Nichts scheint mehr neu, fast alles ist schon gesagt. Und so mancher empfindet es als praktisch, die Wahrheiten und Weisheiten aus dem Mund von anderen nachzusprechen. Die oberflächliche Information im Internet und in Massenmedien nehmen einen großen Einfluss auf unsere Meinungsbildung, aber auch insgesamt auf die politische Themensetzung, aufs Agenda-Setting und teilweise sogar auf Personalentscheidungen in den Fraktionen. Sowohl Immanuel Kant als auch mir persönlich fällt auf eine derartige Bevormundung und das stumpfe Wiederkäuen von vorformuliertem Denken nur ein Appell an jeden einzelnen ein: „Hab Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Nico Stubbe (18 Jahre) aus Bassum

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