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Ein Augenblick in meinem Leben: Die große Kunst der kleinen Freuden

Die große Kunst der kleinen Freuden

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Syke – Schon während meines Erasmus-Semesters in Spanien galten Lieke und Emma als unzertrennlich. Bereits ab März konnte man die beiden Niederländerinnen damals fast jeden Tag dabei beobachten, wie sie sich am Strand den ersten Sonnenstrahlen aussetzten.

Vielleicht waren sie deshalb immer so gut drauf, mit Sicherheit haben sie deshalb irgendwann ab Mitte Mai die Hautfarbe arabischer Stoffhändler angenommen. In meiner latenten deutschen Grimmigkeit kam mir die oft grundlose gute Laune ein wenig verdächtig vor. Trotzdem freundeten wir uns an und lagen einen halben Sommer lang auf unseren mitteleuropäischen Strandtüchern nebeneinander im spanischen Sand. Manchmal spielte Lieke, eine semiprofessionelle Tennisspielerin, Strandball mit den Deutschen. Ihre Abreise fiel auf meinen 23. Geburtstag, das betrübte mich damals irgendwie. Vermutlich war ich auf einer Art passivem Glücksentzug. In der darauffolgenden Zeit dachte ich manchmal an Liekes und Emmas Unbeschwertheit, und es erfüllte mich mit Freude. Als sie mich vor Kurzem besuchen kamen, war es fast wie früher – nur besser. „Ihr habt Euch gar nicht verändert – nur weniger braun!“, sage ich zu den beiden, nachdem sie ihre Koffer in meinem Zimmer abgestellt haben. Sie lächeln. Wir gehen zum Vietnamesen um die Ecke, feiern ihre Ankunft mit einem Glas Ingwerlimonade und unterhalten uns über all das, was in den letzten anderthalb Jahren alles los war. Lieke ist in ihrer neuen Beziehung mit einem bolivischen Handwerker glücklich, Emma kellnert und spart für ihre Rückkehr nach Valencia. Und sonst ist eigentlich nicht viel passiert, jedenfalls objektiv gesehen viel weniger als bei mir. Beide wirken entspannt und zuversichtlich. Ich frage mich, woher diese innere Ruhe nur kommt. In den nächsten Tagen werden wir zusammen ins Kino gehen, eine mexikanische Bar besuchen und in meinem Lieblingsbrunchcafé frühstücken. Ich lache so viel, wie seit Ewigkeiten nicht mehr, und irgendwann wird mir klar, wieso die beiden so glücklich sind: Sie freuen sich an den Kleinigkeiten des Lebens. Eine Kleinigkeit, könnte man meinen, und doch eine Kunst.

Agata Waleczek (24 Jahre) aus Syke

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