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Janine Koch kennt den Urwald nicht aus dem Trash-TV. Sie hat ihre Dschungelprüfung im wahren Leben bestanden – im afrikanischen Regenwald-Reservat ...

Die Elefanten haben meine Unterwäsche geklaut!

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In Zeiten des Dschungel-Camps auf RTL, in dem Z-Promis sich zum Affen machen, ist es schwer, über Urwälder zu schreiben oder zu sprechen, ohne einen dummen Spruch zu hören. Aber neben all diesem TV-Trash gibt es auch Geschichten aus dem afrikanischen Urwald, über die sich das Berichten lohnt.

Janine Koch kennt den Urwald nicht aus dem Trash-TV. Sie hat ihre Dschungelprüfung im wahren Leben bestanden – im afrikanischen Regenwald-Reservat Dzanga-Sangha.

Über Janine Koch zum Beispiel, die im wahren Leben ihre Dschungelprüfung mit Bravour bestanden hat.

Die Biologiestudentin reiste 2009 zum ersten Mal ins bedrohte Dzanga-Sangha Regenwald-Reservat. Mit zwei anderen Studenten arbeitete sie dort zwei Wochen lang als Botschafterin einer Jugend-Expedition. „Ich hatte im WWF-Newsletter gelesen, dass junge Leute gesucht werden, die Jugendlichen den Urwald näherbringen“, erzählt Janine. Nach einem „Casting Camp“ und elf Flugstunden später fanden sich die drei am Kameruner Flughafen Yaoundé wieder. „Das war wie im Film. Ich brauchte erst mal eine Weile, um alles zu realisieren“, erinnert sich Janine.

Erst am zweiten Tag, als es mit einer kleinen Propeller-Maschine direkt in den Nationalpark und raus aus der Zivilisation ging, wurde ihr das Projekt Afrika bewusst. „Im Gegensatz zur brütenden Hitze in Kamerun kann man das Klima im Urwald gut aushalten“, fand Janine. Das war auch wichtig, denn die drei Jugendbotschafter hatten ja eine Mission zu erledigen: Jeden Tag in Texten, Bildern und Videos für einen Blog berichten. Mal aus der Gorilla-Station, mal aus dem Elefantencamp oder von den sogenannten „Öko-Guards“. „Von denen haben wir viel über die Tiere gelernt – natürlich auch, wie man sich verhält, wenn man ihnen begegnet“, sagt Janine.

Der erste Stopp der Expedition war ein kleines Fischerdorf, mit dessen Bewohnern sich die Studentin in kleinen Holzbooten zum Angel-Abenteuer aufmachte. „In diese Boote stecken die Afrikaner viel Arbeit“, weiß sie. „Sie werden aus großen Holzstämmen hergestellt. Ich hab auch mal eine Axt in die Hand genommen und mich dran versucht, war aber nach wenigen Schlägen schon total erschöpft.“

Die nächsten Ziele waren – wie jeder Tag – eine Überraschung: „Plötzlich fanden wir uns mitten im Sumpf wieder. Stundenlang sind wir durch das schlammige Gebiet gewandert und immer wieder eingesunken. Nach einer halben Ewigkeit waren wir dann da.“ Und was sie dort sah, geht Janine bis heute nicht aus dem Kopf: Auf einer riesigen Lichtung stand eine Herde Elefanten. Janine vergaß all die Schürfwunden, mit denen sie nach dem Marsch übersät war, genauso wie den Dreck, der am ganzen Körper klebte. „Ich war so ergriffen, dass ich die Erschöpfung nicht mehr merkte“, beschreibt sie den Moment. „Wir haben dann auf einem Hochsitz übernachtet und uns von den Elefanten in den Schlaf trompeten lassen.“

Die Biostudentin war fasziniert von den Tieren. Sie wusste allerdings nicht, dass die Nachfahren der Mammuts auf alles stehen, was parfümiert ist. Besonders auf frisch gewaschene Wäsche. „Elefanten lieben diesen Geruch. Sie haben die Unterwäsche einfach aufgefressen. Nach einigen Tagen haben wir eine Unterhose in einem Kothaufen wiedergefunden. Meine Freundin hat sie sogar behalten – als Erinnerungsstück sozusagen.“

Angst hatte die Studentin im Urwald nicht. Nicht mal, als ein großer Gorilla vor der Gruppe stand oder Wilderer ganz in ihrer Nähe Jagd auf Tiere machten. „Auf gar keinen Fall darf man vor Gorillas weglaufen“, weiß Janine. Die Guards schlugen mit ihren Macheten auf den Boden, um den Tieren zu zeigen, wer der Boss ist. Aber „es ist schon ganz anders als im Zoo, wo noch ein Zaun zwischen Tieren und Menschen ist“, meint Janine.

Was aber je dem Dschungel-Reisenden klar sein sollte: Als Weißer fällt man dort auf. „Ich wurde oft nach Geld gefragt, manchmal auch so lange festgehalten, bis ich welches rausrückte“, erinnert sie sich. Davon dürfe man sich aber nicht einschüchtern lassen.

All ihre Erlebnisse haben Janine auch in Deutschland nicht mehr losgelassen, so dass sie sich entschied, ein zweites Mal nach Afrika zu reisen. Im Alleingang flog sie letztes Jahr nach Kamerun und traf im Lobeke-Nationalpark auf Julia. Eine Doktorandin aus Süddeutschland, die dort für einige Zeit zu Forschungszwecken lebte. Janine unterstützte sie zwei Monate lang dabei. Die beiden Deutschen wollten herausfinden, warum es große Säugetiere immer wieder zu Lichtungen zieht. Also beobachteten sie die Tiere.

Besonders die 13 Grau-Papageien, die einen Angriff von Wilderern überlebt hatten, schloss Janine ins Herz. Die restlichen 250 Papageien, die in dem Netz gefangen waren, starben qualvoll. Deshalb sei es ihr und Julia wichtig gewesen, die Überlebenden wieder gesund zu pflegen. Sie fütterten sie mit Früchten, und nach einiger Zeit hätten die Vögel die Scheu vor ihnen verloren.

Auch den Container mit der Ausrüstung für die „Öko-Guards“, der von Deutschland nach Afrika verschifft wurde, schaute Janine sich vor Ort an. Denn die Ausrüstung wurde durch die Spendengelder finanziert, die damals durch das WWF-Blogprojekt zusammenkamen.

Janine selbst hat nach ihrer Rückkehr Vorträge gehalten, bei denen ebenfalls gespendet wurde. Immerhin 15.000 Euro kamen über verschiedene Kanäle für die Ausrüstung der „Öko-Guards“ zusammen.

Besonders beeindruckend fand Janine auch den Besuch von großen Holzfällanlagen. „Das ist schon erschreckend, wenn riesengroße Stämme hineingeschoben werden und winzig klein hinten wieder raus kommen“, meint sie. Dieser Anblick hätte ihr auch noch mal bewusst gemacht, wie wichtig der nachhaltige Umgang mit Rohstoffen ist. „Man muss zum Beispiel keinen Coffee-to-go aus Pappbechern trinken. Ganz allgemein finde ich, sollte man auf die Nutzung von Tropenholz verzichten.“

Jetzt, wo sie zurück in Deutschland ist, achtet Janine ganz genau darauf, welche Materialien sie verwendet. Nach ihrem Bachelorstudium möchte sie deshalb gerne weiterhin etwas für den Naturschutz tun. „Ich möchte Umweltaufklärung betreiben“, sagt Janine, „und Kindern und Jugendlichen zeigen, wie kostbar unsere Welt ist.“

Rebecca Göllner aus Holtrup

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