Domherrenhaus bietet zum Weltkindertag besondere Führungen an

„Was da alles hängen bleibt“

Für Adalbert Meyer aus Holtebüttel (r.) ist Plattdeutsch die Muttersprache. Hochdeutsch habe er erst in der Schule gelernt, erzählte er und berichtete den Kindern, wie es dort in seiner Kindheit zuging. - Fotos: Preuß

Verden - Wie lebten die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert? Was spielten Kinder damals? Und in welcher Sprache unterhielten sie sich? Antworten auf diese Fragen gab es gestern Vormittag im Domherrenhaus.

Museumspädagogin Julia Nehus, unterstützt von Laura Popleu, hatte den Weltkindertag zum Anlass genommen, Kindergartenkinder und Grundschüler in die historischen Gemäuer einzuladen. 50 Plätze standen zur Verfügung, den Zuschlag erhielten eine Gruppe der Kita St. Josef und die 3a vom Lönsweg mit Klassenlehrer Malte Schallhöfer.

„Es ist immer gut, mal aus der Schule rauszugehen“, begründete der Pädagoge die Teilnahme seiner Klasse an der Sonderführung. Zum aktuellen Sachkunde-Thema, dem Klärwerk, passe die Ausstellung zwar nicht, räumte Schallhöfer schmunzelnd ein. Doch die Verdener Stadtgeschichte werde auch noch behandelt. „Und dann wundert man sich, was von solchen Besuchen hängen bleibt“, sagte der erfahrene Lehrer.

Außerdem hätten die Schüler die Gelegenheit, ein Original zu treffen, „einen Native Speaker“, sagte Schallhöfer und wies auf Adalbert Meyer hin. Der Holtebüttler hatte neben dem großen Ofen im Erdgeschoss Platz genommen, um mit den Kindern Platt zu schnacken. Das Niederdeutsche ist für Meyer tatsächlich die Muttersprache. Hochdeutsch, so erzählte er, habe er erst in der Schule gelernt.

Julia Nehus führte die Mädchen und Jungen durch die Museumsräume, in denen auch das Labor einer Apotheke ausgestellt ist.

Aus dieser Schulzeit auf dem Dorf, als es nur eine Klasse mit 45 Kindern gab, berichtete er den Jungen und Mädchen nun. Die wiederum hörten aufmerksam zu und schafften es sogar, das Gesagte ins Hochdeutsche zu übersetzen. „Ich hab’ alles verstanden“, betonte Jonas stolz. Bei ihm daheim spreche die Uroma noch platt, verriet der Drittklässler, woher seine „Fremdsprachen“-Kenntnisse stammten.

Weil der internationale Gedenktag unter dem Motto „Kindern ein Zuhause geben“ stand, lag es auf der Hand, mit den jungen Besuchern auch über die Stadt Verden als ihre Heimat und über das einst gar nicht so kindgerechte Wohnen im Domherrenhaus zu sprechen. Denn wildes Herumtollen in der sogenannten Beletage, dem edel möblierten Obergeschoss, war sicher zu Zeiten von Christoph Hermann von der Schulenburg nicht gern gesehen. Der Landadelige residierte Anfang des 18. Jahrhunderts in dem Fachwerkgebäude an der Unteren Straße.

Gestern jedoch war Toben erlaubt. Im Anschluss an Plattdeutsch-Stunde und Führung durften die jungen Gäste spielen wie früher. Puppengeschirr, Bauklötze, Steckenpferde und hölzerne Hula-Hoop-Reifen waren schnell in Beschlag genommnen. Und wer wollte, durfte sich einen Teebeutel nach Geschmack füllen. Nur ein Wunsch der Kinder ging gestern nicht in Erfüllung. Zu gerne hätten sie den Museumsgeist vom Dachboden kennengelernt, von dem Julia Nehus berichtet hatte. Doch der wollte offensichtlich seine Ruhe haben und ließ sich einfach nicht blicken.  J kp

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