Klimawandel: Folgen von Trockenheit bereits sichtbar

Waldbäume im Stress

+
Selbst die eigentlich immergrünen Kiefern werfen ihre Nadeln ab. 

Landkreis Verden - Die Bäume in unseren Wäldern haben zunehmend mit Trockenstress zu kämpfen. Im Gebiet der Waldkonsulting Hohe Heide – in den Landkreisen Heidekreis, Nienburg und Verden sowie den Altkreisen Rotenburg und Neustadt – ist diese Folge des Klimawandels bereits deutlich zu sehen. 17 Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und 4.000 private Waldbesitzer sind in Alarmbereitschaft.

Ob die Sorge berechtigt ist, könne noch nicht gesagt werden, berichtet die Waldkonsulting in einer Pressemitteilung. Wissenschaftliche Messungen zeigten aber, wie sich unser Klima verändert. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) berichtet im September von den höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen. In Niedersachsen sei die Durchschnittstemperatur seit den 90er-Jahren um zwei Grad Celsius angestiegen.

Die frühe Herbstverfärbung und vorzeitiges Abwerfen der Blätter bei der Buche ab August seien auffällig gewesen. Dabei sei die Buche eigentlich die vitalste Baumart, berichtet Waldzustandsbericht der NW-FVA.

Bäume können Stoffwechsel nicht aufrecht halten 

„August und September sind viel zu trocken gewesen“, stellte auch Bezirksförster Jürgen Raude in Kirchlinteln fest. Einige aufmerksame Waldbesucher seien irritiert gewesen, schon im Sommer verfärbte Laubblätter zu finden. „Bäume verbrauchen etwa zwei bis drei Millimeter Niederschlag pro Tag. Je nach der Menge an gespeicherter Feuchtigkeit im Boden kommen sie einige Zeit auch ohne Niederschlag aus. Ist die aufgebraucht, geraten sie in Trockenstress: Sie können ihren Stoffwechsel nicht aufrecht halten und werfen Laub ab.“

Selbst an Nadelbäumen seien Schäden sichtbar. Das beobachteten viele Förster in den Forstbetriebsgemeinschaften. Ausmaß und Vorkommen der Stressanzeichen waren regional unterschiedlich. Bezirksförster Udo Papenheim in Verden fand vermehrt absterbende Eichen, die vorgeschädigt waren. Matthias Höbermann, Bezirksförster aus Westenholz, fand in Kiefernbeständen an vielen Stellen starken Nadelabwurf. „Insbesondere Baumarten, die mehr Niederschläge benötigen, Sandbirke, Stieleiche, Eberesche, Lärche, Douglasie oder Fichte, haben mit vorzeitigem Laub- oder Nadelabfall reagiert“, fasst Rainer Schild, Bezirksförster in Scheeßel, zusammen. Vor allem die Fichte werde anfällig gegenüber Borkenkäferbefall. „Der Trockenstress vermindert die Abwehrtätigkeit, weil weniger Harz austritt“, weiß Helge Zeschel, Bezirksförster in Neustadt.

„Wellness-Zeit“ im Winter

„Jetzt, wo der Winter im Anmarsch ist, haben die Bäume ihre „Wellness-Zeit“ und können sich ein wenig erholen“, heißt es in dem Bericht. Die engagierten Förster werden weiterhin den Wald für den Klimawandel vorbereiten. Ihre Maßnahmen könnten wie eine Immunkur den Wald stabiler und resistenter werden lassen. So fördere der richtige Baumartenmix die Humusbildung. Nadelbäume werden gemeinsam mit Laubbäumen angepflanzt. Das angeworfene Laub bildet Mullhumus, der mehr Feuchtigkeit speichern kann als der Humus von Nadelbäumen.

Damit die schweren Erntemaschinen den Boden bei der Holzernte nicht verdichten und das Wasserspeichern behindern, werden zertifizierte Wälder über Rückegassen angefahren. Außerdem wird darauf geachtet, standorttypische Bäume zu pflanzen, die mit Klimaveränderungen gut umgehen können, Roteiche und Douglasie etwa. Aber auch nachhaltiges Ernten der Bäume leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Im Holz wird das Klimagas CO2 gespeichert. Je mehr Holz verbaut oder verwendet werde, desto weniger bewirke CO2 den Treibhauseffekt.

Lesen Sie auch:

Frankenwald ist Waldgebiet des Jahres 2017

Mehr zum Thema:

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtsmarkt in Levern

Weihnachtsmarkt in Levern

Referendum in Italien angelaufen

Referendum in Italien angelaufen

Nikolausmarkt: Zauberhafte Rotenburger Innenstadt

Nikolausmarkt: Zauberhafte Rotenburger Innenstadt

Meistgelesene Artikel

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Erneut Vollsperrung an der L 158

Erneut Vollsperrung an der L 158

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Atemberaubende Aufnahmen

Atemberaubende Aufnahmen

Kommentare