Ein neuer Blick auf Hermann Löns: Biograph Heinrich Thies liest in Verden

Vielschichtig und zerrissen

Heinrich Thies war für die Lesung zu Gast in Gudrun Heines Buchhandlung. - Foto: Niemann

Verden - Hermann Löns, ein Mann zwischen Heidedichter und Mythos und seine zweite Frau, Lisa Hausmann-Löns, eine Frauenrechtlerin und Pazifistin, standen am Mittwochabend in der Buchhandlung Heine im Fokus der Lesung „Mein Herz gib wieder her“ mit dem Autor Heinrich Thies. Fast das Beste an diesem Abend ist die eigene Freude des Autors. Thies liest und erzählt engagiert und überzeugt vom eigenen Text.

Nicht nur wegen seiner politischen Ansichten scheiden sich an Hermann Löns bis heute die Geister. Von den einen genial genannt, werfen ihm andere genau das Gegenteil vor, kritisieren seine Veröffentlichungen als Kitsch oder verurteilen ihn als Rassisten. Dieses widersprüchliche Bild von Löns hat Thies in seinem biografischen Roman aufgegriffen und ihm darin seine zweite Frau, Lisa Hausmann-Löns auf Augenhöhe hinzugesellt.

„Wir fangen dann einfach mal an“, begrüßte Gudrun Heine das Publikum und gab dabei unumwunden zu, dass sie Hermann Löns zuvor nicht die Spur interessiert habe. Doch dann sei sie von Heinrich Thies eines besseren belehrt worden. Heine: „Ich habe das Buch dann mit wachsender Begeisterung gelesen und muss sagen, ich habe viel daraus gelernt, sodass es mir eine Freude war, den Autor für eine spannende Lesung nach Verden zu holen.“

Und spannend war diese Lesung in der Tat, zumal der Autor im Lauf des Abends zwar mehrmals sein Buch zur Hand nahm, um daraus vorzutragen, dazwischen aber vor allem unterhaltsam diverse Ereignisse und Anekdoten zu Löns und seiner Frau erzählt hat, die allesamt mit Akribie recherchiert waren. Sogar singen ließ Thies das Publikum, wenn auch das gemeinsam angestimmte „Auf der Lüneburger Heide“ nicht wirklich hörenswert war.

Im westpreußischen Kulm am 29. August 1866 geboren, wird Löns, nachdem er das ihm vom Vater aufgezwungene Medizinstudium abgebrochen hat, Journalist. Sein Erfolg ist von einem ständigen Auf und Ab geprägt, denn sowohl seine Unzuverlässigkeit als auch seine sich häufenden Fluchten in den Alkohol, seine psychische Labilität und nicht zuletzt seine Frauengeschichten werden zunehmend zum Problem.

Dann erscheinen die Jagdgeschichten und auch Gedichte publiziert er mit großem Erfolg, sodass Löns zum Erfolgsautor aufsteigt. Thies: „Sein erfolgreichstes Buch ist „Der Wehrwolf“ aus dem Jahr 1910. Eine finstere Geschichte um Bauern im Dreißigjährigen Krieg, die später von den Nazis zu Propagandazwecke genutzt wurde.“

Immer wieder lenkt Thies den Blick auf Lisa, die für ihn völlig zu Unrecht im Schatten ihres Mannes stand. „Sie war ein Blaustrumpf, heute würde man sagen eine Emanze, und ihrer Zeit weit voraus.“ Lisa Hausmann-Löns habe selbst eigene, kluge Texte geschrieben. Sie habe Romane von Jack London übersetzt, sich für das Frauenwahlrecht eingesetzt und den Nationalsozialisten die Stirn geboten. Und sie habe den gemeinsamen, geistig und körperlich behinderten Sohn betreut, der während der NS-Zeit von der Euthanasie bedroht gewesen sei.

Für Thies ist Löns mehr als einhundert Jahre nach seinem Tod eine interessante Persönlichkeit, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betonte. „Löns war eine ebenso vielschichtige wie zerrissene Persönlichkeit. Man muss ihn sehr eingehend betrachten und gerade das macht ihn für mich so interessant“, so der Autor.

Thies kann selbst auf persönliche Parallelen zu Löns verweisen. Als Sohn eines Heidebauern aus Hademsdorf ist Thies in der Heideregion aufgewachsen, er hat – wie zuvor Löns 20 Jahre als Journalist in Hannover gearbeitet und ist selbst Jäger. Auch aus eigener Naturanschauung ist ihm deshalb vieles von dem vertraut, worüber der Heidedichter einst geschrieben hat.

„An seinem Lebensende hat Löns viele seiner Fehler wieder gut gemacht“, resümiert Thies. Er meint damit das Kriegstagebuch, in dem Löns, zwei Tage vor seinem Tod am 26. September 1914 auf dem Feld vor Reims, frei von Pathos die Grausamkeiten des Krieges schildert. Die Anfang der 30er-Jahre aufgefundenen und Hermann Löns zugeschriebenen Gebeine wurden 1934 in die Lüneburger Heide überführt und im Jahr darauf im Tietlinger Wacholderhain beigesetzt. Ob es sich tatsächlich um die Überreste von Löns handelt, ist jedoch bis heute umstritten. - nie

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