Ärztin Dr. Sabine Gapp-Bauß referiert in der Frauenberatung

Trauma oft Ursache für Depressionen

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Friederike Geißler von der Frauenberatung (r.) mit Dr. Sabine Gapp-Bauß.

Verden - Eine Depression hat viele Gesichter. Wiederkehrende Formen sind nicht selten auf traumatische Erfahrungen zurückzuführen. Die Bremer Ärztin für Naturheilverfahren Dr. Sabine Gapp-Bauß hat sich eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt.

In ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Depression und Burnout überwinden“ zeigt sie Wege aus der Krise auf. Ihre Heilungsansätze stellte sie jetzt in der Frauenberatung Verden vor.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der KVHS Verden statt. Der Vortrag stieß bei Fachkräften und Betroffenen auf großes Interesse, die Veranstaltung war komplett ausgebucht. „Viele Patienten haben eine falsche Vorstellung davon, was im Falle einer Erkrankung wichtig ist“, erklärte Gapp-Bauß. Empfehlungen wie „Machen Sie viel Sport“ würden zur Behandlung einer Depression bei weitem nicht ausreichen. Hier sei ein differenzierterer Blick notwendig.

Das Konzept, das die Ärztin für den Umgang mit Burnout und Depressionen entwickelt hat, basiert auf der Neurobiologie. „Wichtig ist, dass der gestörte Hirnstoffwechsel ins Gleichgewicht kommt und das Gehirn sich wieder erholen kann“, betonte Gapp-Bauß. Zur Regeneration seien nicht immer Medikamente notwendig. „Maßnahmen für Körper und Seele müssen ganzheitlich ineinandergreifen“, so die Ärztin.

Gerade langwierige Depressionen würden häufig von einem Trauma verursacht. Erfolgt keine Behandlung, können Spaltungssymptome entstehen. Während ein Teil der Person normal funktioniert, lauert im „Keller“ das Trauma. Bestimmte Situationen, die an negative Vorerfahrungen erinnern, wirken als Trigger und lösen einen Flashback aus. Das können traumatische Kindheitserfahrungen sein, zum Beispiel Verluste wichtiger Menschen, Gewalt oder Überforderung. Dieses kann die Persönlichkeit sehr beeinträchtigen.

„Wichtig ist, dass die Person den Trigger kennt und die alten Ereignisse in einen neuen Kontext stellt. Der Patient muss begreifen, was damals geschehen ist und was heute anders ist. Wenn dieses erkannt ist, können neue heilsame Erfahrungen gemacht werden“, sagte Gapp-Bauß. Die Gefühle müssten wieder mit dem Denken verbunden werden, damit die „seelische Verdauung“ stattfinden kann. „Das Trauma verliert dann an Bedeutung“, weiß die Medizinerin aus ihrer Praxiserfahrung.

Um die seelische Gesundheit wiederzuerlangen, sei es auch wichtig, Dinge zu finden, die einen stärken und Freude machen. „Man muss lernen was einem wann gut tut“, erklärte die Ärztin. Diese „Seelennahrung“ ist für jeden Menschen eine andere. „Ganz typisch für die Seelennahrung ist innere und äußere Stille, das sich Wiedereinschwingen in den Rhythmus der Natur,“ erläuterte Gapp-Bauß. Jede Art von schöpferischer Tätigkeit, zum Beispiel Tanzen, Musizieren, Malen oder Schreiben, sei sinnvoll. 

Wichtig sei ferner, dass die Person lernt, in einen ruhigen Modus zu kommen und sich nicht so schnell aufzuregen. Wer es schafft, mit sich selbst einen neuen, fürsorglichen Umgang zu pflegen und lernt, die Dinge selbst zuzuordnen, kann die Emotionen schließlich verarbeiten. „Ja, es war schlimm, aber jetzt und hier ist es gut“, sei der Schlüsselsatz auf dem Weg zu Heilung.

ahk

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