Musikfest Bremen mit Kantaten zum Michaelisfest von Johann Sebastian Bach

Ein tief bewegender Abend

Das Collegium Vocale Gent mit seinem Leiter Philippe Herreweghe im Verdener Dom. - Foto: Bruns

Verden - Von Ilse Walter. Im Rahmen des 30. Musikfestes Bremen war das renommierte Collegium Vocale Gent mit seinem langjährigen Leiter Philippe Herreweghe bereits zum zweiten Mal im festlich erleuchteten Dom zu Gast. Das großartige Ensemble bot drei Kantaten zum Michaelisfest von Johann Sebastian Bach.

Im ersten Teil erklangen die Kantaten BWV 130 „Herr Gott, dich loben wir alle“ und BWV 149 „Man singet mit Freuden vom Sieg“, im zweiten Teil die große Kantate BWV 198 „Laß Fürstin, laß noch einen Strahl“, die „Trauerode“ zu Ehren der im Volk beliebten Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth, der Gattin Augusts des Starken im Jahr 1727. Bach hatte die uneingeschränkten Möglichkeiten der Besetzung. Es handelt sich um eine neunstrophige, sehr reich instrumentierte Kantate, die gar nicht so recht den Eindruck einer Trauerkantate erweckt, denn der Text von Johann Christoph Gottsched lobt die Fürstin, und besonders im Schlusschor klingt das Lob wie ein reiner Tanz.

Der Chor ist wunderbar aufeinander eingestellt, und die vier Solisten wirken auch im Gesamtensemble mit. Hannah Morrison verfügt über einen glockenreinen, bis in die Höhen strahlenden und gut geführten Sopran. Sie überzeugte in allen Arien durch ihren makellosen Gesang und ihre Gestaltungskunst. Einen ganz großen und substanzvollen Countertenor hat Alex Potter, der seine runde, bis in die Höhe intensive Stimme großartig in seinen Soli einsetzte. Thomas Hobbs mit seinem reinen und großen, mühelos geführten Tenor überzeugte sowohl in Rezitativen wie Arien. Der Bassist Peter Kooij ist der bekannteste der Sänger. Seine warme, intensive und klar geführte, ausdrucksvolle Stimme bewegte sehr. Alle sangen, wie gewohnt, sehr nach dem Text.

Das Orchester musizierte auf historischen Instrumenten, mit Darmsaiten bespannten Streichinstrumenten, historischen Naturtrompeten, Oboe d’amore, Oboe d’accacia, Traversflöten, Fagott, Viola da Gamba, Laute sowie Pauke und Kleinorgel. Der Klang war warm und intensiv, die Solobegleitungen von Bläsern und Streichern einfühlsam und in Verbindung mit der hervorragenden Continuogruppe klangschön, auffallend besonders der großartig gespielte Violone. Das alles unter der behutsamen und sensiblen Leitung von Philippe Herreweghe.

Die vielen Zuhörer erlebten einen wunderbaren, tief bewegenden Abend. Die Kantate Nr. 138 begann mit dem Orchestervorspiel, in das sich der Chor strahlend einfügte, der Cantus firmus der Choralstrophen im Sopran schwebte wunderbar über den drei polyphon geführten unteren Stimmen in ihren farbigen Parts. In dieser Kantate begeisterten besonders die Naturtrompeten. Bestechend waren die Solisten mit den vielen perlend rein gesungenen Koloraturen, aber auch die hoch dramatisch gebotenen Rezitative und Arien.

Perfekt laufende Koloraturen

Die erste Kantate endete mit dem prächtigen „Darum wir billig loben dich“. Stets bestach der Chor in seiner Intensität und mit den perfekt laufenden Koloraturen. Die Rezitative und Arien priesen Gottes Lob. Die Kantate endete mit der feierlichen Choralstrophe „Ach Herr, lass Dein lieb Engelein“ mit den strahlenden Trompeten am Schluss.

Eingangs- und Schlusschor der „Trauerode“ sind auch in der Markuspassion zu finden. Der Beginn des reich instrumentierten Eingangschores mit seinen Verwebungen im Chor ist überaus eindringlich. Das Volk bittet die Verstorbene, ihm einen Gnadenstrahl zu senden.

Die Trauer über den Verlust äußert der Sopran im Rezitativ und der bewegend gestalteten anschließenden Arie. Den Glockenschlag im Rezitativ des Countertenors hat Bach in zuckenden Flötenmotiven nachgezeichnet, erregend und klagend musiziert. Wunderbar auch hier die Continuogruppe mit Violone, Cello, Orgel und Theorbe zur makellosen Stimme in der frohen Arie „Wie starb die Heldin so vergnügt“.

Mit dem bewegenden Chor „Doch, Königin! Du stirbst nicht“ beendeten Chor und Orchester feierlich und dann tänzerisch klangschön die Kantate. Mit langem, berechtigten Applaus feierten die Zuhörer das großartige Ensemble und seinen Leiter Philippe Herreweghe, und dafür wurde der Schlusschor wiederholt.

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