Unterrichtsthema „Macht und Imperium“

IGS-Schüler recherchieren: Auf der Suche nach Spuren jüdischen Lebens

+
Katie Schaardt (rechts auf dem großen Bild) und Bernd Neuhaus von der Stadt Verden informierten die Schüler über die Ausgrabungen auf dem Gelände der früheren Synagoge.

Verden - Die Beteiligten hätten sich sicher besseres Wetter gewünscht. Aber der wolkenverhangene Himmel passte zum Anlass, begaben sich doch Neuntklässler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten zusammen mit Lehrerin Stavroula Id am Donnerstagmorgen auf die Spuren von Verdenern jüdischen Glaubens.

Anlass für den Besuch war das Thema „Macht und Imperium“, das der Jahrgang 9 gerade im themenorientierten Unterricht behandelt, mit den Schwerpunkten Weimarer Republik, Erster und Zweiter Weltkrieg. Die frisch erworbenen Kenntnisse werden dann in verschiedene Präsentationen und Referate einfließen.

„Wir verweisen auf Quellen und Zeitzeugen, fungieren als Türöffner“, definierte Harm Schmidt dabei die Aufgabe, die er gemeinsam mit Werner Schroeter und Hans-Jürgen Lange innehatte. Die Männer, engagiert im Netzwerk Erinnerungskultur des Landkreises Verden, begleiteten die Jugendlichen auf ihrem Gang durch die Allerstadt. Sie berichteten über menschliche Schicksale, die sich hinter den sogenannten Stolpersteinen verbergen und machten die Schüler auch auf den Standort der ehemaligen Synagoge aufmerksam.

Auf dem Gelände am Johanniswall steht heute das Fachmarktzentrum. Als es vor fünf Jahren gebaut wurde, entdeckte man bei den Erdarbeiten die Überreste des Sakralbaus, der in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 bei der Reichspogromnacht von den Nationalsozilasten angezündet worden war. Auf welche interessanten Spuren die Archäologen bei weiteren Grabungen auf der Baustelle stießen, erklärten Bernd Neuhaus, Mitarbeiter der Stadt Verden, und Kollegin Katie Schaardt vom Verdener Dokumentationszentrum „DOZ 20“ den Schülern.

Nach und nach hatten die Experten den Keller der ehemaligen Synagoge freigelegt und dort unter anderem die Mikwe, das rituelle Tauschbad, gefunden. Den Ofen, mit dem die Mikwe vermutlich beheizt worden war, hatte man ausgegraben. Er sei mittlerweile von einer Metallrestauratorin aufgearbeitet worden, berichtete Neuhaus.

Überhaupt, das machten die Ausführungen deutlich, investierten Experten in den zurückliegenden Monaten einiges an Zeit, um Fundstücke zu untersuchen und zumindest in Teilen wieder herzustellen.

Den Schülern konnten Schaardt und Neuhaus einige Papierfragmente zeigen, die Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim mit großer Akribie konserviert und untersucht haben. Einige der Stücke ließen sich anschließend sogar verschiedenen jüdischen Schriften zuordnen.

Während diese Funde sich wieder in Verden befinden, ist weiteres Artefakt noch immer in den Händen einer Spezialistin. Ihre Aufgabe ist das Restaurieren eines Tuches, das der jüdischen Gemeinde in Verden vermutlich einst zum Abdecken des Sabbatbrotes diente.

kp

Weitere Informationen per E-Mail

an doz20-verden@ewe.net.

Mehr zum Thema:

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Klaus Allofs' Erfolge

Klaus Allofs' Erfolge

Meistgelesene Artikel

Nikolausmarkt in Dörverden - wohltuend und wärmend

Nikolausmarkt in Dörverden - wohltuend und wärmend

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Erneut Vollsperrung an der L 158

Erneut Vollsperrung an der L 158

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Kommentare