Landesverbandstag für Fachleute mit Kultusministerin Frauke Heiligenstadt

Sonderpädagogik bei Inklusion unverzichtbar

Verden - „Stürmische Zeiten – wo bleibt die Sonderpädagogik?“ Diese Frage stand gestern beim Landesverbandstag des Verbands Sonderpädagogik (vds) im Niedersachsenhof im Mittelpunkt. Prominenter Gast war Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Dass die Sonderpädagogik in den Zeiten der Inklusion unverzichtbar ist, stellte die Kultusministerin in ihrem Grußwort unmissverständlich klar. „Die Sonderpädagogik war nie wichtiger als heute und das wird sie auch bleiben“, betonte Heiligenstadt. Zwar werde in den Aufbaujahren vieles hinterfragt, was von vielen sicher auch als „stürmisch“ empfunden werde, Inklusion sei ohne Sonderpädagogen jedoch nicht möglich.

In diesem Zusammenhang lobte die Ministerin die konstruktiven Gespräche mit dem vds. Ihr Dank galt auch dem Vorsitzenden Reinhard Fricke. „Ich kann mir den Weg in die Inklusion in Niedersachsen ohne den vds nicht vorstellen“, so Heiligenstadt.

Mittlerweile gebe es Schüler mit Behinderungen in allen Schulformen in Niedersachsen. Niemand, der in diesem Bereich arbeitet, könne mehr sagen, dass die Inklusion ihn nichts angeht. Spätestens seit 2013 sei vieles anders gworden. „Das ist der grundlegendste Veränderungsprozess im Bildungsbereich seit Jahrzehnten“, stellte die Ministerin klar. Gerade die Lehrkräfte stünden durch das veränderte Berufsbild vor besonderen Herausforderungen.

Die Kultusministerin betonte ferner, dass die Inklusion kein „politischer Zankapfel“ werden dürfe. Auf die grundlegende Kursbestimmung hätte man sich bereits geeinigt. „Das Auslaufen der Förderschule in der Sekundarstufe I darf nicht zurückgenommen werden. Man kann über das Wie streiten, aber nicht über das Ob“, unterstrich Heiligenstadt. Nur eine Gesellschaft, in der alle mitgenommen und niemand ausgegrenzt würde, könne eine Zukunft haben. Die Kultusministerin äußerte ferner den Wunsch, dass sich auch der Bund mehr in diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung einbringt. Um die Inklusion an allen Schulen umsetzen zu könne, bedürfe es eines Rahmenkonzepts für die inklusive Schule. Bis 2021 solle zudem die Einrichtung von regionalen Beratungs- und Unterstützungsszentren (RZI), als Anlaufstellen für die Schulen abgeschlossen sein.

Prof. Dr. Rolf Werning von der Leibniz Universität Hannover sprach anschließend über erste Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsstudie an 70 inklusiven Grundschulen in Niedersachsen. Ein erfreuliches Ergebnis sei die positive Grundeinstellung zur Inklusion bei Lehrkräften, Eltern und Schülern. Das Klima werde aber von den Lehrkräften besser eingeschätzt als von den Schülern. „Schüler reagieren sensibler auf Diskriminierung“, so Werning.

Einen signifikanten Unterschied gebe es zwischen den Klassenlehrkräften und den Sonderpädagogen. Die positive Einstellung der Sonderpädagogen sei stark von den kooperativen Strukturen abhängig, während die Einstellung der Klassenlehrkräfte zur Inklusion von ihrer eigenen Kompetenz abhänge. „Sonderpädagogen fühlen sich bei der Umsetzung der Inklusion machtloser“, erklärte Werning.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich die Grundschullehrkräfte am meisten verantwortlich für die Umsetzung der Inklusion fühlen. „Wir tragen die Inklusion“, sei oft geäußert worden. Die Sonderpädagogen dagegen wünschen sich eine bessere Organisation durch die Schulleitung, um ihren Platz im System zu finden. J ahk

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