Über die Rolle der Frauen in den neuen Rechten

„Sie geben der Ideologie ein freundlicheres Antlitz“

Stefanie Lohaus referierte über die Frauen in den neuen Rechten.

Verden - Frauen in den „neuen Rechten“ – ein gelebter Widerspruch? Dies war das Thema der Kulturwissenschaftlerin und freien Journalistin Stefanie Lohaus aus Berlin in ihrem Vortrag im Hotel Höltje.

Der Förderverein des Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie & Zivilcourage Wabe hatte dazu eingeladen. Spätestens nach der jüngstebn Landtagswahl ist das Thema hochaktuell, denn die neuen Rechten, die einen völkischen Populismus propagieren, sind seit einigen Jahren weltweit auf dem Vormarsch.

Nicht nur Rassismus, auch ein rückwärtsgewandtes Frauen- und Familienbild gehören zum Profil dieser Parteien. Trotzdem geben Frauen wie Marine Le Pen oder Frauke Petry ihrer Partei ein Gesicht, machen Karriere und scheinen somit nicht in das von ihren Parteien favorisierte Familienbild zu passen.

Die Feindbilder der neuen Rechten seien hauptsächlich die Einwanderungspolitik sowie die Familien- und Geschlechterpolitik, insbesondere die Gleichstellungspolitik, erklärte Lohaus. Doch warum ist dieses Thema bei diesen Parteien so zentral? Als Erklärung brachte sie ein Zitat von Gabriele Kämper: „Das Propagieren der Ungleichheit der Geschlechter dient als Blaupause für das Propagieren jeglicher Form von Ungleichheit.“ Das ziele darauf, dass der männlichen Ideologie in allen Bereichen der Vorrang eingeräumt wird, erklärte die Kulturwissenschaftlerin.

Auch die Individualität des Einzelnen ist den neuen Rechten ein Dorn im Auge. „Das Gender-Mainstreaming wird von den rechten Parteien als Verschwörungstheorie angesehen“, so Lohaus weiter. So wende sich die AfD gegen die „indoktrinäre Beeinflussung der Kinder“. Im AfD-Grundsatzprogramm heiße es, dass in Krippen und Ganztagsschulen durch die Umsetzung von Gender-Mainstreaming und die Betonung der Individualität die Familie als „wertgebende gesellschaftliche Grundeinheit“ untergraben werde. „Das heterogene sexuelle Verhalten ist auch ein politisches Ziel, es dient der Stärkung des traditionellen Familienbildes“, so Lohaus. Damit würden Frauen aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden.

Doch wie passen Frauen wie Beatrix von Storch (AfD), Frauke Petry (AfD) oder Marine Le Pen (Front National) in dieses System? Warum stützen diese Frauen eine Hierarchie, in der sie benachteiligt werden? „Frauke Petry hätte ihr Leben ohne feministische Errungenschaften so nicht leben können“, stellte die Referentin klar.

Die AfD-Bundessprecherin sei auch durchaus nicht immer antifeministisch eingestellt. Noch 2011 galt die Unternehmerin als Verfechterin einer Frauenquote in der Wirtschaft und kritisierte die männlich geprägte Arbeitswelt. Im November 2014 sah das dagegen schon ganz anders aus. Als Parteisprecherin sei sie auf einmal strikt gegen eine Frauenquote. Doch woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel? Stefanie Lohaus vermutet, dass Petry ihre Ansichten dem rassistisch-völkischen Gedankenbild der AfD untergeordnet hat, um ihre Partei weiter voranzutreiben.

Führungsfrauen wie Petry verleihen ihrer Partei ein freundlicheres Antlitz, meint Lohaus: „Die Frauen übernehmen in der Partei soziale Aufgaben, sie geben der Partei ein modernes, aufgeklärtes Image.“ Diese Doppelstrategie wird auch in anderen Bereichen sichtbar. So sei Homosexualität verpönt, dennoch scheue sich die AfD nicht, auf einem Wahlplakat mit einem homosexuellen Paar Stimmung gegen Muslime zu machen.

Als Strategie gegen die Rechten empfahl Lohaus: „Aufklären, aufklären, aufklären.“ Den Journalisten lastet sie an, sie würden den Rechtspopulisten in Talkshows und dergleichen zu viel Raum zur Selbstinszenierung geben. - ahk

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