Premiere der „Nachtflüsterer“ mit neuem Stück „Hexennot“

Ein schauerliches Kapitel Verdener Geschichte

Friedrich bittet den Superintendenten um Gnade. - Fotos: Haubrock-Kriedel

Verden - Kerzenschein und ein wenig Grusel – „Die Nachtflüsterer“, das Stadttheater aus der beliebten Veranstaltungsreihe „Verden aufgeschlossen“, entführen die Besucher mit dem neuen Stück „Hexennot“ ins finstere Mittelalter zur Zeit der Hexenprozesse. Das auf urkundlichen Fakten beruhende Schauspiel aus der Feder von Dr. Björn Emigholz hatte am Donnerstag Premiere.

Das Stück spielt in der Zeit rund um 1649. „Der 30-jährige Krieg ist gerade zu Ende, Verden ist stark zerstört, aber der Dom steht noch. Doch alle 30 Altäre und viele Kunstgegenstände sind auch hier zerstört“, erzählt Stadtführerin Margret Reinecke zur Einführung. Dann geht es in den Dom, um ein „schauerliches Kapitel“ Verdener Geschichte“ zu erleben. Der Kerzenschein und das Orgelspiel von Tillmann Benfer sorgen für eine besondere Atmosphäre, so dass man sich tatsächlich in eine andere Zeit versetzt fühlt. „Verden wird von einem düsteren Mann, dem Superintendenten Heinrich Rimphoff, beherrscht“, berichtet Helga Flatow. Unter ihm erreicht die Hexenverfolgung in Verden ihren Höhepunkt. Die Angeklagten verfügen über keinerlei Rechte, jede Narbe kann als „Teufelsmal“ gedeutet werden.

Die Mönche berichten von finsteren Zeiten in Verden.

Den „Hexen“ drohen die „peinliche Befragung“, sprich Folter und schließlich der Tod auf dem Scheiterhaufen. Aber Rimphoff, der „Mann Gottes“, hat durchaus auch weltliche Interessen. So bereichert er sich an dem Besitz der Verfolgten und übernimmt ihre Häuser.

Der Hexerei bezichtigt wie fast ihre ganze Familie ist auch Catherine Wolpmann (Stefanie Bühring). Die Frau des amtierenden Bürgermeisters. Nur ihre Mutter (Evelyn Coels) und ihr Cousin Friedrich Panning (Martin Hellerbach) befinden sich noch auf freiem Fuß. Da Catherine sich weigerte, mit dem Superintendenten (Hans-Jürgen Schulz) die Ehe zu brechen, kann er es gar nicht erwarten, sie dem „reinigenden Feuer“ zu übergeben. Ihr Cousin setzt alles daran, sie zu retten, doch der Kirchenmann lässt sich nicht erweichen. Auch das Domkapitel und der Magistrat stehen auf seiner Seite, die Verurteilung scheint unausweichlich.

Catherine ist verzweifelt, führt in ihrer Not ein inniges Zwiegespräch mit ihrem verstorbenen Vater und bittet um Hilfe. Es ist ein sehr berührender Moment als Catherines flehendes Lied im Dom erklingt.

Schließlich kommt Friedrich doch noch die rettende Idee und er wendet sich an die höchste Stelle, die schwedische Königin Christina (Michaela Rampp), Regentin im Bistum Verden. Christina gibt schließlich die Anordnung, alle Prozesse einzustellen und die verfolgten vermeintlichen „Hexen“ freizulassen. Also ein Happy End für Catherine, dennoch dauert es noch 20 Jahre, bis in Verden das letzte Urteil über eine Hexe verkündet wird.  J ahk

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