Tod eines demenzkranken Mannes

Prozess um getöteten Vater: "Ich schäme mich zutiefst"

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Angeklagter: Habe meinem Vater das Leben genommen

Verden - Ein Sohn sagt aus, seinen Vater getötet zu haben. Ob es eine Affekthandlung aus lange angestauter Wut und Frust war, ist offen. Doch der Angeklagte gesteht, was dem Richter aber als umfassendes Geständnis so nicht reicht.

Für den Angeklagten selbst und die Staatsanwaltschaft ist der Fall im Grundsatz relativ klar: Der 39-Jährige tötete am 28. Januar im niedersächsischen Rehburg seinen 63 Jahre alten demenzkranken Vater. „Ich habe meinem Vater das Leben genommen“, ließ der Angeklagte seine Anwältin am Donnerstag vor dem Landgericht in einer emotionalen Erklärung mitteilen. „Ich schäme mich zutiefst. Ich hasse mich." Das Gericht wertete die Einlassung des früheren Rettungsassistenten nicht als vollumfängliches Geständnis im Sinne der Anklage, weil er sich eben nicht mehr an den Tatablauf im Einzelnen erinnern könne.

Antworten unter Tränen

Der 39-Jährige sagte im Rückblick auf den Tattag: „Ich sehe vor meinem inneren Auge nur noch Blut." Er räumte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft „vollumfänglich" ein. Er wisse, dass das Gericht ihn verurteilen werde.

Der Angeklagte beantwortete unter Tränen Fragen des Richters. Er war zuvor in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt worden. Der Richter fragte ihn, ob er die Bilder der Tat ausführlicher beschreiben könne. „Das kann ich nicht", antworte er. Dies sei emotional zu belastend. Nach Rücksprache mit seiner Anwältin will er sich nun am kommenden Montag nochmals konkreter äußern.

Sechs Stöße mit dem Küchenmesser

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Laut Anklage stach er seinen Vater nach einem Streit mit einem Küchenmesser sechs Mal in Brust und Rücken. Anschließend habe er ihn gewürgt und mit einem etwa 15 Kilogramm schweren Stein auf den Kopf geschlagen. Der Vater starb infolge der schweren Kopfverletzungen.

Der Angeklagte, der mit seinem Eltern unter einem Dach wohnte, beschrieb seinen Vater als sehr dominant. Er habe ihn, den Sohn, einmal als sein „Labor" und sein “psychisches Experiment" bezeichnet. Am Tattag selbst war er mit einem Küchenmesser, das er zu seinem Schutz mitgenommen habe, zum Vater gegangen. Er habe gewusst, dass sein Vater, von dem er sich nie angenommen fühlte, Waffen im Hause habe. Der Angeklagte räumte ein, dass er zeitweise Kokain und Cannabis konsumiert hat.

Eine frühere Freundin, die mit dem Angeklagten drei Jahre in dem Haus lebte, beschrieb ihren Ex-Partner als „liebevollen und intelligenten Menschen", der aber auch bei Streitigkeiten aufbrausend habe sein können. Aber er sei während ihrer Beziehung, die vor zehn Jahren endete, nie gewalttätig geworden. Zu seinen Eltern, vor allem zur Mutter, habe er ein inniges Verhältnis gehabt. Am 25. August soll die Mutter des Angeklagten aussagen. Sie kündigte bereits an, dass sie sich äußern werde.

dpa

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