Landesfeier zum Volkstrauertag mit Ministerpräsident Stephan Weil

Von der Pflicht „zu helfen, so gut wir können“

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Zehnt-, Elft- und Zwölfklässlerinnen des Domgymnasiums hatten mit Flüchtlingen gesprochen. Leonie Garske, Sarah Seghir und Lea Grotum (v.l.) trugen deren Berichte vor. 

Verden - Von Katrin Preuß. Schnellen Schrittes gehen die Männer durch die Verdener Fußgängerzone. Sie sind auf dem Weg zum Denkmal am Johanniswall. Keiner der Passanten bemerkt, wer ihm da entgegenkommt: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Landtagspräsident Bernd Busemann und Prof. Rolf Wernstedt, Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Es ist dunkel und kalt. Da duckt man sich lieber weg, als den Kopf zu heben und dem Gegenüber ins Gesicht zu schauen.

Kurz zuvor noch hatten die Herren, gemeinsam mit Vertretern aus Politik, von Verbänden und Kirchen sowie zahlreichen Bürgern, im festlich erleuchteten Dom gesessen. Dorthin hatten der Niedersächsische Landtag, die Landesregierung, Landkreis und Stadt Verden sowie der Volksbund zur Landesfeier anlässlich des Volkstrauertags eingeladen. „Erinnern – verstehen – verständigen“, unter dieser Überschrift stand die öffentliche Veranstaltung am Sonnabend.

Innehalten am Denkmal für die Opfer von Krieg und Gewalt am Johanniswall.

Menschen auf der Flucht und Kriege in vielen Teilen der Welt waren die zentralen Themen an diesem Novembertag. So war denn die Frage des Volksbund-Landesvorsitzenden Prof. Rolf Wernstedt nach dem Sinn einer solchen Gedenkfeier rhetorischer Natur. Der Friedenswille werde weltweit neu herausgefordert, erklärte er, wohl wissend, dass dies keine leicht zu lösende Aufgabe ist. „Die nationale Zuspitzung ist die Begleitmusik zu populistischer Propaganda“, sagte Wernstedt mit Blick auf aktuelles politisches Geschehen. Dabei würden Fakten, die der eigenen Meinung entgegenstünden, einfach nicht zur Kenntnis genommen. „Deutschland hat leidvoll erfahren, wohin es führen kann, sich selbst zu erhöhen“, so der Volksbund-Vorsitzende. „Die Gräber sind Fakten. Sie sind Mahner des Friedens.“

Nach der Kranzniederlegung ging es zum Mahnmal für die jüdischen Opfer. Dort empfingen junge Fackelträger die Teilnehmer an der Gedenkfeier.

Wernstedts Appell richtete sich nicht zuletzt an die junge Generation, widmete sich die Gedenkfeier doch dem Brückenschlag zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. So groß die zeitliche Spanne ist, so gering können die Unterschiede sein zwischen einst und heute. Leonie Garske, Sarah Seghir und Lea Grotum verdeutlichten dies anhand von Erlebnissen, die sie gemeinsam mit weiteren Schülerinnen des Domgymnasiums nach Gesprächen mit Geflüchteten aufgezeichnet hatten. Wie sehr ähnelten sich die Berichte über das schöne Leben, das diese Menschen hinter sich ließen, als sie, nur mit dem Nötigsten an Gepäck, in eine ungewisse Zukunft aufbrechen mussten. Mit der Angst und dem Hunger als ständige Begleiter.

Die Jugendlichen hatten sich mit Männern unterhalten, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Schlesien aus in Richtung Westen gezogen waren. Aber auch ein Mitschüler aus Afghanistan hatte ihnen von seiner Flucht erzählt.

Landesfeier zum Volkstrauertag in Verden

An der Landesfeier zum Volkstrauertag sprach auch Ministerpräsident Stephan Weil.

Schicksale wie dieses machten deutlich, „dass auch entfernte Regionen mit unserem Leben zu tun haben“, sagte Stephan Weil in seiner Gedenkrede. Es sei nur eine indirekte Wirkung, die aber nicht folgenlos bleibe, führte der Ministerpräsident aus und nannte Unsicherheit und Angst, verbunden mit dem Wunsch nach Abgrenzung als Beispiele. Europa werde derzeit mit einer neuen Welle des Nationalismus konfrontiert, mit Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, wie man sie bis vor wenigen Jahren nicht mehr für möglich gehalten hätte. Gleichzeitig stünde man vor der Aufgabe, den Geflüchteten zu helfen. „Das sind die Leitplanken, an denen sich unsere Gesellschaft orientieren soll.“

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieser Satz stehe wie ein Fels am Anfang des Grundgesetzes. Aus ihm leiteten sich alle weiteren Rechte ab. Und ebenso die Verpflichtung „zu helfen, so gut wir können“, sagte Weil. Es gelte, dem Nationalismus entgegenzutreten, Beiträge zu leisten zur Entspannung und Verhinderung internationaler Krisen und bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu helfen.

Denn nichts sei auf ewig sicher, „nichts ist uns geschenkt“, schloss Weil. Wer um Werte kämpfe und Partei ergreife, verteidige damit nicht nur die eigene Würde, sondern auch die des anderen.

Superintendentin Elke Schölper hatte zu Beginn der Feier ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass von der Gedenkstunde in Verden ein Impuls ausgehen möge, „dass in unserem Lande Ehre wohnt, dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“.

Nun gilt es, diesen Worten und Wünschen Taten folgen zu lassen, damit die Kälte, die die Menschen auf dem Weg zum Mahnmal spüren, eine winterliche bleibt.

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