„Never say anything“

Lesung mit Michael Lüders: Packender Polit-Thriller

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Bereitwillig signierte Autor Michael Lüders Bücher.

Verden - Eine Journalistin sieht auf einer Dienstreise mehr, als sie sehen sollte, und gerät ins Visier des amerikanischen Geheimdienstes. Michael Lüders, langjähriger Korrspondent der Wochenzeitung „Die Zeit“ und einer der bekanntesten Nahost Experten, hat mit „Never say anything“ einen packenden und zugleich beklemmenden Polit-Thriller geschrieben. Auf Einladung der Buchhandlung Vielseitig kam er am Freitagabend zu einer Lesung ins Alte Schulhaus Dauelsen.

Die Zuhörer im vollbesetzten Saal erlebten eine Lesung, die unter die Haut ging und sehr nachdenklich machte.

Die Heldin des Buches ist die Berliner Journalistin Sophie Schelling. In Marokko trifft sie sich mit ihrem Kollegen Hassan Maliki. Dieser möchte ihr in Gourrama, einem Dorf am Ende des Atlasgebirges, die von einem Eremiten erbaute Himmelstreppe zeigen. „Du bist das Licht, du wirst brennen“, sagt der Eremit zu Sophie – eine Prophezeiung, die sich bald erfüllen wird. Die Journalisten geraten nämlich in einen Angriff amerikanischer Militärhubschrauber. Das ganze Dorf wird ausgelöscht, Sophie ist die einzige Überlebende. Nach ihrer Genesung sucht sie die Deutsche Botschaft in Rabat auf und schildert ihre Erlebnisse. Doch der Botschafter leugnet die amerikanische Beteiligung am Massaker und schiebt den Angriff Al-Qaida in die Schuhe.

Zurück in Berlin, vertraut sich Sophie einem alten Freund an. Dieser rät ihr, in ihrem Artikel zunächst keinen Schuldigen zu benennen, da ihr ohnehin niemand glauben würde. „Finde heraus, was abgelaufen ist“, fordert er seine Freundin auf. Unterstützung bei ihren Recherchen findet Sophie bei Marc Lindsey, einem amerikanischen Enthüllungsjournalisten. Dieser wurde während seines Dienstes bei der Army als Übersetzer im Irakkrieg Zeuge von Erniedrigung und Folter der Gefangenen. Durch seine enthüllenden Berichte gilt er als „Feind Amerikas“.

Sophie muss bald erkennen, auf welch ein gefährliches Spiel sie sich eingelassen hat, denn ihr mächtiger Gegner kennt keine Gnade.

Der Veranstaltungsraum im Alten Schulhaus war voll besetzt.

In der anschließenden Diskussion ließ der Autor keinen Zweifel daran, dass die Geschichte zwar frei erfunden ist, jedoch reale Vorbilder hat. Vorbild für Marc Lindsay sei zum Beispiel der amerikanische Investigativjournalist Michael Hastings gewesen. Dieser habe durch seine Berichte aus Afghanistan für Unruhe gesorgt und durch sein Interview den US-General Stanley McChystal zu Fall gebracht. Hastings sei 2013 unter ungeklärten Umständen bei einem Autounfall gestorben. „Es gibt den Verdacht, dass die Elektronik seines Autos manipuliert wurde, ein perfekter Mord“, so Lüders. Auch Sophie Schelling überlebt in seinem Roman nur knapp einen Mordanschlag.

Auch für den amerikanischen Angriff auf das Dorf gebe es Entsprechungen in der Realität. So hätten amerikanische Soldaten Dörfer im Irak oder in Afghanistan „plattgemacht“, um die eigenen Interessen zu wahren.

Den großen Tageszeitungen lastete Lüders an, zu konform und kritiklos zu berichten. „Die Journalisten sollten sich eine gesunde Portion Skepsis bewahren, gerade bei Kriegen wird massiv gelogen“, weiß der Nahost-Experte. So sei zum Beispiel in Aleppo oft unklar, wer gegen wen kämpfe. Die von den USA unterstützten „Rebellen“ seien oft Dschihadisten. Auch entspreche die Behauptung, dass das Assad-Regime allein für den Krieg in Syrien verantwortlich sei, nicht den Tatsachen. Dieser Krieg sei vielmehr ein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA. 

ahk

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