Verdener Kommunalpolitiker zieht sich zurück

Der Name Horst-Heiner Pabst fehlt auf dem Wahlzettel

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Nicht mehr ständig verfügbar sein: Nach 44 Jahren Kommunalpolitik kandidiert Horst-Heiner Pabst nicht erneut. Zeit, sich mit Reisen und seinen Fotos zu beschäftigen. 

Verden - Von Ronald Klee. In zwei Wochen stehen die Kandidaten für die Räte und den Kreistag zur Wahl. Ein Name, der vier Jahrzehnte lang einen festen Platz auf dem Wahlzettel hatte, wird nicht mehr darauf zu finden sein. „Ich habe mich entschieden, nicht wieder zu kandidieren“, erklärt Horst-Heiner Pabst seinen Rückzug aus der aktiven Politik. 44 Jahre war der Sozialdemokrat im Verdener Stadtrat, 30 Jahre davon Mitglied im Verwaltungsausschuss, und 30 Jahre auch im Kreistag. Eine lange Zeit des Engagements vor allem für die Schulpolitik, aber auch für die Verdener Domweih.

„Fertig wird man nicht“, weiß der 73 Jahre alte pensionierte Lehrer. Es habe eine Zeit gegeben, als er das anders gesehen habe, aber gerade jetzt werde wieder deutlich, dass geänderte Bedingungen neue Lösungen erfordern. Horst-Heiner Pabst spielt auf die aktuelle Debatte über die Zukunft der Sekundarstufe I in Verden an, ob Haupt- und Realschule zur Ober- oder zur Gesamtschule zusammengefasst werden sollen. „Ich bin ja der Ansicht, dass der Name gar nicht so wichtig ist, sondern das, was in der Schule passiert.“

Die Diskussion kommentiert er mit derselben Ruhe und Gelassenheit, die auch seine Beiträge in den politischen Gremien und als Vorsitzender des Stadtrats geprägt haben.

Mit der Bilanz seines politischen Wirkens ist Horst-Heiner Pabst zufrieden. Als der gebürtige Verdener nach dem Studium zurückkehrte, war noch vieles anders in den Schulen der Stadt. Pabst kam damals als „Volksschullehrer“ an die Jahnschule, und musste Schüler aller acht (später neun) verschiedenen Jahrgangsstufen gemeinsam unterrichten. Das habe sich bald geändert und die Schulstruktur in der Stadt und im Landkreis geriet ordentlich in Bewegung.

Der junge Lehrer hatte sich bereits 1972 zur Wahl in den Verdener Stadtrat gestellt. „Ich hatte die Hoffnung, etwas für die Ausstattung der Schulen erreichen zu können“, erklärte Pabst. Er hatte sich der SPD angeschlossen, weil in der Familie mütterlicherseits eine gewisse Nähe zur Sozialdemokratie bestanden habe. „Ansonsten lagen mir die Ansichten und Ziele näher, als bei den anderen Parteien“, erinnert sich Pabst.

Für den neuen Stadtrat zu klein

Sein Einstieg in die Politik fiel in eine Umbruchzeit. Gerade war die Gemeindegebietsreform durchgezogen worden. „Ich fing im ersten Stadtrat an, in dem auch die Ortschaften vertreten waren.“ Pabst erinnert sich, dass das Rathaus zu klein war, und der Rat seine Sitzungen dort nicht abhalten konnte. Getagt wurde an verschiedenen Orten in der Stadt, unter anderem im jetzigen Feuerwehrhaus und später im damals neugebauten Kreishaus, dem heutigen Finanzamt.

Eines der ersten großen Projekte war dann auch die Sanierung des Rathauses auf den Stand von heute, ein weiteres die Stadtsanierung, mit der die Entstehung des Parkhauses und der Unteren Straße verbunden war. „Ich freue mich, dass ich bis heute an der positiven Entwicklung unserer Stadt mitwirken durfte.“

Der Schulpolitiker Pabst war dann vor allem mit der Neuordnung des Schulwesens befasst. Die Volksschulen wurden nach und nach aufgelöst, Grund-, Haupt- und Realschulen geschaffen. „Die Berufschule war damals in der jetzigen Klaus-Störtebeker-Schule untergebracht“, erzählt Pabst. Die Pestalozzi-Schule, jetzt Außenstelle des Domgymnasiums, sei ebenfalls Volksschule gewesen, bald aber als solche aufgelöst und zur Orientierungsstufe gemacht worden.

Im Kreistag ging die Arbeit für Pabst weiter. Anfang der 70er war die BBS in Dauelsen gebaut worden und am Berliner Ring, in der Jahnstraße, entstanden die große Sporthalle und die Andreasschule.

Ein Vierteljahrhundert saß Horst-Heiner Pabst auch dem städtischen Marktausschuss vor. 1986 übernahm er das Amt und übt es mit fünfjähriger Unterbrechung bis zum Ende der Legislaturperiode zum 1. November aus. Unter den Zuständigkeiten des Gremiums hatte die Domweih für Pabst immer eine herausragende Rolle. Ursache ist der Reiz, den das Volksfest schon für ihn als Kind ausgeübt hat. „Ich habe stundenlang beim ,Billigen Jakob‘ und seinen Sprüchen zugehört“, erinnert er sich.

Als Kommunalpolitiker hat er dann der Domweih seinen Stempel aufgedrückt. Etwa der Gottesdienst im Autoscooter. „Das war eine Lösungsidee von Ernst Kusche und dem Seelsorger der Schausteller.“ Für deren Umsetzung hatte aber Pabst sich dann eingesetzt. „Weil die Gottesdienstbesucher in der Johanniskirche durch die Domweih gestört wurden“, erklärt Pabst den Hintergrund. Und wie sich dann gezeigt habe, hatte die Stadt damit auch den Marktbetrieb bis zum Ende der Gottesdienstzeit im Griff.

„Domweih gehört in die Innenstadt“

Eines sei für ihn immer eine klare Sache gewesen: „Die Domweih muss in der Innenstadt bleiben.“ Das mache die besondere, fast einzigartige Atmosphäre des Volksfestes aus.

All dieses künftig anderen zu überlassen, fällt Pabst nicht ganz leicht. Auch und gerade, wenn man mit dem Erreichten zufrieden sein kann. „Aber ich wollte nicht solange weitermachen, bis die Jüngeren warten, dass ich aufhöre“, erklärt er seine Entscheidung. Immerhin würde er am Ende der nächsten Legislaturperiode 78 Jahre alt sein. Nur die Stadtwerke lassen ihm noch keine Ruhe. Auch den Versorger hat er über Jahrzehnte im Aufsichtsrat begleitet. Eine weitere Mitarbeit könnte er sich hier noch vorstellen.

„Ich hab einiges vor, was nicht möglich wäre, wenn ich immer verfügbar sein müsste“, sagt Pabst zu seinen Plänen für den jetzt doch bald beginnenden Ruhestand. Was das ist, zeigt sich an seinen aktuellen Plänen. Der Polit-Senior startet mit seiner Frau Ulla und einer Reisegruppe auf eine Tour durch den Süden Englands. Aber auch in Deutschland gäbe es noch einiges zu erkunden, „und viele Motive für meinen Fotoapparat“, verrät Pabst ein Hobby.

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